Musk’s Own Country
Die Kommentare zum Wahlsieg der Demokraten wurden hierzulande wie anderswo auf dem Globus zumeist dem guten alten Stehsatz entnommen. Weder natürliche noch künstliche Intelligenz war nötig. Besonders flach die Süddeutsche Zeitung: »In Washington kehrt wieder echte Gewaltenteilung ein.« Staatsfrommer allerdings die Fuldaer Zeitung: »Mehr Demokratie, als sich in diesem Wahlergebnis manifestiert, lässt sich als Antwort auf Demokratiezweifel kaum denken.«
Die Taz witzelt wenigstens, wenn auch falsch: »USA schlimmer als Berlin. Extremer Linksrutsch im ganzen Land. Bekennende Sozialisten, leibhaftige Muslime, junge Männer aus dem migrantischen Milieu, zahlreiche Schwarze und sogar Frauen gewinnen bei den Kongresswahlen House-hoch.« Nun ja: US-Sozialisten sind eher Linksliberale, und nach vorläufigem Stand sitzen unter den 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses 58 Schwarze, was hieße, zwei weniger als zuvor. Die Zahl weiblicher Abgeordneter immerhin dürfte erstmals in den 250 Jahren USA bei mehr als 100 liegen – bislang sind es 118, davon 16 Republikanerinnen.
An zumindest halben Fakten orientiert schauen sich Wirtschaftsredakteure das Verpuffen der Großspenden in diesen Wahlen an, also nur die für Republikaner, über die erfolgreichen Milliarden für die Demokraten schreiben sie nichts. Das Handelsblatt titelt »Der zweite Verlierer« und meint Elon Musk, der allein in Texas 300 Millionen US-Dollar für den gescheiterten Gouverneur in Prärie und Wüste gesetzt haben soll. Das könne »enorme Folgen haben«: Vorladungen und Überprüfungen von Bundesaufträgen, die durch Musks Symbiose mit Donald Trump zustande kamen, könnten erstens die »geplante Fusion zwischen Tesla und Space X verlangsamen«. »Zweitens könnte eine Verlangsamung des Datencenterbooms Space X ähnlich hart treffen wie viele andere Tech- und Neocloud-Konzerne.« Solches Abbremsen hat die zukünftige demokratische Gouverneurin von Texas angekündigt. Das Handelsblatt erinnert an sein Interview im Oktober mit Blackrock- und Friedrich-Merz-Chef Larry Fink. Der hatte gewarnt: »Sollte der weitere Ausbau in den USA gestoppt werden, könnte dies sogar eine Rezession auslösen.«
Die FAZ sieht nicht nur Musk im Mustopf und titelt: »Die krachende (Attribut nur im Internet) Niederlage der Milliardäre.« Sie fasst zusammen: »Trump versprach Geld, Musk gab Millionen aus. Doch die Wähler ließen sich nicht kaufen. Auch die Angst vor Sozialismus verfing nicht.« Im Gegenteil: »Nicht alles lief schlecht für die Milliardäre. Die Kalifornier erteilten der Vermögensabgabe für Superreiche eine Absage.« Musks und Trumps Own Country sind nicht in Demokratiegefahr. (as)
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