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Marokko spioniert Kritiker aus
NGO-Bericht zu Repression gegen Journalisten. Whistleblower zeigt Tragweite der Überwachung auf
Es ist nicht erst seit gestern bekannt, dass das Königreich Marokko zumindest zwischen 2017 und 2021 Spionagesoftware einsetzte, um damit die Opposition im Land auszuhorchen. Detaillierte Einblicke in die Arbeitsweise des marokkanischen Überwachungsapparats geben nun Berichte eines Whistleblowers namens »Safir« – was übersetzt »Botschafter« bedeutet –, die die Nichtregierungsorganisation Amnesty International (AI) in London Anfang Oktober veröffentlicht hat.
»Safir« war nach eigener Aussage Mitarbeiter der Direction Générale de la Surveillance du Térritoire (DGST), dem Inlandsgeheimdienst des Königreichs. Gegenüber AI beschrieb er, wie Zielpersonen in »Büros, Autos, Cafés und sogar Schlafzimmern gefilmt und abgehört wurden«. Diese Taktiken hätten »nicht nur die gezielt angegriffenen Aktivisten« betroffen, »sondern erstrecken sich auch auf deren Familien, Freundeskreise und berufliche Netzwerke«.
»Die marokkanischen Behörden betreiben einen umfassenden Überwachungsapparat, der digitale und analoge Mittel kombiniert, um Journalisten, Aktivisten und andere kritische Stimmen aufzuspüren, zu überwachen und schließlich zum Schweigen zu bringen«, urteilte AI. Unter anderem soll die DGST die Spionagesoftware Pegasus erworben haben, die von der israelischen NSO Group entwickelt wurde. Die Spyware erfreut sich bei den Geheimdiensten vieler Länder großer Beliebtheit.
Omar Radi, marokkanischer Journalist, machte Bekanntschaft mit den Methoden der DGST. »Der Amnesty-Bericht hat viele Zusammenhänge zwischen dem, was ich während meiner strengen Überwachung erlebt und empfunden habe, aufgezeigt«, zitierte der Sender Al-Dschasira ihn am Dienstag. »Er erklärt die außergewöhnlichen Umstände meiner polizeilichen Vernehmungen und meines Prozesses, bei denen viele meiner Rechte missachtet wurden, da selbst die Kriminalpolizei und die Richter überwacht wurden.« Radi war rund vier Jahre in Haft. Seit März 2026 lebt er in Deutschland.
Marokko bestreitet, die Spionagesoftware Pegasus eingesetzt zu haben. »Neue, von Amnesty International zusammengetragene Beweise – darunter Aussagen von Whistleblowern, geleakte Überwachungsdaten, behördliche Aufzeichnungen über den Einsatz von Spyware sowie Unterlagen von Anbietern solcher Überwachungstechnologien – belegen jedoch das Gegenteil«, widerspricht AI.
Die Behörden des Königreichs können sich der Unterstützung der Presse sicher sein – beispielsweise vom als regierungsnah geltenden Medium Le 360. »Le 360 führte Argumente an, wonach das bloße Auftauchen einer Telefonnummer in den Ziellisten von Pegasus noch nicht belege, dass ein Gerät infiziert war, oder Aufschluss darüber gebe, wer einen mutmaßlichen Angriff in Auftrag gegeben habe«, berichtete Al-Dschasira. »Das Medium argumentierte zudem, Amnesty habe die von den marokkanischen Behörden geforderten schlüssigen technischen und materiellen Beweise nicht vorgelegt.«
»In Marokko werden – wie in allen arabischen Ländern – einfallsreiche Methoden angewandt, um Journalisten zum Schweigen zu bringen und sie von investigativem Journalismus abzuhalten«, sagte der Journalist Taoufik Bouachrine, ebenfalls gegenüber Al Dschasira. Das gelte insbesondere da, wo »es um den rechtswidrigen Gebrauch von Macht, finanzielle Korruption sowie die Verflechtung von politischer Autorität und Geld geht«. Bouachrine wurde 2018 verurteilt – ihm wurden Vergewaltigung und Menschenhandel vorgeworfen. Auch seine Kollegen Omar Radi und Soulaimane Raissouni standen wegen ähnlicher Anklagen vor Gericht. Alle drei bestritten die Vorwürfe; eine Arbeitsgruppe der UN stufte die Inhaftierung als reine Willkür ein. Im Juli 2026 wurden die Journalisten von König Mohammed VI. begnadigt. Doch was Bouachrine und Raissouni betrifft, hat der marokkanische Staat erreicht, was er wollte – als sie begnadigt wurden, gab es ihre Zeitung Akhbar al Yaum nicht mehr und damit eine kritische Stimme weniger im Land.
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