Untergangsprophet des Tages: J. D. Vance
Wer bisher dazu neigte, den Trump-Stellvertreter und womöglich -Nachfolger J. D. Vance für nicht einen der Hellsten zu halten, hat allen Anlass, Abbitte zu leisten. Denn Vance hat kürzlich gesagt, er schließe nicht aus, dass der Antichrist schon unter uns und das Ende der Welt nahe sei. Wer jetzt billig-aufklärerisch sagt, der Mann spinne, sollte sich daran erinnern, was Karl Marx über die Religion gesagt hat: Sie sei gerade keine Spinnerei ohne Bezug zur Wirklichkeit, sondern »Ausdruck des wirklichen Elends und Protestation dagegen« (Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie).
Denn eines kann man nicht abstreiten: Die von Vance beschworenen apokalyptischen Reiter der Bibel, die für Krieg, Teuerung, Seuchen und Elend stehen, können aus einer metaphorischen Perspektive ja durchaus als Vorboten der heutigen Weltlage gelesen werden. Ist sie nicht geprägt durch Krieg und Elend, vermeidbare Krankheiten und abschaffbare Armut? Man weiß ja auch, wer von alledem reichlich zu verantworten hat: eben die USA unter ihren wahltaktisch frömmelnden Präsidenten, von Trump und Vance bis zu George W. Bush und weiter zurück. Vance, 2019 zum Katholizismus konvertiert, weiß also, wovon er redet. Wie der polnische Volksmund treffend sagt: Der Teufel hat ein Ornat übergezogen und läutet zur Messe.
Wenn US-Politiker Gott in den Mund nehmen, dann weiß man, dass das, was sie vorhaben, nur ebenjene Instanz noch abwenden könnte, die sie beschwören. Und da diese selbst nur ein Produkt menschlicher Vorstellung ist, bleibt den Menschen nichts übrig, als sich selbst darum zu kümmern, dass die Pferde der Apokalypse zu Salami verarbeitet werden.
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