Zum Inhalt der Seite
Paraguay

Sinamed bestreikt den Zusammenbruch

Hunderte Ärzte des öffentlichen Dienstes in Paraguay haben am Dienstag (Ortszeit) in der Hauptstadt Asunción für Gehaltserhöhungen und eine bessere Ausstattung der Krankenhäuser des »zusammengebrochenen Gesundheitssystems« demonstriert. Am zweiten Tag eines zunächst bis Freitag angekündigten Streiks, der landesweit mehr als 1.500 staatliche Einrichtungen betrifft, erklärten die Mediziner, den Arbeitskampf auf unbestimmte Zeit auszudehnen, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt würden. Die Demonstranten skandierten: »Kein Paraguayer darf sterben, nur weil er arm ist.« Zudem geißelten sie Sparkurs und Korruption: »Wenn niemand stiehlt, reicht das Geld.«

Der von der Ärztegewerkschaft Sindicato Nacional de Médicos (Sinamed) angeführte Streik, dem sich weitere Organisationen anschlossen, begann am Montag, nachdem in vier Verhandlungsrunden keine Einigung mit der Regierung erreicht worden war. Zu den zentralen Forderungen gehören eine Gehaltsanpassung von umgerechnet etwa 400 Euro, Zuschläge für Feiertagsdienste, unbefristete Arbeitsverträge sowie mehr Material, Medikamente und eine bessere Ausstattung der öffentlichen Gesundheitseinrichtungen.

Anzeige

Laut der Agentur Efe erhält ein Arzt je nach Art seines Vertrags mit dem Gesundheitsministerium zwischen 710 und 770 Euro Mindestgehalt im Monat. Die letzte Anpassung erfolgte im Jahr 2012 während der Amtszeit des später durch einen parlamentarischen Putsch der Rechten gestürzten Präsidenten Fernando Lugo. Da die Inflation die Reallöhne in den vergangenen 14 Jahren drastisch gesenkt hat, ist die Wiederherstellung der verlorenen Kaufkraft ein vorrangiges Ziel des Ausstands. Ein 2024 mit Kuba vereinbartes Memorandum über die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen setzte die Regierung des rechten Staatschefs Santiago Peña vor gut einem Jahr auf Druck Washingtons zulasten der Versorgung, sprich auf Kosten der breiten Bevölkerung, wieder aus.

Laut Sinamed sind Geräteausfälle in Krankenhäusern an der Tagesordnung, was sowohl die routinemäßige als auch die Notfallversorgung gefährde. Die Mittel für die Instandhaltung seien seit Jahren unzureichend, und ohne zuverlässige Versorgung würden selbst kleinere Eingriffe riskant, erklärten Mediziner gegenüber lokalen Medien. Patienten müssten in öffentlichen Einrichtungen mit Verzögerungen und unsicheren Bedingungen rechnen. Das zusammenbrechende System benötige dringend Investitionen und nicht nur Versprechungen, sagen Gewerkschaftsführer. Wirtschafts- und Finanzminister Óscar Lovera erklärte dagegen am Dienstag erneut, es sei derzeit »unmöglich«, die Forderungen der Ärzte zu finanzieren.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 27.08.2026, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen