Zum Inhalt der Seite
In eigener Sache

Außergewöhnliche Erfolgsgeschichte

Generalversammlung der LPG junge Welt eG: Die Genossenschaft setzt sich ein ehrgeiziges Ziel

Foto: Dietmar Koschmieder
Brigitte Jelkmann vom Aufsichtsrat begrüßt am Sonnabend in der Maigalerie die Genossinnen und Genossen zur Generalversammlung

Herausgeber der jungen Welt sind ihre Leser. Genauer gesagt: jene Leserinnen und Leser, die Mitglied der LPG junge Welt eG sind. Die Genossenschaft ist mehrheitliche Eigentümerin der Verlag 8. Mai GmbH, in der die jW erscheint, und der AVZ GmbH, die sich um Abos und Vertrieb kümmert. Stand jetzt gehören ihr 3.092 Genossinnen und Genossen an. Mit ihren Einlagen bilden sie das ökonomische Rückgrat der Zeitung. 45 Mitglieder waren am Sonnabend zur jährlichen Generalversammlung in der Maigalerie erschienen, weitere hatten sich entschuldigt, um an der großen Mietendemonstration teilzunehmen.

Ursprünglich sollte die Generalversammlung bereits am 27. Juni stattfinden, wurde wegen Temperaturen um 40 Grad jedoch kurzfristig verschoben. Heiß hergegangen war es noch im vergangenen Jahr: Lange Auseinandersetzungen in Vorstand und Aufsichtsrat hatten die Genossenschaft belastet. Mit der Neuwahl der Gremien im Herbst 2025 konnten die Querelen überwunden werden. »Wir sind wieder im ruhigen Fahrwasser und können uns ums Wesentliche kümmern«, konstatierte der Aufsichtsratsvorsitzende Eckehard Schlauß. Zudem sei die Genossenschaft auch als »Bankersatz« für die jW »gut aufgestellt«.

Hauptaufgabe bleibe es, das weitere Erscheinen der jungen Welt zu sichern und dem Verlag bei Investitionen oder im Notfall als Rücklage zur Verfügung zu stehen, betonte Genossenschaftsvorstand Michael Sommer. Im Berichtszeitraum erhöhte sich das Geschäftsguthaben durch Mitgliederzuwachs um weitere 88.500 Euro. Unterstützt wurden unter anderem die Rosa-Luxemburg-Konferenz und die Produktion des Films »Träume und andere Realitäten« über die letzten 30 Jahre junge Welt seit Gründung von Verlag und Genossenschaft. Außerdem vergab die Genossenschaft Darlehen an die beiden genossenschaftseigenen Firmen für die Finanzierung von Infrastruktur.

Ein letztes Mal legte Dietmar Koschmieder einen Rechenschaftsbericht vor. Nach 30 Jahren als Geschäftsführer des Verlages hatte er Ende vergangenen Jahres planmäßig den Staffelstab an seine Nachfolger Sebastian Carlens und Jonas Pohle übergeben und schied damit auch aus dem Vorstand der Genossenschaft aus. »Wir haben bewiesen, dass man mit klarem politischen Profil – wir nennen es marxistische Orientierung – auch auf einem kapitalistischen Markt inhaltlich wie ökonomisch bestehen kann«, sagte Koschmieder, auf eine in der Medienlandschaft außergewöhnliche Erfolgsgeschichte zurückblickend. Diese habe allerdings ihren Preis: »In Zeiten der Desinformation und Kriegspropaganda ein einsames Fähnchen der Aufklärung und dann auch noch wirkmächtig zu sein – das verzeiht uns der Verfassungsschutz nicht.«

Anzeige

Sein Nachfolger Sebastian Carlens verwies auf den »reaktionär-militaristischen Umbau von Staat und Gesellschaft in einem atemberaubenden Tempo« und eine Kriegsgefahr, die so groß sei wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Das mache die junge Welt wichtiger denn je: Wer die Zusammenhänge nicht verstehe, könne sich auch nicht erfolgreich zur Wehr setzen. Grund zum Optimismus gebe das große Interesse junger Menschen, wie es sich etwa auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz zeige. Die Lage in Palästina und die drohende Wiedereinführung der Wehrpflicht hätten zu einer forcierten Politisierung einer jungen Generation beigetragen.

Wirtschaftlich bleibt die Lage angespannt. Der Verlag schloss das vergangene Jahr mit einer »roten Null« ab. »Nach aktuellen Zahlen arbeiten wir nicht kostendeckend«, warnte Geschäftsführer Jonas Pohle. Entscheidend für die weitere Entwicklung sei daher vor allem die Aboentwicklung.

Breiten Raum nahm die in konstruktiver Atmosphäre geführte Beratung über Satzungsänderungen ein. Sie dienten der Anpassung an praktische Erfahrungen und veränderte gesetzliche Vorgaben und sollten die Satzung zukunftssicher machen, erläuterte Michael Sommer. So wurde die Zahl der Genossenschaftsanteile, die ein Mitglied maximal halten darf, von 50 auf 80 erhöht. Es bleibt aber beim Grundsatz »Ein Mitglied, eine Stimme«. Die Änderungen wurden mit großer Mehrheit angenommen.

Nach der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat beschloss die Generalversammlung ein Aktionsprogramm zum 80. Geburtstag der jungen Welt im kommenden Jahr. Die Genossenschaft wird sich an den Kosten der geplanten Jubiläumsfeier und der Digitalisierung des Zeitungsarchivs von 1947 bis 1997 beteiligen. Auch 2027 will sie bis zu 50.000 Euro zur Deckung von möglichen Verlusten bei der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz zuschießen. Mit der Aktion »Wir sind 3.333« setzt sich die LPG junge Welt eG zudem das Ziel, bis zur nächsten Generalversammlung im Juni 2027 deutlich mehr Mitglieder zu gewinnen.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 07.09.2026, Seite 4, Inland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!