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USA

Frontsoldaten zu Hause verfolgt

USA: Abschiebebehörde ICE macht Jagd auf Familienmitglieder von Armeeangehörigen mit migrantischer Herkunft

Foto: ZUMA Press Wire/IMAGO
Protestaktion in Florida gegen Einsätze und Unterkünfte der ICE-Abschiebebehörden (Fort Myers, 26.8.2026)

Als Kanonenfutter akzeptiert, erleben aus Einwandererfamilien rekrutierte Angehörige der US-Armee derzeit, dass sie ansonsten Bürger zweiter Klasse sind. Seit Wochen häufen sich Fälle von Soldatenfrauen oder -eltern, die von Donald Trumps Migrantenjägern der Einwanderungsbehörde ICE verhaftet, inhaftiert und abgeschoben werden. Abgeordnete der Demokratischen Partei bezeichnen das Vorgehen als beschämend und warnen vor negativen Auswirkungen auf die Moral und Kriegstüchtigkeit der verunsicherten Militärs.

So wie im aktuellsten Fall des Matrosen Joshua Aviles. Der Sohn einer aus Nicaragua stammenden Familie ist seit neun Monaten ununterbrochen auf dem Flugzeugträger »USS Abraham Lincoln« im Einsatz. Ende Februar zog er für seine Regierung in den US-amerikanisch-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran. Nun droht Trumps Migrationspolitik seine Familie zu zerschlagen. Auf einem Schiff, das mit Berichten über verschimmelte Duschen, kaputte Toiletten, rationiertes Essen und Suizidversuche unter der verzweifelten Mannschaft für Schlagzeilen sorgte, erfuhr er am Sonnabend, dass sein Vater Luis Manuel – Tausende Kilometer entfernt – in Abschiebehaft sitzt.

Der 48jährige Handwerker war von ICE-Beamten in Key West in Florida festgenommen worden, als er sein Auto zur Werkstatt bringen wollte. Laut seiner Frau Argelia besitzt er eine Arbeitserlaubnis für die USA, wo die Familie seit 19 Jahren lebt. Sein Sohn Joshua schrieb, er sei »seit über neun Monaten mehr als zwölf Stunden am Tag auf See im Einsatz« und kämpfe für sein Land, wisse aber nicht, wie er weitermachen solle, wenn der Vater »möglicherweise wie ein Krimineller behandelt wird«. Nachdem die Nachrichtenagentur AP darüber berichtet hatte, löste die Festnahme in den USA heftige Kritik aus. Am Dienstag schrieb Joshua, sein Vater sei aus der Haft entlassen worden. Das bedeute jedoch nicht, dass das Abschiebeverfahren eingestellt worden ist, meldete CBS News.

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Die Festnahme von Joshua Aviles’ Vater erfolgte, nachdem Washington den Schutz für Familien von Militärangehörigen eingeschränkt hatte, um die von Trump angeordneten Massenabschiebungen umzusetzen. Die Situation hat bei den Betroffenen und Hilfsorganisationen Besorgnis ausgelöst. Einer der bei der Anwerbung fürs Militär bis dahin beworbenen Vorteile war ein Privileg, das es Ehepartnern, Kindern und Eltern von Soldaten und Veteranen ermöglicht hatte, einen legalen Status zu erhalten, ohne die USA verlassen zu müssen. Damit ist nun für die, die für das Land in den Krieg ziehen, bomben und morden, Schluss. Laut einer AP-Recherche wurden seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit mehr als 50 Familienmitglieder von Angehörigen der Streitkräfte in Abschiebehaft genommen. Mindestens sieben seien bereits außer Landes gebracht worden, zahlreiche andere sind noch inhaftiert.

Ein weiterer aktueller Fall ist der von Cristy Maryori Villafranca-Trejo. Die Ehefrau des Feldwebels Hedar Leonel Turcios Juárez war am 11. Juli vor einem Supermarkt in der Nähe von Fort Bliss in Texas – wo ihr Mann stationiert ist – festgenommen und inhaftiert worden. Seitdem muss der US-Soldat sich allein um ihre sechsjährige Tochter kümmern. »Ich weiß nicht, ob und wie ich weiter meinen militärischen Verpflichtungen nachkommen und mich zugleich um meine Familie kümmern kann«, sagte der aus Honduras stammende Offizier, der seit 2024 die US-Staatsbürgerschaft besitzt. Seine Frau wurde vergangenen Montag nach Honduras abgeschoben, bestätigte das Heimatschutzministerium. »Es bricht mir das Herz für sie, ihre Kinder und den Soldaten, der sich von dem Land, für das er Opfer bringt, so sehr betrogen fühlen muss«, erklärte die demokratische Abgeordnete Veronica Escobar aus El Paso gegenüber AP.

Die demokratische US-Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts hatte schon im vergangenen Jahr, in dem es etliche ähnliche Fälle gab, angeprangert, dass Trumps Spezialpolizei ICE auch versucht habe, 282 Veteranen und deren Angehörige abzuschieben. Nach den aktuellen Berichten über die Jagd auf Familienangehörige aktiver Militärs schrieb sie am 10. August: »Diese Maßnahmen gefährden die militärische Einsatzbereitschaft, schwächen die Moral der Soldaten und verstoßen gegen die Versprechen gegenüber Menschen, die ihr Leben für unser Land aufs Spiel setzen.« Ein gutes Beispiel ist auch der Soldat Romero Ralios. Er war selbst neun Monate lang zur Unterstützung der Grenzpolizei an der Südgrenze im Einsatz. Doch nach der Festnahme seines guatemaltekischen Vaters fiel er in eine tiefe persönliche Krise. Ralios bereut seine damalige Mitwirkung und ringt öffentlich mit den moralischen Konsequenzen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.08.2026, Seite 7, Ausland

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