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Polen

Taschenlampen im Wald

Polen alarmiert Polizei und Spezialkräfte an der Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad. Angeblich sei man einer Sabotageaktion aus Moskau zuvorgekommen

Foto: Doris Heimann/dpa
Noch im August verlegten polnische und deutsche Soldaten Panzersperren an der Grenze zu Kaliningrad

Polen hat umfangreiche Polizei- und Spezialkräfte des Militärs mobilisiert. Die Einheiten seien in der Nacht zum Dienstag im Verwaltungsbezirk Ermland-Masuren entlang der Grenze zum russischen Gebiet Kaliningrad (in Polen seit einiger Zeit wieder »Königsberg« genannt) im Einsatz, um eine befürchtete russische »Sabotageaktion« im Kontext der Moskau unterstellten »hybriden Kriegführung« abzuwehren. Polens Premierminister Donald Tusk räumte allerdings ein, dass letztlich keine Grenzverletzung stattgefunden habe. Ausgelöst hatten den Alarm »besorgniserregende Bewegungen« von »Personen mit Taschenlampen« auf der russischen Seite der Grenze.

Tusks Geheimdienstkoordinator Tomasz Siemoniak ergänzte am Dienstag, man müsse mit »massiven Ereignissen im Grenzgebiet« rechnen, die »der ­Ukraine angelastet« werden könnten. Siemoniaks Sprachgebrauch ist insofern aufschlussreich, als seine Formulierung nicht ausschließt, dass das, was »der Ukraine angelastet« werden könnte, auch tatsächlich von ukrainischer Seite verübt worden sei. Vor kurzem hatte der von Polen unbemerkte Flug ukrainischer Drohnen durch den polnischen und in den litauischen Luftraum für kurzfristigen diplomatischen Ärger zwischen Warschau und Kiew gesorgt. Premier Tusk sah sich deshalb dazu veranlasst, zu erklären, Polen behalte sich die ausdrückliche Genehmigung für die Nutzung seines Territoriums und Luftraums durch Drittstaaten vor. Einfach so einfliegen gehe jedenfalls nicht.

Einige polnische Medien spekulierten unter Berufung auf Informationen aus der belarussischen Emigrantenszene in Polen darüber, dass hinter der Aktion im Grenzgebiet eine angebliche Anwerbeaktion des belarussischen Geheimdienstes KGB stehe. Dieser versuche, über Telegram Leute zu rekrutieren, die in Polen regierungsfeindliche Flugblätter plakatieren oder Infrastrukturobjekte fotografieren würden. Dass sich allerdings die mutmaßlichen Anstifter dieser Aktion zu Fuß durch den herbstlichen Wald an der Grenze auf den Weg gemacht hätten, hat selbst Siemoniak in dieser Form nicht behauptet. So wirkt die polnische Polizeiaktion eher wie ein Manöver, um die Öffentlichkeit in den Grenzregionen an die verstärkte Präsenz Uniformierter zu gewöhnen und zu testen, in welchem Ausmaß die Bewohner Eingriffe in ihren Alltag hinzunehmen bereit sind.

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In der Ukraine gerät unterdessen das Stromnetz unter dem Einfluss russischer Raketenangriffe immer stärker an seine Grenzen. In Kiew haben die meisten Wohnungen inzwischen nur noch etwa sechs Stunden am Tag Strom – und das selten am Stück. Ein Sprecher des lokalen Energieversorgers kritisierte die Bewohner, die, kaum dass der Strom angeschaltet werde, massenhaft ihre Waschmaschinen und Teekocher anstellten und damit den Betrieb der U-Bahn gefährdeten. Von deren drei Linien stellten Anfang der Woche die beiden, die Stadtteile auf beiden Ufern des Dnipro verbinden, ihren Betrieb ein. Jetzt ist nur noch eine Linie auf dem Westufer des Dnipro in Betrieb. Die Entscheidung ist im technischen Sinne vernünftig: Wenn es zu neuen Stromausfällen oder Angriffen auf die Brücken kommen sollte, wäre der Fahrzeugpark auf dem östlichen Flussufer bis auf weiteres verloren, weil er nicht zurück auf das Westufer gebracht werden könnte.

In Kiew sind nach ukrainischen Angaben inzwischen alle vier Kohlekraftwerke, die die Stadt mit Strom und Wärme versorgt haben, außer Betrieb. Die Millionenstadt hängt inzwischen so gut wie ausschließlich von Strom aus dem Atomkraftwerk (AKW) Riwne, 200 Kilometer westlich, und einer einzigen Hochspannungsleitung dorthin ab. Sollte diese Leitung auch zerstört werden, müsste das AKW gedrosselt werden, damit es nicht durchbrennt. Schon jetzt produziert einer der fünf Blöcke des Kernkraftwerkes ausschließlich für den Export, damit eine Grundauslastung der Anlage gewährleistet ist. Angriffe auf Kraftwerke und Umspannstationen gab es auch in mindestens acht weiteren Regionen der Ukraine. Glück im Unglück für die Stromkunden ist die Tatsache, dass die Stahl- und Hüttenindustrie als früherer Großverbraucher inzwischen den Betrieb eingestellt hat, so dass sie auch keinen Strom mehr verbraucht – damit aber natürlich auch keine Devisen mehr erwirtschaftet.

Die russische Bomben- und Raketenkampagne nimmt ihrerseits immer weniger Rücksicht auf die ukrainische Zivilbevölkerung. So wurde in der Ortschaft Kamischewacha südöstlich von Saporischschja eine Schule von mehreren Gleitbomben getroffen, während dort – so jedenfalls die ukrainische Darstellung – humanitäre Hilfe für Bewohner geleistet wurde. Zwei Tage nach dem Angriff ist die Zahl der bestätigten Toten auf 31 gestiegen, aber unter den Trümmern werden noch mindestens ebenso viele Vermisste vermutet.

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.11.2026, Seite 7, Ausland

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