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Aus: Ausgabe vom 26.01.2026, Seite 15 / Politisches Buch
Imperialismus

Aggressive Expansion

Griff nach den Bodenschätzen: Eine IMI-Analyse zu den Hintergründen des Grönland-Konflikts
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Spuren einer früheren Phase der Rohstoffextraktion: Ein verlassenes Gebäude der ehemaligen Kryolithmine in Ivittuut (21.7.2022)

Grönland ist in den vergangenen Wochen in den Fokus der Weltpolitik gerückt. Der Versuch Washingtons, die riesige, zu Dänemark gehörende Insel zu übernehmen, wird damit begründet, dass »Russland und China« das sonst machen würden. Während in der EU seit Jahren routiniert mit einer angeblichen »russischen Bedrohung« Politik gemacht wird, melden sich nun Stimmen, die mehr oder weniger deutlich darauf hinweisen, dass die US-Behauptungen nicht zutreffen. Am Sonnabend erst berichtete die New York Times unter Berufung auf »europäische Offizielle«, dass keinerlei Erkenntnisse vorliegen, die darauf hindeuten würden, dass Russland und China »die Insel gefährden«.

In der Analysereihe der Informationsstelle Militarisierung (IMI) hat Ben Müller sich mit den Hintergründen des Konflikts beschäftigt. Auch er betont: Die Behauptungen über eine russisch-chinesische Bedrohung ließen sich »leicht widerlegen«.

Die grönländische Bevölkerung hege einen »Groll« gegen Dänemark (was die USA auszunutzen versuchten), lehne aber auch mit großer Mehrheit eine Angliederung an die USA ab. Der Autor zeigt, dass das Interesse der USA an der Insel keine fixe Idee Trumps ist. Erstmals versucht wurde ein Erwerb nach dem Kauf Alaskas von Russland 1867. Die USA unternahmen »1910, 1946 und 1955 weitere erfolglose Versuche, Grönland zu kaufen«. Der Ertrag dieser Bemühungen war das Abkommen von 1951, das es den USA erlaubte, in Abstimmung mit Kopenhagen nach Belieben Militärbasen auf der Insel zu errichten.

Das neuerliche Drängen dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass Grönland für Bergbauprojekte immer interessanter wird: »Zu den grönländischen Bodenschätzen zählen reiche Erzvorkommen wie Gold, Platin, Kupfer, Zink, Molybdän und Eisenerz, aber auch Graphit, Uran und seltene Erden. Grönland verfügt über 24 von 34 Mineralien, die von der EU als kritische Rohstoffe eingestuft werden.« Es liege nahe, dass es Trump letztlich »um die grönländischen Bodenschätze« gehe. Im Fall von Grönland spreche er das allerdings nicht offen aus.

Im Umfeld der Trump-Administration sammeln sich derweil Personen, die einer aggressiven US-Expansion in der Arktis das Wort reden. »Eine dieser Personen ist der Risikokapital-Investor Thomas Emanuel Dans«, den Trump zum Leiter der sogenannten Arktisforschungskommission gemacht hat. 2022 vertrat Dans laut Müller öffentlich die Auffassung, dass das Grenzabkommen zwischen den USA und der UdSSR von 1990 »rechtlich nicht in Kraft« sei und die USA folglich »die russische Wrangel-Insel sowie fünf kleinere Inseln in der Arktis beanspruchen« könnten. (jW)

IMI-Analyse, Nr. 1/2026, 8 Seiten, Bezug: Informationsstelle Militarisierung (IMI) e. V., Hechinger Str. 203, 72072 Tübingen, PDF-Download über www.imi-online.de

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ulf G. aus Hannover (27. Januar 2026 um 12:09 Uhr)
    Eine militärische Bedrohung Grönlands ist zwar in der Tat nicht auszumachen. Was Trump wohl derzeit mehr fürchtet, düfte chinesische Softpower auf Grönland sein. Die Seite Apollo News (ohne die rechtsgerichtete Linie des Portals zu unterstützen) schreibt, dass China bereits »eine gemeinsame Satellitenkommunikations- und Forschungseinrichtung in der grönländischen Hauptstadt Nuuk« hat und dass die USA bei Dänemark Druck gemacht hatten, weitergehende chinesische Investitionspläne (Bau von drei Flughäfen und Übernahme einer ehemaligen Marinebasis auf Grönland) abzuwürgen. Chinesische Investitionen in andere Länder sind nicht unbedingt uneigennützig. Bei chinesischen Investitionen in Grönlands Infrastruktur könnte es langfristig um die Vorbereitung von Rohstoffgewinnung gehen und um die Absicherung der Neuen Seidenstraße, die über kurz oder lang auch durch die Nordost-Passage der Arktis führen wird. Wie würde sich die Einstellung von Grönlands Bevölkerung ändern, wenn chinesische Investitionen zu einem spürbaren Wirtschaftsaufschwung führen? Auch Russland hat ein Interesse, dass die GIUK-Lücke für den Export etwa von LNG nicht durch NATO-Militärs so einfach geschlossen werden kann. Was könnte Russland der Bevölkerung Grönlands bieten, um dort Landstriche nutzen zu dürfen? Was könnte die Grönländer dazu bewegen, sich restlos von Dänemark und der NATO zu lösen und sich China anzunähern? Das grönländische Recht auf Sezession von Dänemark ist bereits seit 2009 vertraglich gesichert (https://de.euronews.com/2025/01/03/gronlands-premierminister-drangt-inmitten-von-trumps-kaufinteresse-auf-unabhangigkeit-von-). Die entsprechende Info von Grönland selber (ehemals auf https://visitgreenland.com/de/artikel/groenlands-moderner-weg-in-die-unabhaengigkeit/) gibt es am alten Ort nicht mehr und wird auf https://web.archive.org/ zwar gefunden, aber nicht angezeigt. Hat da jemand Angst vor der Sezession?

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