Krach droht Knockout
Eins muss man ihm lassen: Mit einem Korruptionsskandal an der Backe wäre Steffen Krach (SPD) für eine Politkarriere in Berlin, der Stadt der Fördermittelaffäre, bestens geeignet. Nur wird es so weit wohl nicht kommen. In Umfragen stehen die Sozialdemokraten bei historisch schlechten 12 Prozent – ganz ohne den aktuellen Lärm um den Spitzenkandidaten.
Uneinig war man sich zunächst noch über die genaue Zahl der Vorwürfe, wegen derer die Staatsanwaltschaft Hannover gegen Krach ermittelt. Eine RBB-Anfrage sorgt anscheinend für Aufklärung: Nicht ein, nicht zwei, sondern drei Fälle stehen im Raum – zweimal Vorteilsnahme, einmal Geheimnisverrat. Einig ist man sich in der Medienwelt mit Blick auf das Timing: Die Ermittlungen kommen für Krach zur »Unzeit« (Taz), wahlweise zur »absoluten« (Rheinische Post) – der Zeitpunkt ist »denkbar schlecht« (Berliner Morgenpost) oder jedenfalls »pikant« (Hannoversche Allgemeine).
Dennoch müssten die Vorwürfe aufgeklärt werden, heißt es in der Taz, die ein Komplott zugunsten der AfD nicht ausschließt: »Will da jemand dem Kandidaten bewusst schaden oder schlimmer noch: die AfD in ihrem Geraune von den korrupten Eliten stärken?« Wieder ein Dennoch: Man sollte »vorsichtig sein mit Kritik an den Ermittlungen«, denn »nichts spricht derzeit dafür, dass die Staatsanwaltschaft hier etwas anderes verfolgt, als den Verdacht einer mutmaßlichen Straftat aufzuklären.« Eine bevorstehende Wahl dürfe kein Kriterium sein, sonst stünde »die Unabhängigkeit der Justiz in Frage«.
Auch sonst sorgt man sich um die staatliche Integrität. Die Staatsanwaltschaft müsse »sich die Frage gefallen lassen, warum sie wenige Tage vor dem Wahlentscheid diese Aktion durchführen musste«, ist bei der Morgenpost zu lesen. »Dass die Staatsanwaltschaft Hannover ausgerechnet in dieser Phase des Wahlkampfs ermittelt, ist im Grunde nicht verwerflich«, werfe aber Fragen auf, so die Hannoversche Allgemeine. Deswegen fordert die Rheinische Post »möglichst viel Transparenz«, denn »auch das Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörde könnte sonst leiden«.
Die besorgten Fragen an die Ermittlungsbehörden nehmen etwas Druck vom SPD-Mann Krach. Dem attestiert man in der Rheinischen Post eine »Katastrophe in der Endphase des Wahlkampfs«, in der Morgenpost einen möglichen »Anfang vom politischen Ende« und in der Taz zumindest potentiell den »finalen Knockout«, auch »unabhängig davon, ob sich die Vorwürfe am Ende bewahrheiten oder nicht«. Eine Ehrenrettung versucht das Blatt doch noch: Berlins Wähler sollten Krach nicht nach Spekulationen, sondern »nach seinem politischen Angebot bewerten«. Allerdings dürfte gerade das den SPD-Rechten wirklich ins Aus befördern. (mag)
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