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Nachmerzzeit
So richtig versteht’s ja keiner. Wie konnte der Mann die Sache so schnell vergeigen, dass er nach nicht einmal eineinhalb Jahren im Amt bei allen: den Chargen der Politik, den Zeitungsschreibern und – vielleicht am wichtigsten – den Buchmachern als einer auf Abruf gilt? Es herrscht Kanzlerdämmerung. Merzens persönliches Unvermögen und die vollständige Überforderung in der Amtsführung mögen dazu beigetragen haben. Das rastlose »Weiter so« der kapitalistischen Akkumulation innerhalb liberaler nationalstaatlicher Ordnungen, das an seine Grenzen gerät, ist allerdings das objektive Moment der ganzen Angelegenheit. Hat man so etwas in den Spalten der spätliberalen Gazetten je gelesen?
Die Aporie bleibt, und nach dem halbherzigen Unterstützerschreiben der CDU-Ministerpräsidenten für den Kanzler, den sie nicht beim Namen nennen, wächst auch in der Presse die Furcht, ein Sturz von Merz könne die Nation mit ihrer großen Verantwortung für Europa und die Welt ins Chaos stürzen. »Kann sich Deutschland in dieser Lage« – Putin ante portas, Trump im Porzellanladen – »eine Regierungskrise überhaupt leisten?« fragt bange der Tagesspiegel. »Welches Signal wäre das für die europäischen Partner, die ihre Hoffnungen auf eine stabile, verlässliche Bundesregierung setzen (…)?« Also reißt euch mal zusammen. Denn »was würde nach einem Führungswechsel besser?«
Das wissen die anderen auch nicht so recht. »Aber Deutschland wird in den nächsten Jahren noch mehr Führung anbieten müssen«, kommandiert die FAZ. Also muss er einstweilen bleiben, der Kanzler. »Jetzt, da die Kurfürsten der Union gesprochen haben, könnte der niedrige Parteiadel endlich einmal die Klappe halten.«
Wird er aber nicht, das dürfte nach dem Ausgang der kommenden beiden Wahlen gewiss sein. Dafür ist der Treueschwur der Länderchefs zu schlapp, zu unbestimmt. »Auffällig ist (…), was in der Erklärung der Ministerpräsidenten fehlt: ein nettes Wort über den Kanzler«, registriert aufmerksam die Süddeutsche Zeitung. »Es fällt schwer, sich Merz noch als starken Kanzler vorzustellen.« Tja, und jetzt?
Tacheles bei Bild. »Das, was die Ministerpräsidenten mit ihrem Brief zur Unterstützung von Merz gemacht haben, ist vor allem eines: verlogen und verantwortungslos.« Wieso denn bloß? »Es ist verlogen, weil diesen Brief, der sich gegen ›Personalspekulationen‹ wendet, auch Ministerpräsidenten unterschrieben haben, die genau diese Spekulationen selbst betrieben haben. Und es ist verantwortungslos, weil der Brief eben keine uneingeschränkte Unterstützung für Merz bedeutet (…).« Den gordischen Knoten durchhauen – alles fürs Volk, versteht sich –, das können sie eben nur bei Bild. Wetten? (brat)
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Onlineabonnent*in Heinrich H. aus S. 17. Sept. 2026 um 20:48 UhrDen, der den Gordischen Knoten durchgehauen hat, haben sie nach seinem Abtritt in Honig gelegt und nachhause gekarrt, sagt der Volxmund. Das war damals schon schade um den Honig: Denk' ich im Honig den Merz, so versagt mein Herz. Denn Brotaufstrich verlieren, geht mir auf die Nieren.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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