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World Media Summit

»Bei uns schreiben Menschen für Menschen«

Auf dem World Media Summit in Beijing sprach jW-Chefredakteur Nick Brauns zur Frage von KI im Journalismus

Foto: Nick Brauns
Die künftigen Nachrichtensprecher: Beim 7. World Media Summit wurden sie erstmals präsentiert (Beijing, 5.11.26)

Der Umgang mit künstlicher Intelligenz steht im Mittelpunkt des 7. World Media Summit, der vom 5. bis zum 8. November in Beijing stattfindet. Teilnehmer sind rund 500 Vertreter von Medien, Thinktanks, Regierungen und den Vereinten Nationen aus 112 Ländern und Regionen. Auf Einladung der Nachrichtenagentur Xinhua sprach jW-Chefredakteur Nick Brauns dort am Donnerstag auf einem Forum zum Thema »KI plus und die Zukunft der globalen Kommunikationspolitik«. (jW)

Meine Damen und Herren,


vielen Dank für die Einladung zu dieser wichtigen Diskussion.


Ich bin Chefredakteur der jungen Welt, einer marxistischen und antiimperialistischen deutschen Tageszeitung, die 1947 gegründet wurde und heute über eine Genossenschaft im Besitz ihrer Leser ist. Unabhängig von politischen Parteien, Konzernen und Kirchen, ist sie die einzige deutsche überregionale Tageszeitung, die ihre Auflage trotz der Krise der Zeitungsbranche und des erklärten Ziels der deutschen Regierung, die Zeitung mit Hilfe ihres Inlandsgeheimdienstes zu untergraben und ihre Reichweite einzuschränken, aufrechterhalten konnte. Unsere Berichterstattung stellt den wirtschaftsliberalen, kriegstreiberischen und transatlantischen Konsens in Frage, der in weiten Teilen der deutschen Medien vorherrscht.
Für uns beginnt die Debatte über künstliche Intelligenz mit einer grundlegenden Frage: Wem gehört diese Technologie, wer kontrolliert sie, und wessen Interessen dient sie?
Neue Produktivkräfte entwickeln sich nicht in einem sozialen Vakuum. Ein Großteil der leistungsstarken KI-Infrastruktur wird, zumindest im Westen, von privaten Konzernen und Techmilliardären kontrolliert. Ihr Streben nach Profit beeinflusst zunehmend, wie Informationen produziert, verbreitet und sichtbar gemacht werden.
Wer kontrolliert die Daten? Wer legt die Algorithmen fest? Und wessen Perspektiven kommen zu Wort? Für eine marxistische Zeitung sind das zentrale Fragen.
KI bietet nützliche Möglichkeiten. Sie kann die Recherche unterstützen, große Informationsmengen analysieren und Übersetzungen erleichtern. Wir sollten diese Möglichkeiten kritisch und verantwortungsbewusst nutzen.
Aber es gibt Grenzen. Unser Grundsatz ist klar: Bei der jungen Welt schreiben Menschen für Menschen.

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KI kann persönliche Begegnungen zwischen Journalisten und den Menschen, über die sie berichten, nicht ersetzen. Sie kann nicht die Präsenz vor Ort ersetzen, das Gespräch mit Arbeitern, das Einholen von O-Tönen oder das Führen von Hintergrundgesprächen. Ebensowenig kann sie die menschliche Verantwortung für die Überprüfung von Fakten und das Verständnis sozialer Realitäten übernehmen.


Journalismus erfordert mehr als die Verarbeitung von Informationen: Er braucht Urteilsvermögen, Erfahrung und Vertrauen. KI kann ein Werkzeug sein, aber sie kann und sollte den menschlichen Journalismus nicht ersetzen.


Unsere Stärke als Tageszeitung liegt nicht darin, mit klickorientierten Plattformen um Schnelligkeit zu konkurrieren, sondern darin, Kontext, Analyse und Hintergrund zu liefern. Die Leser müssen nicht nur verstehen, was passiert ist, sondern auch warum, welche Klasseninteressen im Spiel sind und welche Konsequenzen sich daraus ergeben können.
Das gleiche gilt für die globale Kommunikation. Wir brauchen eine vielfältige internationale Medienlandschaft, in der verschiedene Gesellschaften und soziale Bewegungen sich Gehör verschaffen können. Auch Arbeiter, marginalisierte Gruppen, Gewerkschaften und Basisbewegungen müssen eine Stimme haben.


Als antiimperialistische Zeitung lehnen wir eine globale Informationsordnung ab, die von einem einzigen politischen oder wirtschaftlichen Zentrum dominiert wird. Wir sind zudem die einzige deutsche Tageszeitung, die bestrebt ist, unvoreingenommen über China zu berichten und damit die einseitigen und oft feindseligen Darstellungen in Frage zu stellen, die in weiten Teilen der deutschen Medien vorherrschen. Internationale Kommunikation sollte die Vielfalt unserer Welt widerspiegeln und nicht bestehende Machthierarchien reproduzieren.


Die Zusammenarbeit zwischen Medienorganisationen, darunter die junge Welt und die Nachrichtenagentur Xinhua, kann dabei helfen. Wir können journalistische Erfahrungen und Berichterstattung austauschen, verantwortungsvolle Einsatzmöglichkeiten von KI erkunden und mehr über Gesellschaften erfahren, die oft aus engen oder einseitigen Perspektiven dargestellt werden.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 06.11.2026, Seite 14, Medien

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