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Aus: Ausgabe vom 21.11.2025, Seite 7 / Ausland
Hinterhofpolitik

Trumps doppeltes Spiel mit Venezuela

USA autorisieren CIA-Operationen und signalisieren Gesprächsbereitschaft mit Maduro
Von Volker Hermsdorf
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Druckmittel à la Washington: Der größte Flugzeugträger der Welt liegt vor Venezuelas Küste (13.11.2025)

Während die USA den größten Truppenaufmarsch in der Karibik seit der Raketenkrise von 1962 vorantreiben, legen ihre widersprüchlichen Verlautbarungen das strategische Kerninteresse offen: die Sicherung des Zugriffs auf Venezuelas enorme Erdölreserven. Washington verschärft seit Tagen seine Drohgebärden – und bemüht sich zugleich, die Eskalation hinter einem diplomatischen Schleier zu verstecken. Kaum hat das Pentagon die Operation »Southern Spear« begonnen und die Truppenstärke auf 15.000 Mann erhöht, signalisierte US-Präsident Donald Trump am Dienstag seine Bereitschaft zu Gesprächen mit seinem Amtskollegen Nicolás Maduro. Die unterschiedlichen Botschaften sind Ausdruck einer Machtstrategie, die auf Destabilisierung, maximalen Druck und Desinformation setzt, ohne eine klare politische Linie erkennen zu lassen.

Laut Recherchen der New York Times hat Trump der CIA grünes Licht für verdeckte Operationen gegen Venezuela erteilt. Psychologische Kriegführung, Sabotageakte und Cyberangriffe sollen demnach das Land destabilisieren und das »Schlachtfeld für spätere Aktionen« – auch ohne Zustimmung des Kongresses – vorbereiten. Gleichzeitig berichtet die Zeitung von informellen Kontakten zu Caracas, in denen Maduro angeblich seinen Rücktritt nach einer Übergangsperiode angeboten habe. Caracas kommentierte die Darstellung nicht; Washington wies sie demonstrativ zurück. Für Trump bleiben der sofortige Sturz Maduros und ein Regime-Change offenbar oberste Maxime – ebenso wie der Zugriff von US-Konzernen auf venezolanisches Öl.

Unterdessen setzt das Pentagon – ungeachtet wachsender internationaler Kritik – seine seit Monaten laufenden Angriffe auf Boote fort, die angeblich Drogen transportieren. Mindestens 21 Schiffe wurden versenkt, ihre Besatzungen getötet. Die offizielle Rechtfertigung, es handle sich um Fentanyltransporte, ist mittlerweile in sich zusammengebrochen. Die New York Times berichtete, dass auf den Booten laut Militärbeamten Kokain und nicht Fentanyl transportiert werde. Derweil kündigte Trumps ultrarechter Außenminister Marco Rubio an, das von ihm Maduro zugeschriebene »Cártel de los Soles« ab dem 24. November als ausländische terroristische Organisation zu klassifizieren – ein Schritt, der Militärschläge als »Antiterrormaßnahme« legitimieren soll. Parallel droht Trump inzwischen offen mit Angriffen auf vermeintliche Drogenhändler auf mexikanischem Territorium.

Doch die US-Offensive trifft zunehmend auf Widerstand. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum wies Trumps Drohung entschieden zurück. »Das wird nicht passieren«, erklärte sie. China verurteilte die »Einmischung in innere Angelegenheiten«, Russlands Außenminister Sergej Lawrow sprach von »gesetzlosem« Vorgehen. Auch Regionalmächte wie Brasilien, Chile und Kolumbien warnen vor einer Intervention. Maduro sieht die Eskalation als imperiale Reaktion auf die globale Machtverschiebung. Der Aufstieg Chinas, die wachsende Bedeutung der BRICS-Staaten und der Rückhalt durch Länder wie Russland oder Iran beschneiden die früher nahezu unangefochtene Dominanz der USA in der Region. Teile der US-Eliten glauben, ihre Hegemonie militärisch behaupten zu müssen.

Ein US-Angriff wäre jedoch selbst nach Einschätzung westlicher Militärexperten hochriskant. Venezuelas Streitkräfte gelten als gut ausgebildet und politisch loyal; zusätzlich verfügt das Land über moderne Waffensysteme aus Russland, China und dem Iran. Guerrillaszenarien, weite – von Wäldern bedeckte – Flächen und eine breite gesellschaftliche Mobilisierung würden jede Invasion zu einem Abnutzungskrieg und politischen Abenteuer mit ungewissem Ausgang machen.

Hinter Trumps widersprüchlicher Rhetorik vermutet der venezolanische Politologe Gabriel García deshalb ein innenpolitisches Kalkül. Der Überraschungssieg des Sozialisten Zohran Mamdani in New York signalisiere auch zunehmende Skepsis gegenüber der aggressiven US-Außenpolitik. Eine militärische Intervention in Venezuela könnte Trump innenpolitisch schwächen. Dennoch bleibt die Lage brandgefährlich – die Kriegsgefahr in der Region ist keineswegs gebannt.

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