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Höchst repräsentativ

Foto: Bernd Elmenthaler/IMAGO
Frank-Walter Steinmeier während des Staatsbanketts anlässlich des Besuchs des mongolischen Staatspräsidenten Ukhnaa Churelsukh (Berlin, 20.10.2026)

Er ist nicht nur der Grüßaugust. Die Lage der Lohnabhängigen beeinflusst der Bundespräsident mit den von ihm unterschriebenen Gesetzen und vereidigten Amtsträgern, die der Arbeiterklasse das Leben noch schwerer machen. Darum geht es den hiesigen Hofberichterstattern aber nicht, sondern um »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« im Politikbetrieb der BRD.

Beim Treffen mit CDU-Kreisvorsitzenden am Montag im Konrad-Adenauer-Haus hatte sich Bundeskanzler Friedrich Merz festgelegt: Auf Frank-Walter Steinmeier müsse eine Frau folgen. Dies sei für Merz alternativlos, erklärte die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom Mittwoch, »weil neben Ilse Aigner (CSU) nur Frauen als Kandidatinnen der Union im Gespräch sind«. Eine Frau an der Spitze der BRD sei »etwas, das man auf alle Fälle begrüßen kann«, befand der Tagesspiegel. »Es sollten viel mehr Frauen wichtige Ämter, Posten, Funktionen innehaben, um ihren mehr als hälftigen Anteil an der Bevölkerung auch auf Entscheidungsebenen zu repräsentieren.« Allerdings sollte nicht deshalb eine Frau Bundespräsidentin werden, weil Frauen mal an der Reihe seien, sondern weil sie »politisch kompetent, demokratisch gefestigt und persönlich überzeugend und darum als Besetzung einleuchtend ist«.

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Vom idealen Bundespräsidenten schwärmte die Berliner Zeitung vom Mittwoch: »Sein Einfluss ist die freie Rede, ist die Überzeugung, ist die Souveränität.« Nach einem Führer sehnt sich die Zeitung nicht, aber nach »einer wirklich großen Persönlichkeit an die (sic!) Spitze unseres Staates«. Diese benötigten »wir« jetzt, »aufgrund der Schwäche deutscher Politik«. »Die Bürger« sollten das Amt künftig direkt wählen, forderte das Blatt. Nur so könne der »Wille des Volkes« eine »wirklich respektable Persönlichkeit« küren und »der Bürger« dann sagen: »Dieser Bundespräsident repräsentiert auch mich.«

Die liberale Taz wünscht sich »Frauen mit progressiven Haltungen«, die man »an die Spitze lassen« müsse. »Konservative« Frauen als Vorbilder für »Mädchen«, die »abends im Nachrichtenprogramm« zuschauen, gebe es genügend. Wunschkandidatin der Taz ist offenbar die liberale Juristin Frauke Brosius-Gersdorf. »Das Glück des Kanzlers ist, mehrere Kandidatinnen zu haben, die grundsätzlich in Frage kommen«, freute sich der Stern am Mittwoch und konnte sich eine Beförderung für Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) vorstellen. Die Rhein-Neckar-Zeitung wunderte sich keck, weshalb Merz »nicht auf die naheliegendste Person kam: Angela Merkel«. Schließlich werde sie »in Umfragen von 50 Prozent der Bevölkerung als geeignet angesehen«. Dabei beweist der Kanzler ein ums andere Mal: Beliebtheitswerte tangieren ihn herzlich wenig. (mb)

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.11.2026, Seite 2, Ansichten

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