Paraguays Ärzte können nicht mehr
430 Kündigungen und manche Stationen gänzlich ohne Fachpersonal, da Regierung Forderungen der Gewerkschaft Sinamed blockiert
Das öffentliche Gesundheitssystem in Paraguay steht vor dem Kollaps. Nach einem fünftägigen landesweiten Streik haben zu Beginn dieser Woche bereits mehr als 430 Fachärzte gekündigt, weil die Regierung des rechten Staatschefs Santiago Peña ihre Forderungen weitgehend ignoriert. Die Nationale Ärztegewerkschaft (Sinamed) rechnet damit, dass die Zahl der Kündigungen bis Ende der Woche auf 600 ansteigen könnte.
Mit dem am Freitag beendeten Arbeitskampf wollten die gewerkschaftlich organisierten Mediziner eine Entgelterhöhung, doppelte Bezahlung an Feiertagen, die Umwandlung befristeter Jobs in unbefristete Arbeitsverhältnisse, die Sicherstellung der Versorgung mit Medikamenten und Verbrauchsmaterialien sowie bessere Bedingungen in Gesundheitszentren und Krankenhäusern durchsetzen. Nach Angaben der Gewerkschaft ist fast die gesamte Berufsgruppe von prekären Arbeitsverhältnissen betroffen: Von den rund 11.000 Ärzten im öffentlichen Dienst haben etwa 9.000 nach wie vor keine Festanstellung. Die letzte Entgeltanpassung erfolgte 2012 während der Amtszeit des durch einen parlamentarischen Putsch der Rechten gestürzten Präsidenten Fernando Lugo. Sinamed fordert unter anderem, dass der Mindestlohn für Ärzte von derzeit etwa 728 Euro auf rund 1.166 Euro monatlich angehoben wird.
Die Massenkündigungen wirken sich bereits auf strategisch wichtige Gesundheitseinrichtungen aus. Im Kinderkrankenhaus »Niños de Acosta Ñu« von San Lorenzo, einem Vorort von Asunción, stehe die gesamte Kinderchirurgie ohne operatives medizinisches Personal da. Neben Kinderchirurgen verliere das Krankenhaus Neurochirurgen und Anästhesisten. Etwa 85 Prozent der Kinderintensivmediziner anderer wichtiger Zentren hätten ebenfalls gekündigt, berichtete Telesur. Im Krankenhaus der Stadt Itauguá erklärten dessen Direktor Miguel Ferreira und rund hundert Ärzte, dass sie ihre Aufgaben noch 30 Tage lang weiter ausüben und dann aus dem Dienst ausscheiden würden, wenn die Regierung nicht einlenke. Ferreira wies zugleich darauf hin, dass das Land nicht über die erforderliche Anzahl an Fachärzten verfüge.
Gesundheitsministerin María Teresa Barán bestätigte am Montag, dass es bislang keine Einigung gegeben habe, forderte Sinamed aber zur Fortsetzung des Dialogs auf. Finanzminister Óscar Lovera erklärte, die Regierung wolle dem Parlament die Aufstockung der Ausgaben im Gesundheitssektor, allerdings vorrangig zur Finanzierung von Medikamenten und Verbrauchsmaterialien, im Jahr 2027 vorschlagen. »Wir fühlen uns ignoriert«, erwiderte Sinamed-Generalsekretärin Rosana González. Die Gewerkschaft will in dieser Woche darüber entscheiden, ob der Streik wieder aufgenommen wird.
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