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Jugendproteste

Paris ist noch weit

Zehntausende auf der Straße: »Gen Z regelt«-Proteste verlaufen überwiegend friedlich. Vereinzelte Ausschreitungen bei späteren Kundgebungen am Abend

Foto: Thilo Schmuelgen/REUTERS
Teilnehmerinnen der Kundgebung in Köln am Sonnabend

Sie haben die Nase voll vom Unterricht in maroden Schul- und Universitätsgebäuden, von steigenden Preisen, dem Sparkurs der Bundesregierung, von Militarisierung und Aufrüstung. Zehntausende Menschen, vor allem junge Leute, aber auch viele ältere, sind am Sonnabend einem Aufruf von »Gen Z regelt« gefolgt, einer unter dem Eindruck der Jugendproteste in Frankreich entstandenen Bewegung. Von Kiel bis München, von Bremen bis Rostock gingen sie auf die Straße und forderten mehr Geld für Bildung, Klimaschutz und Soziales. Populärer Schlachtruf bei den Kundgebungen: »Merz, leck Eier!« Er richtet sich gegen die Politik von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und besonders gegen die drohende Wehrpflicht.

Insgesamt bleibt die Mobilisierung in Deutschland deutlich hinter der in Frankreich und Italien zurück. Die größten Demos am Sonnabend fanden in Köln mit rund 15.000, in Frankfurt am Main und Berlin mit jeweils etwa 10.000 sowie in Hamburg mit rund 7.000 Demonstranten statt. Die Teilnehmerzahlen in über 30 anderen Städten lagen teilweise deutlich niedriger. Insgesamt verliefen die Kundgebungen friedlich und nahezu ohne Zwischenfälle.

Am Abend wurden allerdings doch noch Bilder geliefert, auf die bestimmte Medien und politische Akteure nach tagelanger Panikmache gewartet hatten. Zusammenstöße gab es am Rande von Kundgebungen, die teilweise keinen zeitlichen Zusammenhang mit den »Gen Z«-Protesten hatten. Eine Polizeisprecherin in Berlin konstatierte etwa, dass die Veranstaltungen ziemlich gegensätzlich gewesen seien.

Bild berichtete prompt von »Bränden, Plünderungen und Böllerwürfen« und einer »Krawallnacht«. Die vereinzelten Ausschreitungen vor allem in Köln, Frankfurt, Berlin und Hamburg waren indes weit entfernt von den Exzessen, die im Vorfeld prophezeit worden waren. Die Bewegung »Gen Z regelt« distanzierte sich von der Gewalt. »Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss«, sagte ein Sprecher gegenüber dpa.

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Zu einzelnen Plünderungen kam es in der Frankfurter Innenstadt in zwei Schuhläden. Dort wurden die Schaufenster zertrümmert und Markenschuhe gestohlen. Bei einem Waffengeschäft wurde ein Loch in das Sicherheitsglas geschlagen, durch das zwei Gewehre aus der Auslage gezogen wurden. Ein Sondereinsatzkommando der Polizei nahm einen Verdächtigen fest und stellte die Waffen sicher.

In Köln hatte die Polizei am Nachmittag den Aufzug durch die Stadt wegen Pyrotechnik und Vermummung von Teilnehmern untersagt, dann aber als stationäre Kundgebung am Rheinufer zugelassen. Unter den Demonstranten war der 23jährige Jakob aus Köln-Porz, der gegenüber jW erklärte, »die Folgen der Militarisierung und der damit einhergehende Sozialabbau« hätten ihn auf die Straße gebracht. Die Kölner Linkspartei kritisierte in einer Mitteilung, die Polizei habe von Beginn an eskaliert. »Wer jungen Menschen erst das Demonstrieren verweigert und ihnen dann mit Wasserwerfern begegnet, muss sich über ihre Wut nicht wundern«, erklärte die Bundestagsabgeordnete Lea Reisner.

In Berlin demonstrierten bis zu 10.000 Menschen am Brandenburger Tor. Das Spektrum der Teilnehmer ähnelte hier dem der Schulstreiks gegen die Wehrpflicht. Redebeiträge kamen unter anderem von Schüleraktivisten und Medizinern in der Ausbildung. An der am Abend von der Polizei aufgelösten zweiten Demonstration nahmen zunächst etwa 700 und später etwa 3.000 Menschen teil. Nach Polizeiangaben gab es hier 56 vorläufige Festnahmen.

Andreas Roßkopf von der Gewerkschaft der Polizei räumte gegenüber der Rheinischen Post ein, die Proteste von »Gen Z regelt« hätten sich »als sehr friedlich herausgestellt«. Die Gewalt in nach den Demos schrieb er »autonomen und zum Teil vermummten Personen« zu. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) dozierte gegenüber Bild dennoch unverdrossen über »gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu«, die die Demonstrationen vom Nachmittag »gekapert« hätte. Dank der »hoch engagierten Polizeikräfte« seien aber »Gewaltexzesse wie in Paris« verhindert worden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.11.2026, Seite 1, Titel

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