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Ukrainischer Revisionismus

Nazispektakel in Kiew

Ukrainischer Revisionismus: Faschistenführer Konowalez exhumiert, überführt und als Held von »Asow«-Nationalisten in Empfang genommen

Foto: REUTERS
»Held der Ukraine«: 88 Jahre nach seinem Tod wird Konowalez mit neonazistischen Ehren gewürdigt (Kiew, 14.8.2026)

Mit überbordendem Pomp und nationalistischem Pathos hat das 3. Korps der ukrainischen Armee die »Heimkehr« von Jewgen Konowalez gefeiert. Der Sarg mit den sterblichen Überresten des ersten Führers der faschistischen Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) wurde am späten Freitag abend durch ein »Asow«-Ehrenspalier von Fackel- und Fahnenträgern in die Patriarchalkathedrale der Auferstehung Christi der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche in Kiew getragen. Dmitro Kuchartschuk, der neonazistische Chef der Ideologieabteilung des 3. Korps – einst Cheerleader von »Sieg Heil!«-Hooligan-Chören – und Georgi Kuparaschwilli, Leiter der 2016 von »Asow« eröffneten »Jewgen-Konowalez-Militärschule«, bedeckten ihn in einer weihevollen Zeremonie mit der OUN-Fahne. Der Transport war mit einem »Austin«-Panzerwagen aus dem Ersten Weltkrieg erfolgt, den Angehörige des 3. Korps restauriert hatten.

Das Nazispektakel wurde vom Befehlshaber des Korps, den Präsident Wolodimir Selenskij 2025 zum Brigadegeneral befördert hatte, höchstpersönlich dirigiert: Andrij Bilezkij nahm den Trauerzug mit Konowalez’ Sarg am Eingang der Kathedrale mit einer Ansprache in Empfang: »Heute treffen hier zwei Generationen aufeinander«, sagte der »Weiße Führer« der »Asow«-Bewegung. Er erinnerte an Konowalez als Kommandeur der 1917 aufgestellten »Sitscher«-Schützeneinheit der (kurzlebigen) Volksrepublik Ukraine und der Ukrainischen Militärischen Organisation (UWO), Vorläufer der 1929 gegründeten OUN, und würdigte seine eigene Gefolgschaft, die seit dem Maidan 2014 wie ein Staat im Staat agiert, als Nachfolger.

Unerwähnt blieb – wie in allen Reden für den Nationalhelden –, dass Konowalez bis zu seiner Ermordung 1938 durch einen sowjetischen Agenten ein Verbündeter Hitlers war und die UWO, später die OUN, mit den Geheimdiensten der deutschen Reichswehr und ab 1935 der Wehrmacht kollaborierten. Laut Historikern wie Grzegorz Rossoliński-Liebe hat Konowalez nach einem Treffen mit Hitler 1933 an die Ukrainer appelliert, den »Führer« zu unterstützen, weil er »die Türen nach Osten öffnen« würde. Es ist auch belegt, dass Konowalez ein Antisemit war. 1934 verlangte er ein hartes Vorgehen gegen »Mischehen mit Juden« als »Feinde unserer Wiedergeburt«. Und »Rache« versprach seine Organisation zu Konowalez’ ersten Todestag den »russisch-jüdischen Reptilien, die ihr seit Jahrhunderten unser Blut saugt«.

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Das alles hat das ukrainische Establishment nicht daran gehindert, eine Welle der Konowalez-Fetischisierung im Land loszutreten. Die Medien überschlagen sich mit Berichten über das Schaulaufen von Politikern, Militärs, Geistlichen und anderen Stützen der ukrainischen Gesellschaft, die am in der Kirche aufgebahrten Sarg mit Ehrenwache der ukrainischen Streitkräfte vorbeidefilieren oder davor niederknien. »Es wurde jahrzehntelang versucht, seinen Namen auszulöschen, zu verzerren oder in Vergessenheit geraten zu lassen«, erklärte Selenskijs Präsidialamtschef Kirilo Budanow am Sonntag. »Die Feinde des unabhängigen Ukraines fürchteten den Oberst zu Lebzeiten – und fürchten ihn bis heute.«

Konowalez’ Leichnam ist am 11. August auf dem Friedhof Crooswijk in Rotterdam exhumiert und zwei Tage später in die Ukraine überführt worden. Das Prozedere wurde von höchster Stelle organisiert: von Budanow, dem ukrainischen Außenministerium, und vom Leiter des Ukrainischen Instituts für Nationale Erinnerung sowie ehemaligen »Asow«-Offizier Olexander Alferow. Die Gebeine von Konowalez werden nun vorläufig auf dem Nationalen Militärischen Gedenkfriedhof beigesetzt, bis sie ins »Pantheon der Helden« überführt werden können, dessen Errichtung Selenskijs Ministerkabinett am 1. Juli beschlossen hat.

»Jede der vorangegangenen Generationen übernahm die ukrainische Sache in unvollendetem Zustand«, verkündete Bilezkij. »Wir sind die Ersten, die eine echte Chance haben, die schweren Fesseln zu sprengen und das Werk des Obersts sowie all der großen Vorgänger zu vollenden.« Was genau gemeint ist, gab das 3. Korps auf seinen offiziellen Social-Media-Kanälen bekannt: »Das Imperium, das ihn ermordete, wird vernichtet werden!«

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.08.2026, Seite 7, Ausland

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