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Sturm auf Folterknast
Ukraine: Von faschistischer »Asow«-Einheit betriebenes Geheimgefängnis enttarnt. Chef des Präsidialamtes in Kiew: kein Einzelfall
Schüsse peitschten am Montag abend durch den kleinen Ort Petropawliwska Borschtschagiwka am westlichen Stadtrand von Kiew. Sie wurden wahrscheinlich von Angehörigen der Nationalgarde abgegeben. Wackelbilder vom Handy zeigen einen Tumult, vereinzelt auch Menschen, die reglos am Boden liegen. Einige hatten versucht, in ein Gebäude einzudringen. Daraufhin wurden sie von einer vermummten Schlägertruppe mit Knüppeln und Reizgas traktiert, aus der heraus faschistische Parolen gerufen wurden. Ein 14jähriger Junge, der auf die Mauer zum Grundstück gestiegen war, wurde mit einer Schaufel niedergeprügelt und ins Haus geschleppt. Später konnte er, offenbar unter schwerem Schock stehend, gerettet werden.
Zuvor war in den sozialen Netzwerken die Nachricht verbreitet worden, dass die neonazistische »Asow«-Einheit der Nationalgarde dort ein Geheimgefängnis unterhält, in dem Zwangsmobilisierte und Deserteure festgehalten werden. Menschen versammelten sich und versuchten, die rund 40 Insassen zu befreien, die zumindest zum Teil misshandelt worden sein sollen. Eine Sanitäterin flehte Polizisten auf Knien an, sie medizinisch versorgen zu dürfen – schließlich konnte sie passieren. Ihr Bericht und die Fotos, die sie zeigte, zeugen von brutalen Gewalttaten. Einigen Männern sollen Gesichts- und Rückenverletzungen zugefügt worden sein.
Schließlich tauchte auch Kirilo Budanow, Präsidialamtsleiter Wolodimir Selenskijs und ehemaliger Chef des Militärgeheimdienstes GUR, am Ort des Geschehens auf. Aus der aufgebrachten Menge heraus wurde er gefragt, wie es sein kann, dass »solche Gebäude« überhaupt existieren. »Weil es viele solcher Gebäude gibt«, lautete seine zynische Antwort.
Dass »Asow« und andere faschistische Einheiten extralegale Strafaktionen vornehmen und auch Verbrechen begehen, um sich zu bereichern, ist länger bekannt und sorgt für wachsenden Unmut in der Bevölkerung. Die »Busifizierung« genannten Zwangsrekrutierungen auf offener Straße sind für ultrarechte Militärs längst zu einem lukrativen Geschäft geworden: Zum Beispiel hatte die Nationale Polizei der Ukraine im Oktober 2025 bekanntgegeben, dass für die Menschenjagd eingesetzte Soldaten in Ternopil ein Auto beschlagnahmt, junge Männer eingefangen und in Kellern festgehalten hatten, um Lösegelder für deren Freilassung zu erpressen. Verschwiegen haben die Behörden jedoch, dass es sich bei den Tätern um Angehörige der berüchtigten 3. Sturmbrigade von »Asow« in der Armee gehandelt hat, wie einer von deren Kommandanten bestätigen musste.
Budanow versprach am Dienstag eine »objektive Untersuchung« durch die Behörden und eine »Bestrafung« der »Initiatoren dieser Ereignisse«. Mit seiner Behauptung, diese hätten »nicht ohne Einfluss« stattgefunden, machte er deutlich, dass nicht gegen »Asow« als Betreiber eines mutmaßlich illegalen Gefängnisses ermittelt wird, sondern gegen die Menschen, die dagegen protestiert haben. Das bestätigt die Stellungnahme der Wehrbeauftragten Olga Reschetilowa, die erklärte, dass sich unter den Bewachern auch Asowstal-Kämpfer befinden würden, die 2022 in Mariupol in russische Gefangenschaft geraten waren und heute wieder »die ukrainischen Kinder« verteidigten. »Die Bevölkerung hingegen bedankte sich bei ihnen mit Spuckattacken, Eiern, eingeschlagenen Fenstern«, empörte sich Reschetilowa. Die Neonazibanden, die, wie so häufig, als Hilfspolizei agierten und für »Ordnung« sorgten, blieben unerwähnt.
Das Medienestablishment setzt ebenso auf Ablenkung und präsentiert »Zeugen«, die alle Vorgänge abstreiten. Die Sanitäterin, die »Asow« belastet hatte, wird sogar schon auf der Plattform »Mirotworez«, die Todeslisten erstellt, als »professionelle Provokateurin« geführt. Der Kommandeur des 1. »Asow«-Korps, Denis Prokopenko, hat bereits am Montag abend die Linie vorgegeben: Er lobpreiste die Heldentaten seiner Truppe und klagte Personen an, die nicht beim Militär dienten und »hinter den Linien Sabotageakte begehen, ukrainische Soldaten diskreditieren und ein Bild schaffen, das Russland in die Hände spielt«. Was im Informationsraum rund um den Vorfall in Petropawliwska Borschtschagiwka geschehe, so Prokopenko weiter, erfülle Russlands Ziele, »die ukrainische Gesellschaft und das Militär zu zerstören«.
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