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G20

USA düpieren G20

Forum der 20 wirtschaftsstärksten Staaten fand dezimiert statt. Eine gegen China gerichtete Abschlusserklärung fand nicht bei allen Zustimmung

Foto: Jonathan Drake/REUTERS
Südafrika war ausgeladen, der dort geborene US-Techmogul Elon Musk wurde aber zugeschaltet (Chapel Hill, 1.9.2026)

Streit bis zur letzten Sekunde: Das Treffen der Finanzminister und der Notenbankchefs der G19 (!) in Asheville im US-Bundesstaat North Carolina dürfte das bisher wohl vergiftetste, abstoßendste seiner Art gewesen sein – und das will einiges heißen. Noch die eigentlich übliche Abschlusserklärung kam wegen offener Differenzen der Teilnehmer nicht zustande. US-Finanzminister Scott Bessent hatte darauf bestanden, einen Abschnitt in sie aufzunehmen, der offen China angriff, indem er wortreich gegen »Länder mit exzessiven und anhaltenden Außenhandelsüberschüssen« polemisierte. Die Volksrepublik verweigerte dem Pamphlet ganz wie zu erwarten ihre Zustimmung, weshalb Bessent es nur als »Erklärung des Vorsitzes« präsentieren konnte. Alle weiteren Teilnehmer hätten dem Dokument zugestimmt, behauptete er später. Beweise dafür präsentierte er allerdings nicht; und es ist keinesfalls zu empfehlen, unbelegten Behauptungen von Mitgliedern der Trump-Administration ohne guten Grund Glauben zu schenken.

G19? Offiziell rangierte die Zusammenkunft in Asheville wie gehabt unter dem Label G20. Das ist allerdings irreführend – denn die Trump-Administration hatte eigenmächtig das G20-Mitglied Südafrika ausgeladen. Der Grund? Der Chefoligarch im Weißen Haus beharrt auf seiner absurden denunziatorischen Behauptung, die südafrikanische Regierung begehe einen Genozid an weißen Farmern. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und seine europäischen Amtskollegen ließen am Rand des Treffens gegenüber Journalisten verbreiten, sie seien über die Ausladung ebenso »empört« gewesen wie über den Ausschluss von Reportern der New York Times, des Wall Street Journal und der Nachrichtenagentur Bloomberg, die nicht in das Tagungsgebäude gelassen wurden, weil sie dem Chefoligarchen nicht genügend gelobhudelt hatten. Einen wirklichen Aufstand machten Klingbeil und die anderen Europäer aber nur, weil Russlands Finanzminister Anton Siluanow zum ersten Mal seit 2022 wieder persönlich teilnehmen durfte. Sie sorgten dafür, dass auf dem üblichen »Familienfoto« der G19 kein Russe zu sehen war.

Auch inhaltlich gab es kaum Einigkeit. Bessent hatte vorab angekündigt, Iran ökonomisch umfassend isolieren zu wollen. Nach dem Treffen erklärte er, er habe mit der chinesischen Delegation gesprochen; die teile die Auffassung, Iran solle keine Atomwaffen haben, und es solle keine Restriktionen für die Schiffahrt in der Straße von Hormus geben. Das ist jedoch die chinesische Position seit Jahrzehnten. Ärger wegen des Iran-Kriegs äußerten Klingbeil und weitere Minister aus Europa, die auf die gestiegenen Öl- und Gaspreise und weitere Schäden aufgrund der Blockade der Straße von Hormus verwiesen. Heftig verärgert beschwerten sie sich auch, dass Bessent kürzlich, um Gelder zur Stützung des japanischen Yen aufzutreiben, größere Euro-Bestände hatte veräußern lassen, ohne die EU vorab zu informieren – ein »beispielloser Vorgang«, schimpften einige Europäer in Asheville. Durch den Schritt wurde der Euro mutwillig geschwächt.

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Unmut löste schließlich auch aus, dass Bessent zusätzlich zu Ministern und Notenbankchefs auch Unternehmer nach Asheville eingeladen hatte, allerdings ausschließlich Oligarchen aus dem persönlichen Umfeld des Chefoligarchen. Bitten aus anderen G19-Staaten, ebenfalls Unternehmer mitbringen zu dürfen, wurden laut der New York Times abschlägig beschieden. Das Handelsblatt ätzte denn auch, die Debatten hätten in Anwesenheit von JP-Morgan-Chef Jamie Dimon und Vertretern der Krypto-Branche den »Charakter von Verkaufsgesprächen« angenommen. Kanadas Finanzminister François-Philippe Champagne verließ zeitweise den Raum, nachdem Bessent grinsend gehöhnt hatte, niemand könne einen Wirtschaftskrieg mit jemandem gewinnen, der »dreizehnmal größer« als man selbst sei; Ottawa wolle die USA offenbar mit Mini-U-Booten aus einem Vergnügungspark attackieren.

Immerhin: Finanzminister Klingbeil verließ das G19-Treffen auf absolut standesgemäße Art und Weise. Als er am Dienstag abend das deutsche Regierungsflugzeug besteigen wollte, um den Rückflug aus Trumpistan anzutreten, stellte sich heraus: Die Maschine war kaputt. Am Mittwoch morgen hieß es, der Schaden sei behoben – der am Flugzeug jedenfalls.

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Erschienen in der Ausgabe vom 03.09.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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