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Talsohle erreicht

US-Zwischenwahlen

USA
Foto: Vincent Alban/REUTERS
Die Sonne scheint ihm aus dem Arsch

War es wieder the economy, stupid? Für Trump lag es natürlich an Trump, doch nicht im plausiblen Sinn. Via »Truth Social« ließ er den anderen Teil der Welt – den, der nicht er ist – wissen: Hätte Er auf dem Stimmzettel gestanden, »hätten wir mit einem Erdrutschsieg gewonnen«. And he saw his reflection in the snow-covered hills, while the landslide brought him down. Den Landslide hat er nun, bloß nicht den, den er wollte.

Traditionsgemäß zieht sich die Auszählung. In der Nacht von Dienstag zu Mittwoch hatten die Demokraten in beiden Kammern schon die Mehrheit, im Repräsentantenhaus mit zehn, im Senat mit vier Sitzen. So deutlich war der erwartete Sieg nicht erwartet worden. Zumal man bei den Midterms ohnedies anti­zyklisch wählt. Eine nach wie vor existente Wechselwählergruppe hält an der Überzeugung fest, dass es im Sinne überparteilicher Vermittlung gut sei, wenn die Legislative von der Opposition kontrolliert wird. Diese Gruppe aber schmilzt seit einigen Jahren.

So wird man tatsächlich von einer Protestwahl reden dürfen, was auch die Zahlen bestätigen. Weniger als 30 Prozent der US-Bürger sind mit Trumps Politik zufrieden, nur Truman während des Koreakriegs (22 Prozent) und Nixon nach Watergate (24 Prozent) kamen seit Erfassung auf schlechtere Werte. Die Inflationsrate konnte nicht im versprochenen Maß gesenkt werden, seit der Iran-Krise ist sie deutlich gestiegen, abhängig von steigenden Preise für Lebensmittel, Strom, Heizung und Benzin. Erwerbsquote und Reallöhne sind seit Kriegsbeginn rückläufig. Trump verweist dagegen auf steigende Aktienkurse und Wachstum, und dieses Täuschungsmanöver ist fast rührend ehrlich. Wachstum führe zu Wohlstand der Bevölkerung, so das Narrativ. Es zeigt aber bloß das Prosperieren des Kapitals an, und das ist letztlich, worum es geht – sofern man sich nicht gerade im Wahlkampf befindet.

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Den Kampf um die Präsidentschaft betreffend lässt sich den Midterms wenig entnehmen, er folgt anderen Regeln. Die Republikaner können ihren Richtungsstreit noch ein wenig zurückstellen, das MAGA-Lager um Vance sieht sich derweil in den ökonomischen Kennziffern bestätigt, Krieg ist diesen Leuten vor allem eins: Kostenfaktor. Die Demokraten dürften dagegen ihre Fehler wiederholen. Man wird erneut auf einen Wertewahlkampf setzen, was weder bei Harris (2024) noch bei Clinton (2016) und eigentlich auch bei Biden (2020) nicht geklappt hat. Der profitierte beim konservativen Teil der Wechselwähler davon, dass er ein Mann ist, und hatte zudem den Vorteil, dass dem Land damals vier Jahre Trump in den Knochen saßen.

Die nächsten zwei Jahre jedenfalls wird Trump nicht einfach durchregieren können. Die Demokraten haben jetzt die Möglichkeit, ihn im Kongress zu blockieren. Nicht dass er sich dadurch behindert sähe. In seiner zweiten Amtszeit unterzeichnete Trump bislang 290 Executive Orders, auf die Amtsdauer gerechnet kommt er damit auf eine Quote, die nur bei den Präsidenten der Weltkriege höher war. Trump weiß um dieses Vermächtnis. »Ich werde Mr. Veto sein«, kündigte er nach der Niederlage an.

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.11.2026, Seite 3, Ansichten

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