Kongress gibt grünes Licht für Kriegskurs
Von Volker Hermsdorf
Washingtons militärische Drohgebärden gegen Venezuela verstärken die Kriegsgefahr in der Region – auch wenn US-Präsident Donald Trump sie am Mittwoch (Ortszeit) in seiner Ansprache an die Nation auffällig herunterspielte. Kurz zuvor hatte das Repräsentantenhaus nur knapp zwei Resolutionen abgelehnt, die seine Befugnisse für ein militärisches Vorgehen gegen Caracas eingeschränkt hätten. Es wird erwartet, dass Trump diese Rückendeckung nutzen wird, um den Beginn von Landoperationen anzukündigen. »Gestern wurden die Abgeordneten darüber informiert, dass ein Krieg bevorsteht und dass der Präsident das heute Abend verkünden wird«, berichtete der ultrakonservative Journalist Tucker Carlson. Doch Venezuela kam in Trumps Rede kaum vor.
Das steht im deutlichen Kontrast zu Äußerungen vom Vortag. Auf seiner Propagandaplattform »Truth Social« hatte Trump versichert, Venezuela sei »von der größten Armee umzingelt, die jemals in der Geschichte Südamerikas zusammengestellt wurde«. Er drohte mit »beispiellosen Unruhen«, bis »das gesamte Öl, Land und andere Vermögenswerte, die zuvor gestohlen wurden«, an die Vereinigten Staaten »zurückgegeben« werden. Doch während die Rhetorik des Weißen Hauses kurzfristig abgemildert war, setzte das US-Militär seine mörderische Praxis fort. Am Mittwoch zerstörten US-Streitkräfte im Ostpazifik erneut ein ziviles Schiff, das angeblich Drogen transportierte. Vier Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Seit Beginn der Todeskommandos mit Namen »Operation Southern Spear« im September wurden mehr als 100 Zivilisten getötet. Die Angriffe stellen außergerichtliche Hinrichtungen dar und sind schwere Verstöße gegen das Völkerrecht.
Die venezolanische Regierung unter Präsident Nicolás Maduro wies die »kolonialen Anmaßungen« der US-Regierung zurück und beantragte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Sein Land sage »nein zum Krieg«, erklärte Maduro. Zugleich betonte er das Recht, die Ölexporte trotz der von Washington angekündigten Blockade fortzusetzen. Verteidigungsminister Vladimir Padrino López versicherte, die Bolivarische Armee werde die Souveränität »um jeden Preis« verteidigen.
Der Ton in der Region wird schärfer. Das antiimperialistische Bündnis ALBA-TCP verurteilte Trumps Drohungen als »offenen Raubzug« und »Verbrechen gegen die Menschheit«. »Jede Aggression gegen Venezuela ist eine Aggression gegen unser Amerika«, hieß es in der Erklärung. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum kritisierte die »Unsichtbarkeit« der UNO und forderte sie auf, endlich einzugreifen, um ein Blutvergießen zu verhindern. UN-Generalsekretär António Guterres hatte zwar zur Mäßigung gemahnt, konkrete Schritte blieben bislang jedoch aus.
Aus Moskau und Beijing fielen die Reaktionen auf Washingtons militärisch flankierte imperiale Manöver deutlich schärfer aus. Russlands Außenminister Sergej Lawrow warnte die Trump-Administration vor einem »fatalen Fehler« mit »unvorhersehbaren Folgen für die gesamte Hemisphäre«. Zugleich kritisierte er das »Schweigen« der Europäischen Union, die in ihrer Vasallenrolle gegenüber den USA gefangen sei. Die Volksrepublik China erklärte über Außenminister Wang Yi ihre »Ablehnung jeder Form einseitiger Einschüchterung« und bekräftigte die strategische Allianz mit dem souveränen Venezuela.
Während die internationale Isolation Washingtons zunimmt, stellt sich die selbst im eigenen Lager kritisierte rechte venezolanische Oppositionspolitikerin María Corina Machado offen hinter den Kurs der Trump-Regierung. Brisant ist das vor allem wegen ihrer jüngsten Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis. Die Verleihung, von anderen Preisträgern als »Perversion« der Intention des Stifters Alfred Nobels bezeichnet, hat nun rechtliche Folgen: Wikileaks-Gründer Julian Assange reichte in Schweden Strafanzeige gegen die Nobel-Stiftung und einzelne Verantwortliche ein. Er wirft ihnen Untreue und Beihilfe zu Kriegsverbrechen vor. Machado habe wiederholt zu militärischer Intervention gegen Venezuela aufgerufen; die Preisverleihung verstoße damit gegen Nobels Testament. Die Auszahlung des Preisgeldes an eine Person, die zum Krieg gegen ihr eigenes Land aufrufe, stelle zudem eine kriminelle Veruntreuung der Stiftungsmittel dar, so Assange.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (18. Dezember 2025 um 20:58 Uhr)Ein Verschwörungstheoretiker würde folgenden Plott skizzieren: *Plottbeginn* Um Machado außer Landes zu schaffen, wurde ihr der Nobelpreis verliehen. Hätte die venezolanische Regierung das verhindert, wären sofortige Befreiungsmaßnahmen für Machado erfolgt. In Schweden kann sie jetzt abwarten und eine Exilregierung bilden, bis Maduro Allende nachfolgt und sie die Pinochet-Rolle in Venezuela. *Plottende* Allerdings wird Maduro nicht vom venezolanischen Militär aus dem Regierungssitz gebombt, das müssen schon die USA übernehmen. Denn: Hugo Chávez hat es in weiser Voraussicht bolivarisch aufgestellt.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Torsten Andreas S. aus Berlin (19. Dezember 2025 um 13:09 Uhr)Sind Sie sich da vollkommen sicher, dass es beim venezolanischen/bolivarischen Militär nicht auch nach der Masche Operation Condor, also wie gegen die Allende-Republik/-regierung, ablaufen wird, weil es am schnellsten geht? Ich führe ein Beispiel an, um auf den Putz zu hauen: Wer war der entscheidende Machthaber und Wegbereiter der schwedischen SÄPO? Beginnt mit GEST und endet mit APO. Wo werden die militärischen Eliten von Skandinavien ausgebildet, einschließlich Dänemark, herangepäppelt und auf Level gebracht? Mit absoluter Sicherheit nicht in Militärkaderschmieden des Südens von Nordamerika, oder? Nein, nein, weil es doch dem dort verinnerlichten Neutraliätsprinzip widersprechen würde. Wenn wir kurz vergessen, dass das neutrale Schweden im Zweiten Weltkrieg 85 Prozent des Außenhandels mit Nazideutschland laufen ließ – inklusive Stahl für Panzer usw. Das neutrale finnische Militär zog erst wann nach dem Beschießen Leningrads ab? Nach mehr als einer Million Toten. Dürfen wir unseren Regierungschef nach all seinen Siegen als Neuen Fritz bezeichnen? Oder als neuen Alten Fritz? Oder reicht unsere Würdigung nicht aus? Übergeben wir an die Junge Union!
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (20. Dezember 2025 um 00:22 Uhr)Sicherheit gibt es nicht auf dieser Welt, vollkommene erst recht nicht. In Bezug auf das venezolanische Militär beziehe ich mich auf ein Buch, das ich vor 16 oder 17 Jahren in einem kubanischen Hotel gekauft habe: Chávez, VENZUELA & THE NEW LATIN AMERICA, An Interview with Hugo Chávez by Aleida Guevara, Ocean Press, Melbourne. Das Interview wurde 2004 geführt. Darin beschreibt er den Umbau des venezolanischen Militärs und seine Einbeziehung in gesellschaftlich nützliche Tätigkeiten. In Apendix Two, Interview with General Jorge Grcia Carneiro, werden mehrere Pläne angeführt: Plan Bolivar 2000 (»... involved the armed forces in caring for the neediest sector«), »Of course, a special plan for maintenance work was put in effect that we called Plan Reviba, because it is a plan to repair living quaters in the poorer neighbourhoods.«, Plan Avispa (Überholung existierender Behausngen). Weiter: »The clearest answer we can give to this (Populismusvorwurf, Uneinigkeit) is that the armed forces are more united with each passing day. An example of this is the way we confronted the barbaric strike in December last year - the two-month fascist oil stoppage - and the coup d'etat, with unity and strength. All garrisson commanders joined the plan [to combat the oil strike]. ... We gave the fascists a decisive answer even though the state lost over $10 billion on account of this wretched operation.« Wie heute das venzolanische Militär dasteht, weiss ich natürlich nicht. Etwas optimistisch stimmt mich, dass die Angriffe auf »Maduro« bisher nicht aus dieser Ecke gekommen sind. Ich habe vor einiger Zeit versucht, weitere Bücher von Ocean Press zu finden. Der Verlag scheint vom Erdboden verschluckt, Titel habe ich auch antiquarisch nicht gefunden.
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