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Venezuela wird US-Ölkolonie
Abkommen über Zugriff Washingtons auf Ölvorkommen geschlossen; Rodríguez betont Vorteile für das venezolanische Volk
In ihrer mittlerweile eingespielten Eintracht kündigten Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez und US-Präsident Donald Trump am Freitag einen »Deal« an, den der Machthaber im Weißen Haus in gewohnter Großspurigkeit als »größtes Ölabkommen der Weltgeschichte« feierte. Seine Amtskollegin in Caracas sprach etwas bescheidener von einem »historischen Abkommen«. Das linke Onlineportal Resumen Latinoamericano attestierte der Vereinbarung, die den USA die Kontrolle über 17 Ölfelder mit mehr als 65 Milliarden Barrel venezolanischen Erdöls verschafft, dagegen »kolonialistische Züge«.
»Auf meine Anweisung hin haben Außenminister Marco Rubio und Kriegsminister Pete Hegseth in Zusammenarbeit mit der hochangesehenen Interimspräsidentin Venezuelas, Delcy Rodríguez, und durch eine Allianz mit privaten Unternehmen die Mehrheitskontrolle der Vereinigten Staaten über mehr als 65.000 Millionen Barrel nachgewiesener Ölreserven in Venezuela erlangt, und zwar ohne jegliche Kosten für den amerikanischen Steuerzahler«, teilte Trump auf seiner Plattform »Truth Social« mit. Die Transaktion werde die US-Ölreserven »mehr als verdoppeln und den Benzinpreis für US-Bürger über viele Jahre hinweg deutlich senken«, jubelte er erleichtert. Kurz vor den Midtermwahlen im November hat der US-amerikanisch-israelische Angriffskrieg gegen den Iran die Spritpreise in die Höhe und Trumps Zustimmungswerte in den Keller getrieben.
Rodríguez bezeichnete das Energieabkommen ihrerseits als »strategischen Schritt, um die Bodenschätze des Landes in soziales Wohlergehen, industrielle Entwicklung und wirtschaftliche Stabilität umzuwandeln«. Sie verwies auf Investitionen von mehr als 100 Milliarden und über 209 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen. »Ich spreche dem Präsidenten der USA, Außenminister Marco Rubio und der US-Regierung meinen tiefsten Dank für ihre Unterstützung bei der Ausarbeitung dieses Abkommens aus, das einen historischen Meilenstein in den bilateralen Beziehungen zwischen Venezuela und den USA darstellt«, erklärte sie. Seit dem US-Angriff vom 3. Januar und der Verschleppung des Präsidentenpaares agiert Rodríguez unter der Drohung, dass ihr das gleiche Schicksal blüht, wenn sie nicht pariert. Unter diesem Aspekt sind auch die Berichte zu verstehen, wonach Venezuela einen Austritt aus dem internationalen Ölkartell OPEC erwägt.
Am Sonnabend hob Rodríguez in einer Ansprache an die Nation dann hervor, dass das auf 25 Jahre angelegte Projekt auf dem »Grundsatz der Komplementarität« beruhe. Spekulationen über eine Übertragung von Vermögenswerten wies sie zurück. Venezuela steuere sein Rohöl, seine Industrie und die Erfahrung seiner Arbeiter bei, behalte aber die Souveränität und das Eigentumsrecht an den Ressourcen. Die USA würden Kapital und die Technologie bereitstellen, die zur Wiederbelebung und Dynamisierung der Betriebsanlagen erforderlich seien. Mit der Ergänzung zu ihrer vorangegangenen Erklärung versuchte Rodríguez offenbar, Kritik am Abkommen zu entkräften. Laut der venezolanischen Verfassung sind sämtliche mineralischen Rohstoffe und Kohlenwasserstoffressourcen unveräußerliches öffentliches Eigentum.
Wenig überraschend versicherte die regierende Vereinigte Sozialistische Partei Venezuelas (PSUV) am Wochenende ihre »uneingeschränkte Unterstützung« für Rodríguez. Die PSUV betrachtet das Abkommen als »Teil einer Strategie zum Schutz der wirtschaftlichen Stabilität und Konsolidierung des Energiesektors«. Zudem sei es ein Beitrag, »um mehr als ein Jahrzehnt der Sanktionen und Zwangsmaßnahmen zu überwinden, unter denen die Bevölkerung gelitten hat«. Doch trotz solcher Euphorie ist bislang völlig unklar, wer eventuelle Erlöse aus dem Öldeal verwaltet und wieviel davon tatsächlich der Bevölkerung des Landes zugute kommt. Klar ist lediglich die Botschaft für den Rest der Welt: Wer sich dem US-Imperialismus nicht fügt, bekommt sein Militär zu Gesicht.
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