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Viele offene Fragen
Bis heute ranken sich zahlreiche Erzählungen um die Geschehnisse des »11. Septembers« – denn die Liste der Ungereimtheiten ist lang
Die Anschläge vom 11. September 2001 haben Millionen Menschen live im Fernsehen verfolgt. Schon kurz nachdem das erste Flugzeug in einen der beiden Doppeltürme des World Trade Centers (WTC) in New York eingeschlagen war, begannen Sender weltweit über die Geschehnisse zu berichten. Die Kameras waren auf das WTC gerichtet, als es eine halbe Stunde später von einem zweiten Flugzeug getroffen wurde – auch, als die Gebäude schließlich einstürzten. Zugleich wurde von chaotischen Zuständen in der Hauptstadt Washington berichtet. Doch bis heute fehlt eine schlüssige Erklärung: Was geschah wirklich an jenem Tag, an dem mehr als 3.000 Menschen durch die Anschläge starben, die zum Anlass genommen wurden, einen »Krieg gegen den Terror« auszurufen, in dem mehrere Länder verwüstet und Millionen Menschen getötet wurden? Der 2004 veröffentlichte offizielle Untersuchungsbericht hat darauf keine zufriedenstellende Antwort geliefert. Kein Wunder – muss man aus dem Rückblick schließen –, denn er war nur unter Druck zustande gekommen und hatte von Anfang an zum Ziel, Zweifel über die bereits etablierte Deutung von »9/11« zu zerstreuen.
Fehlende Luftabwehr
Die Fragen beginnen bei ganz einfachen Sachverhalten. Wie war es etwa möglich, dass an jenem Morgen des 11. September gleich vier Flugzeuge entführt wurden und drei von ihnen einfach so in die Twin Towers und das Pentagon gelenkt werden konnten? Eine Analyse aus dem Frühjahr 2002, die in der renommierten Fachzeitschrift World Affairs (WA) veröffentlicht wurde, spricht von einer »außergewöhnlichen Untätigkeit des nationalen Sicherheits- und Verteidigungssystems von dem Zeitpunkt an, als erstmals bekanntwurde, dass mindestens vier Flugzeuge entführt worden waren (vor acht Uhr morgens am 11. September), bis zu dem Zeitpunkt fast zweieinhalb Stunden später, als das dritte Ziel, das Pentagon, von einem dieser Flugzeuge getroffen wurde«. Zwölf Minuten vor diesem Aufprall hatte die US-Luftfahrtbehörde eine Warnung ausgesprochen, doch in der nahegelegenen Andrews Air Force Base hätten sich die in Alarmbereitschaft befindlichen Kampfflugzeuge nicht gerührt, noch sei ein Evakuierungsbefehl für das Hauptquartier des US-Verteidigungsministeriums ergangen. Die Bundesbehörden befanden sich aufgrund »präziser und wiederholter Terrorwarnungen aus verschiedenen in- und ausländischen Quellen in höchster Alarmbereitschaft«.
Die schließlich entsandten Militärjets von den weit entfernten Stützpunkten Otis und Langley seien »gemächlich mit einem Viertel ihrer Höchstgeschwindigkeit zu den beiden betroffenen Städten« geflogen, wird bei WA festgehalten. Die Reaktion des damaligen US-Präsidenten George W. Bush, der fünf Minuten nach dem ersten Einschlag im WTC von seinem Stabschef informiert wurde, wird als »bizarre Passivität« eingeordnet. Der in einer Grundschule in Florida weilende Staatschef sprach »weitere 25 Minuten lang über die Bedeutung der Lesefähigkeit«, bevor er eine Fernsehansprache hielt.
Häufung von Zufällen
Und die Ungereimtheiten gehen weiter. Schon am Tag selbst wurde eingewandt, dass ein vollständiger Zusammenbruch der beiden Zwillingstürme des WTC ihrer Architektur widerstreite. Sie bestanden aus einer Stahlkonstruktion, die durch brennendes Kerosin nicht einfach zerstört werden kann. Außerdem sei nicht zu erklären, warum am Ende auch das Gebäude WTC 7 komplett in sich zusammenstürzte, obwohl es nicht direkt von einem Flugzeug, sondern nur von Trümmerteilen getroffen wurde. Statt dessen habe das, was auf den Fernsehaufnahmen zu sehen war, einer kontrollierten Sprengung geglichen. Im Untersuchungsbericht heißt es dazu: Die Hitze habe ausgereicht, den Stahl zu zermürben, und im WTC 7 habe die Sprinkleranlage wegen der ausgefallenen Wasserzufuhr versagt. Die WA-Analyse spricht ebenfalls davon, dass das größte Rätsel unter »den Trümmerhaufen, die von den WTC-Türmen und den umliegenden Hochhäusern zurückblieben«, liege, darunter das WTC 7, in dem sich »das Hauptquartier der ›Global Economic Intelligence‹ der CIA« befand. Dieses sei »auf eine Weise implodiert, die keines der Expertenszenarien und keine der Computersimulationen vorhersagen, nachstellen oder erklären konnte«.
Unter den Beweisen für die offizielle Darstellung der Geschehnisse am 11. September 2001 sticht einer besonders ins Auge: das ist der Reisepass von Satam Al-Sukami, einem der mutmaßlichen Entführer des Jets, der als erstes in das WTC einschlug. Das Dokument soll ein unbekannter Passant einige Häuserblocks von den Doppeltürmen entfernt auf der Straße aufgelesen und einem Polizisten übergeben haben, noch bevor das WTC zusammenstürzte. Angeblich soll der Pass durch die Wucht der Explosion beim Aufprall ins Freie geschleudert worden sein.
Hinzu kommen weitere Zufälle: Ausgerechnet die Reisetasche von Mohammed Atta, dem vermeintlichen Anführer der Terroristen, soll bei seinem letzten Umstieg am Airport nicht rechtzeitig weiterbefördert worden und liegengeblieben sein. Darin wollen die Ermittler Material gefunden haben, das die Theorie von den islamistischen Suizidattacken bestätigt. Auch ein Abschiedsbrief des mutmaßlichen Attentäters Siad Dscharrah an seine Freundin in Deutschland wird als Beweis präsentiert. Er sei am 10. September abgesandt worden – und als unzustellbar in die Hände des FBI gefallen, da die Adresse fehlerhaft war.
Autorschaft unklar
Die Häufung von Merkwürdigkeiten wird dadurch getoppt, dass ausgerechnet zu diesem Jahrhundertverbrechen kein Bekenntnis veröffentlicht wurde, das hinsichtlich Echtheit und Plausibilität einer Überprüfung standhält. Alle Welt verbindet heute »9/11« mit dem Namen des saudischen Dschihadistenführers Osama bin Laden. Allerdings hat dieser wenige Tage später im Sender Al-Dschasira die Verantwortung von sich gewiesen: »Die US-Regierung hat mir stets die Schuld gegeben, wann immer ihre Feinde sie angriffen. Ich möchte der Welt versichern, dass ich die jüngsten Angriffe nicht geplant habe. Ich lebe im Islamischen Emirat Afghanistan und befolge die Regeln seiner Führung. Der derzeitige Anführer gestattet es mir nicht, solche Operationen durchzuführen«, sagte bin Laden.
Laut offizieller Darstellung sagte bin Laden nicht die Wahrheit. So will die US-Armee zu Beginn des NATO-Kriegs gegen Afghanistan im Dezember 2001 in einem leerstehenden Haus in Dschalalabad ein Video gefunden haben, von dem behauptet wurde, dass auf ihm bin Laden zu sehen sei, der mit den Worten zitiert wird: »Wir hatten seit dem vorherigen Donnerstag die Nachricht, dass das Ereignis an diesem Tag stattfinden würde. Die Brüder, die die Operation durchführten – alles, was sie wussten, war, dass sie eine Märtyreroperation planten. Wir haben ihnen die Details erst kurz vor dem Boarding enthüllt.« Die Echtheit des Videos, das den Linkshänder bin Laden als Rechtshänder mit im Islam geächtetem Goldschmuck zeigt, und auch die Korrektheit der Übersetzung stehen jedoch in Frage. World Affairs kommt wenige Monate später zu dem Fazit, »dass die von den Bundesbehörden zusammengetragenen Beweise bislang dürftig erscheinen und vor Gericht keinen Bestand haben würden«.
Epilog in Abbottabad
Also wurden weiter »Beweise« für die Täterschaft der Al-Qaida nachgereicht. Dabei war der katarische Sender Al-Dschasira federführend. Sein Reporter Josri Fouda kam 2002 in Pakistan mit zwei »Terroristen« zusammen, den angeblichen Bin-Laden-Vertrauten und »Masterminds« hinter »9/11«: Ramsi Binalschibh und Khaled Scheich Mohammed. Fouda selbst unterstrich, dass er deren Aussagen nicht nachprüfen konnte, und von bin Laden ist keine Stellungnahme dazu bekannt. Beide wurden später vom US-Geheimdienst inhaftiert. Alle Geständnisse, die sie fortan geliefert haben sollen, wurden offiziellen Angaben zufolge in Dutzenden Foltersitzungen erzwungen. Sie befinden sich bis heute in Guantanamo. Der »9/11«-Kommission standen sie nicht zur Vernehmung zur Verfügung. Ein Prozess gegen Khalid Scheich Mohammed und drei weitere Angeklagte soll 2028 beginnen, wie im August festgesetzt wurde. Binalschibh wurde von einem Militärtribunal für verhandlungsunfähig erklärt – laut seinen Verteidigern ist sein Zustand eine Folge der schweren Folter und der Isolationshaft.
2006 lieferte dann Al-Dschasira einen weiteren schlagenden »Beweis« für die Autorschaft bin Ladens – kurz vor den Midterm-Elections in den USA, in denen die Republikaner einen schweren Stand hatten. Bin Laden sagte in einer dem Sender übermittelten Videobotschaft: »Der Bruder Mohammed Atta war der Anführer. Die Brüder, die die Operation durchführten, waren eine kleine Gruppe, die an ihre Sache glaubte.« Aber es gibt auch hier ein Problem. Denn zu jener Zeit befand sich bin Laden in Abbottabad in Pakistan – in Gefangenschaft des Geheimdienstes ISI, wie der US-Journalist Seymour Hersh 2015 in der London Review of Books aufdeckte. Der eng mit der CIA zusammenarbeitende ISI soll Atta auch kurz vor den Attentaten 100.000 US-Dollar überwiesen haben.
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