Venezuelas Erdöl wird geplündert
Trumps Öldeal: Erste Details und zahlreiche Ungereimtheiten. USA übernehmen Kontrolle über von Russland und China bewirtschaftete Ölfelder
Der von Donald Trump als »größtes Ölabkommen der Weltgeschichte« gefeierte Deal mit der venezolanischen Interimspräsidentin Delcy Rodríguez verschafft Washington künftig Zugang zu einem Fünftel der Ölreserven des südamerikanischen Landes. Während die genauen Bestimmungen und der volle Wortlaut der von Trumps Außenminister Marco Rubio und Kriegsminister Pete Hegseth ausgehandelten Vereinbarung noch unklar sind, nimmt die Kritik daran in beiden Ländern bereits zu.
Senator Jack Reed, der ranghöchste Demokrat im Senatsausschuss für Streitkräfte, erklärte beispielsweise, ein Abkommen, bei dem das Militär zur Förderung eines privaten Ölprojekts eingesetzt werde, solle abgelehnt werden. »Präsident Trumps Bestreben, das US-Militär zu einem Investor in venezolanisches Öl zu machen, ist ein eklatanter Missbrauch von Macht und Steuergeldern«, kritisierte Reed. Die New York Times hatte am Freitag über die Involvierung des Pentagons in die Aushandlung des Deals berichtet.
Der langjährige venezolanische Erdölminister unter dem damaligen Präsidenten Hugo Chávez und ehemalige Chef der staatlichen Energiegesellschaft PDVSA, Rafael Ramírez, sprach seinerseits von einer »verfassungswidrigen Plünderung venezolanischer Bodenschätze«. Laut der Verfassung von Venezuela sind sämtliche mineralischen Rohstoffe und Kohlenwasserstoffressourcen unveräußerliches öffentliches Eigentum.
Am Montagabend veröffentlichte die Trump-Regierung erstmals einige Details zum Deal. Demnach soll das private Ölunternehmen North American Blue Energy Partners (NABEP) einen 100jährigen Pachtvertrag für 17 Ölfelder in Venezuela mit förderbaren Reserven von rund 65 Milliarden Barrel Rohöl (gut 20 Prozent der Reserven des Landes) enthalten. Das US-Unternehmen wird damit nach dem saudischen Konzern Aramco zum zweitgrößten Halter nachgewiesener Ölvorkommen. Die US-Regierung werde eine Beteiligung von 35 Prozent an der Gesellschaft übernehmen, erhalte garantiert 20 Prozent der Ölproduktion und verfüge über ein Vorkaufsrecht für die gesamte verbleibende Fördermenge, heißt es in der Mitteilung des Weißen Hauses. NABEP wird vom venezolanischen Geschäftsmann Alejandro Betancourt López kontrolliert, gegen den es in der Vergangenheit sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten Ermittlungen wegen seiner Geschäftsaktivitäten gegeben hatte.
Ebenso pikant: Die Vereinbarung verschafft US-Unternehmen nicht nur den Zugang zu einigen der strategisch wichtigen Ölvorkommen Venezuelas, sondern verdrängt gleichzeitig auch bisherige chinesische und russische Partner des Landes. NABEP werde einige Ölfelder übernehmen, die zuvor von mehreren chinesischen Konzernen sowie einem russischen Unternehmen kontrolliert wurden, erklärten US-Beamte gegenüber Reuters. »Wir eröffnen nicht nur neue Möglichkeiten für die Regierung und US-amerikanische Betreiber, davon zu profitieren, sondern wir erschließen auch den US-Markt für dieses Öl, das zuvor nach China geliefert wurde«, fügten sie hinzu.
Für Skepsis in beiden Ländern sorgte auch der Umstand, dass sich die Angaben der Beteiligten über den Deal teils unterschiedlich, wenn nicht sogar widersprüchlich, ausnahmen. Während Trump erklärte, »eines der Dinge, die ich mit dem venezolanischen Öl tun werde, ist, die Nationalen Strategischen Reserven aufzufüllen« und die erwartete künftige Ausbeute als »Geschenk Venezuelas an das amerikanische Volk« bezeichnete, hatte Delcy Rodríguez behauptet, ihr Land »behalte die Souveränität und das Eigentumsrecht an den Ressourcen«. Zudem sprach sie von einer 25jährigen Laufzeit der Verträge, während Washington erklärte, sie würden für 100 Jahre gelten.
Auch die laut Rodríguez aus dem Deal zu erwartenden Investitionen in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar sowie Lizenzgebühren und Steuern in Höhe von 209,3 Milliarden US-Dollar werden hinterfragt. Nach diesen Zahlen zu urteilen würden in Venezuela pro produziertem Barrel etwa 19 US-Dollar verbleiben, gaben Beobachter zu bedenken. »Die von der Übergangsregierung angekündigten Steuereinnahmen sind unglaublich niedrig«, zitierte Reuters zudem Francisco Monaldi von der texanischen Rice University. Der regierungskritische venezolanische Wirtschaftswissenschaftler Manuel Sutherland bezweifelte ferner, dass sich mit diesen Einnahmen »soziales Wohlergehen, industrielle Entwicklung und wirtschaftliche Stabilität« steigern lassen, wie Rodríguez es angekündigt hatte.
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