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Warten auf den nächsten Gipfel
Koreanische Halbinsel: Käme im Herbst das vierte Treffen zwischen Trump und Kim Jong Un zustande, dürften Symbolpolitik und Händchenhalten passé sein
Von Intimfeindschaft zur Männerfreundschaft der besonderen Art? Klingt surreal, ist es aber mitnichten, wenn man die vergangenen neun Jahre Revue passieren lässt. Im Herbst 2017 hatte der US-amerikanische Machthaber Donald Trump den seit Ende Dezember 2011 als »Obersten Führer« Nordkoreas titulierten Kim Jong Un abfällig als »Raketenmann« bezeichnet und sein Land, die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK), »auszulöschen« gedroht. Kim hielt dagegen und brüstete sich seinerseits damit, »den geistig verwirrten US-Greis mit Feuer zu zähmen«.
Und wenige Monate später? In der Zeit vom 12. Juni 2018 bis zum 30. Juni 2019 fanden zwischen beiden Politikern drei Treffen statt, nach denen man den Eindruck gewinnen musste, aus Erzfeinden seien auf einmal ziemlich beste Freunde geworden. Der erste Gipfel in Singapur hatte hohen Symbolcharakter, weil er wahrlich historisch war. Die zweite Zusammenkunft am 27. und 28. Februar 2019 in Vietnams Hauptstadt Hanoi wurde zwar vorzeitig und ergebnislos abgebrochen. Der Kulminationspunkt geschah jedoch Ende Juni 2019, als Trump als erster oberster Staatsmann der USA das Privileg genoss, die innerkoreanische Demarkationslinie entlang des 38. Breitengrads zu überschreiten. Die Fotos dieser Zusammenkunft bildeten den denkbar schärfsten Kontrast zum martialischen Getöse um die Jahreswende 2017/18. Man begrüßte sich herzlich, hielt Händchen, und Trump schwärmte gar: »Wir haben uns verliebt.«
Seitdem hielten sich Washington und Pjöngjang bedeckt, wiewohl es hüben wie drüben zu – gewohnten – gegenseitigen Anschuldigungen kam. Die Krux: Nordkorea drängte auf abgemilderte Sanktionen, während Washington die längste Zeit – und schließlich vergeblich – eine Denuklearisierung der DVRK anstrebte. Mittlerweile betrachtet sich Nordkorea als insgesamt neunte Atomwaffenmacht und hält an seinem ambitionierten Raketenprogramm fest. Kim Yo Jong, jüngere Schwester des Staats- und Parteichefs, hat mehrfach öffentlich den Status ihres Landes als Atomwaffenmacht für irreversibel erklärt. Seit Anfang des Jahres ist sie Direktorin der Informationsabteilung des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas (PdAK).
Am 16. August, just einen Tag vor Beginn des jährlich gemeinsam stattfindenden US-amerikanisch-südkoreanischen Sommermanövers »Ulchi Freedom Shield«, ordnete Trump an, dieses deutlich zu reduzieren. Auf seiner Plattform »Truth Social« notierte er: »Diese Übungen sind nicht nur kostspielig, sondern senden auch ein völlig unangemessenes und feindseliges Signal an ein Land, das, solange Donald J. Trump Präsident ist, keine Bedrohung darstellt und respektvoll ist.« Da dürfte nicht wenigen Beamten in Washington und Seoul angesichts langjähriger engster Bündnistreue der Atem gestockt haben. Trumps Erklärung war für die agitpropgeschulte Kim Yo Jong eine Steilvorlage par excellence – ihre am 20. August veröffentlichte Erklärung dazu lief unter dem Titel: »Die missliche Lage von Seoul, das ein Kriegsspiel, das ihm sehr gut gefiel, nicht spielen kann.« Pjöngjang hat immer wieder vehement kritisiert, dass solche Manöver »feindselig« seien und das »Vasallentum« der Regierungen in Seoul unterstrichen.
Dessen nicht genug. Der Machthaber in Washington ließ in den vergangenen Tagen durchblicken, dass er wieder gern mit seinem Kollegen in Pjöngjang konferieren möchte – vorzugsweise im November angesichts des dann stattfindenden Gipfeltreffens der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft im chinesischen Shenzhen. Sollte es dazu kommen, ginge es freilich um substantielle Erfolge und konkrete Schritte in Richtung Deeskalation der vielfältigen Konflikte auf der Koreanischen Halbinsel – Abbau von Sanktionen, gänzliche Einstellung weiterer Militärmanöver, Reduzierung von Raketentests und die Überführung des seit dem Ende des Koreakrieges am 27. Juli 1953 lediglich bestehenden Waffenstillstandsabkommens in einen Friedensvertrag. Aus dieser Perspektive betrachtet, gerät einzig Trump unter Zeitdruck, da sein Kalkül darin besteht, im Vorfeld der Halbzeitwahlen im November mit außenpolitischen Erfolgen innenpolitisch zu punkten.
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