Mehr Show als Gehalt
Ukraine-Gespräche
Dass die Ukraine zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt gehörte, ist der Statistik bisher nicht aufgefallen. Schon von daher hat es etwas Ungehöriges, wenn Wolodimir Selenskij »vorschlägt«, er könne sich ja am Rande des bevorstehenden G20-Gipfels in Miami mit Wladimir Putin treffen. Denn bei der Gelegenheit hat er sich gleich auch selbst zu dem Treffen eingeladen und kann mal wieder die Hand aufhalten. Aber solche Dreistigkeiten ist man von einem Land, das angeblich um sein Überleben kämpft und in Wahrheit nur seinen Söldnercharakter im Krieg gegen Russland zu vermarkten sucht, ja inzwischen gewohnt.
In der Sache wird daraus wohl nichts werden – bis vielleicht darauf, dass Selenskij tatsächlich in Florida vorbeischauen darf. Russland hat ein solches Treffen während des Gipfels bereits ausgeschlossen. Vor allem, weil man dort auf dem Standpunkt steht, dass Gespräche auf höchster Ebene mit der Ukraine nur sinnvoll seien, wenn eine Vereinbarung vorher hieb- und stichfest ausgehandelt ist. Wenn es also im eigentlichen Sinne nichts mehr zu verhandeln, sondern nur noch etwas zu unterschreiben gibt.
Und an dieser Stelle hat der Trump-Schwiegersohn Jared Kushner jetzt den Druck auf die Ukraine erhöht. Er sagte bei einer Veranstaltung in Kiew, es gebe für eine Beendigung des Krieges nur noch eine offene Frage: den ukrainischen Rückzug auf die von Russland verlangten Linien, also in erster Linie aus dem Verwaltungsbezirk Donezk. Der Rest der strittigen Fragen sei fertig ausgehandelt, so Kushner – zwischen ihm und der russischen Seite. Von diesem definitiven Verzicht auf den Bezirk Donezk will die Ukraine bisher nichts wissen. Er wäre ihr Eingeständnis, den Krieg verloren und ihre Soldaten für nichts und wieder nichts geopfert zu haben. Kushner und seinem Schwiegervater ist das offenkundig egal.
Statt dessen trumpft das Land, dem angeblich »Patriot«-Raketen fehlen wie Hungernden das Brot, auf: Das griechische Angebot, vor dem Ablaufdatum stehende »Patriot«-Raketen zu liefern, wenn die Ukraine auf Angriffe gegen Tanker unter griechischer Flagge mit russischem Öl verzichte, hat ein ukrainischer Abgeordneter brüsk zurückgewiesen – dann sollten sich die Griechen aus ihren Schrottraketen eben Halsketten schmieden. Natürlich gehört in der Politik Pokern zum Geschäft. Aber man gewinnt dabei nur, wenn die Karten auch stimmen.
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