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Kulturaustausch mit »Asow«
Aufstellen, Wolfsangel zeigen und lächeln: Der Leiter des Goethe-Instituts Ukraine lässt sich mit Kämpfern der 3. Sturmbrigade ablichten
Eine konsequent vollzogene Zeitenwende verlangt auch nach Militarisierung des weltweit tätigen Kulturbotschafters der Bundesrepublik Deutschland. So nahm Jakob Racek, Direktor des Goethe-Instituts Ukraine, auf der Frankfurter Buchmesse 2026 Aufstellung zu einem Gruppenfoto mit Marina Mirsajewa und Alexander Iwanzow von der 3. Separaten Sturmbrigade der Kiewer Streitkräfte. Durch das Hochhalten ihrer Truppenfahne, auf der ein abstrahiertes Wolfsangelsymbol prangt, demonstrierten die beiden uniformierten Krieger stolz: »Asow« – presente!
Mit dieser Manifestation von »Ukraine-Solidarität« gab sich das Goethe-Institut nicht weniger als die Ehre, die offen neonazistische Einheit der »Asow«-Militärfamilie zu würdigen. Die 3. Sturmbrigade gehört zum 3. Armeekorps, das unter dem Befehl von Andrij Bilezkij steht, dem 2025 zum General beförderten ehemaligen »Weißen Führer« der paramilitärischen Organisation »Patriot der Ukraine«. Die Ideologen der Brigade predigen bis heute »Blutsgemeinschaft« und »Ukraine den Ukrainern!«.
Das Goethe-Institut bildete mit dem Ukrainischen Buchinstitut und dem Ukrainischen Institut sowie der Bundeszentrale für politische Bildung das organisatorische Rückgrat für Kiews Messeauftritt mit insgesamt 37 Veranstaltungen. Zur Eröffnung des 200 Quadratmeter großen Länderstands hielten Vertreter der Förderer, darunter das Auswärtige Amt und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Ansprachen. 44 ukrainische Verlage waren geladen.
Was unter dem Radar der deutschen Öffentlichkeit blieb, aber von Tschitomo, der größten unabhängigen Kulturplattform der Ukraine, zu erfahren ist: Die Organisation »Cultural Forces« der ukrainischen Streitkräfte präsentierte in Kooperation mit Bilezkijs 3. Armeekorps auch literarische Werke von Militärautoren. So fand sich am Ukraine-Stand auch das Buch »Frauen der Freiheit« von Marina Mirsajewa von 2025: eine Hymne auf die weiblichen Mitglieder der faschistischen »Organisation Ukrainischer Nationalisten« (OUN) und ihres bewaffneten Arms »Ukrainische Aufständische Armee« (UPA), die im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit Nazideutschland kollaboriert hatten. »Wir gingen mit der Brigade nach Bachmut, und ich fühlte mich wie eine Heldin einer großen Geschichte«, schlug Mirsajewa eine Brücke in die Gegenwart. »In diesem Buch gibt es zwei Zeitstränge – die Befreiungskämpfe der OUN und UPA sowie meine Geschichte mit dem 3. Armeekorps.« Mirsajewa, Ideologieunteroffizierin der 3. Sturmbrigade und Historikerin, war 2023 auch Kuratorin der Ausstellung »In Stahlgewittern« – in Erinnerung an die berühmten Kriegstagebücher des Schriftstellers und Salonfaschisten Ernst Jünger – im Museum der Geschichte Kiews. In der Fotoschau wurden die »Asow«-Truppen sogar als historische Nachfolger der Waffen-SS-Division »Galizien« gepriesen.
Als wäre das nicht »Fack ju Göthe« genug: Auch ein Buch von Mirsajewas Kameraden Alexander Iwanzow über die Schlacht um Mariupol 2022 wurde am Ukraine-Stand angeboten. Iwanzow ist offenbar Hobbyhistoriker – und zwar ein besonders »kritischer«: Wie der US-amerikanische Publizist Moss Robeson recherchierte, hatte Iwanzow 2018 die Gedenkstätte Auschwitz besucht, sich am Lagertor ablichten lassen und in den sozialen Medien gewarnt: »Seid vorsichtig! Das Museum spricht eher die Gefühle und Emotionen an als den Verstand.« Daher sei anzuraten, so Iwanzow weiter, neben den Erinnerungen der Überlebenden auch die Biographien der KZ-Kommandanten und die Positionen der Holocaustleugner zu beachten.
Das hat die Vertretung des Instituts in der Ukraine, das nach einem der bedeutendsten Vordenker der europäischen Moderne benannt ist, nicht davon abgehalten, das Gruppenbild mit Nazis auf ihrem offiziellen Instagram-Kanal zu posten (mittlerweile gelöscht). Auf die Fragen von junge Welt nach den Gründen des Auftritts von Direktor Racek mit Kämpfern einer neonazistischen Einheit und Unterstützung bei der Verbreitung geschichtsrevisionistischer Literatur reagierte eine Pressesprecherin am Wochenende mit dem Hinweis, Marina Mirsajewa sei als »Autorin im Rahmen des Programms des Ukrainischen Buchinstituts« anwesend gewesen, und erklärte: »Das Goethe-Institut setzt sich für demokratische Werte, kulturellen Austausch und einen offenen gesellschaftlichen Dialog ein.«
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