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Algerien

Werben um Rivalen

Algerien: Die USA suchen ein engeres Verhältnis zum Konkurrenten ihres Verbündeten Marokko

Foto: Newscom World/IMAGO
Familiengeschäft: Boulos ist nicht nur Berater Trumps, sondern auch Schwiegervater von dessen Tochter Tiffany (Washington D. C., 21.7.2026)

Es war der dritte offizielle Besuch innerhalb von vierzehn Monaten: Der US-Sonderberater für Afrika und arabische Angelegenheiten, der libanesischstämmige Massad Boulos, besuchte am Sonntag Algier. Dort wurde er vom algerischen Premierminister Sifi Ghrieb sowie von Staatspräsident Abdelmadjid Teb­boune empfangen.

Die offiziellen Verlautbarungen blieben zwar vage, doch war ihnen zu entnehmen, es sei unter anderem um die regionalen Brandherde Libyen und Sahelzone gegangen. Aber auch von US-amerikanischem Interesse an Investitionen in den Energiesektor und einer Kooperation zwischen der verstaatlichten algerischen Erdölfirma Sonatrach und den US-Ölkonzernen Chevron und Exxon war die Rede.

Die Presse des Rivalen Marokko beobachtete die Visite argwöhnisch. »Massad Boulos trifft Tebboune, ohne über die Westsahara zu reden«, titelte dazu die marokkanische Website Yabiladi (»Oh, du mein Land«) mit Bezug auf das seit 1975 durch Marokko besetzte Territorium, in dem Algerien die Unabhängigkeitsbewegung Frente Polisario unterstützt. Das war offensichtlich falsch: Eine offizielle Nachricht von Boulos auf der Plattform X enthielt zumindest die allgemein gehaltene Aussage, man sei sich mit Tebboune über eine »für alle Seiten verträgliche Lösung im Rahmen der Resolution 2797 des UN-Sicherheitsrats« vom 31. Oktober 2025 einig gewesen. Sie beinhaltet den Vorschlag, die Westsahara solle Autonomie im marokkanischen Staatsverband bekommen. Die USA drängen vor allem darauf, Algerien solle in die in einem solchen Falle endgültig durch Marokko annektierte Westsahara investieren – worauf auch US-Konzerne abzielen.

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Das mit Algerien verfeindete Marokko ist der traditionell wichtigste Verbündete der USA (und auch Israels) in der Region. Allerdings laviert auch die marokkanische Monarchie bisweilen zwischen den Großmächten, wenn es darum geht, sich einen Rest an ökonomischer Autonomie zu bewahren. Auch wenn das Land auf wirtschaftlicher Ebene vielfach als Sprungbrett für US-amerikanische sowie westeuropäische Banken und Konzerne nach Nordafrika dient, streckt die Regierung in Rabat ihre Fühler in den subsaharischen Teil des Kontinents aus, und berücksichtigt deswegen mitunter auch russische und chinesische Interessen.

Am Montag titelte das marokkanische Internetmagazin bladi.net (»Mein Land«): »Marokko lässt seinen industriellen Boom durch China finanzieren, ohne die USA aufzugeben«, womit die privilegierte Beziehung zu letzteren gemeint ist. Dazu analysiert das Magazin chinesische Investitionen in oder um die Städte Tanger, Kénitra und Jorf Lasfar in Bereichen wie Lithiumbatterien, Kathoden, Anoden sowie Autoreifen und -zubehör. Die Russische Föderation wiederum plant zusammen mit Marokko die Errichtung kleiner Atomreaktoren. In umgekehrter Richtung versuchen deswegen die USA ihrerseits, beim Nachbarn und Rivalen Algerien, dessen Außenpolitik seit der Unabhängigkeit 1962 wesentlich weniger »prowestlich« ausfällt, ökonomisch Fuß zu fassen. Dabei geht es auch um die Zurückdrängung russischer Interessen im Land.

Algerien brach unterdessen am vorigen Donnerstag offiziell die diplomatischen Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ab. Deren Botschafter hatte bis zum vorigen Sonnabend Zeit, die Koffer zu packen. Algier wirft der Föderation aus sieben kleinen konservativen Golfmonarchien unter anderem ihr enges Bündnis mit dem marokkanischen Thron und Israel, aber auch ihre starke Einmischung mittels Waffenlieferungen in den Krieg im Sudan vor.

Erstmals seit Jahrzehnten, ja – mit Ausnahme der Entsendung von Kontingenten bei den israelisch-arabischen Regionalkriegen von 1967 und 1973 – zum ersten Mal überhaupt seit der Unabhängigkeit, wird Algerien unterdessen außerhalb seiner Landesgrenzen militärisch aktiv. Am 30. August entsandte es vier Kampf- und ein Auftankflugzeug in die benachbarte Republik Niger, in Reaktion auf den dortigen Putschversuch von Truppenteilen am Vortag – von dem die amtierende Militärregierung in Niamey behauptete, Frankreich und Regionalmächte wie Tschad hätten ihn aktiv unterstützt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.09.2026, Seite 6, Ausland

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