IG Metall, bitte aufwachen
Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie
Kann die IG Metall überhaupt noch kämpfen? Jahrzehnte in der unmöglichen Sozialpartnerschaft sind an der großen Industriegewerkschaft nicht spurlos vorübergegangen. Sie wirkt satt und träge, womöglich auch ein wenig ängstlich gegenüber ihrem Partner, der als Aggressor eine Umgangsregel nach der anderen bricht. Auch in der laufenden Tarifrunde wieder.
Fünf Prozent mehr Lohn für ein Jahr fordert die Gewerkschaft. Der »Arbeitgeberverband« Gesamtmetall bietet mehr Arbeit für weniger Geld. Einer dieser Regelbrüche. Im Laufe dieser Woche organisiert die Gewerkschaft nun Warnstreiks in mehr als 2.000 Betrieben. So ist es üblich. Dabei kann es allerdings vorkommen, dass Arbeiter auf dem Weg zum Warnstreik am Werktor aus der Presse erfahren, dass ihr Werk geschlossen wird. So geschehen am Dienstag bei Schaeffler in Dortmund. Und das ist neu.
Der Aggressor wird so weitermachen. Zur Einstimmung auf die dritte Verhandlungsrunde an diesem Freitag drohte der »Arbeitgeberverband« am Mittwoch in Bild mit der Vernichtung von »weiteren 300.000 Arbeitsplätzen in den nächsten zwei bis drei Jahren«. Hauptgeschäftsführer Oliver Zander bezifferte bei der Gelegenheit den »Wertschöpfungsverlust« der bisher gestrichenen 350.000 Arbeitsplätze für die Volkswirtschaft. Dass er die Fünf-Prozent-Forderung »unverantwortlich« nannte, war da noch höfliche alte Schule.
So sieht er aus, der Generalangriff des Kapitals auf die organisierte Arbeit. Er kommt mit dem Niedergang des Exportmodells. Die fetten Jahrzehnte sind vorbei. Es waren die Dekaden um das Jahr 1989 herum, in denen die BRD die Hälfte ihrer Gasimporte aus der Sowjetunion bezog. Für das Autoland mit seinen Zulieferern endete die Herrlichkeit mit Rekordgewinnen auf dem chinesischen Markt. Alles vorbei.
Die IG Metall müsste nun als letzte merken, dass die Gegenseite jede Art von Partnerschaft aufgekündigt hat. Aber die Führung ist noch nicht so weit. »Die Sozialpartnerschaft steht vor einer Bewährungsprobe«, sagte IG-Metall-Chefin Christiane Benner am Mittwoch im Spiegel. »Wir sind vertragstreu«, versicherte sie mit Bezug auf vereinbarte Massenentlassungen. »Allein mit dem Vertrag von Ende 2024 sparen wir 1,5 Milliarden Euro pro Jahr ein«, barmte Benner und seufzte, es sei »schwer, friedlich zu bleiben«.
Bleibt zu hoffen, dass es den 2,02 Millionen Mitgliedern noch schwerer fällt.
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