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28.08.2026, 18:04:24
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Norwegen trauert um König Harald und begrüßt König Haakon
Oslo. Tausende Menschen haben am Freitag in Gedenken an den am frühen Morgen gestorbenen König Harald V. Blumen auf dem Schlossplatz im Herzen der norwegischen Hauptstadt Oslo abgelegt. Dann fuhr der neue König vor: Haralds Sohn tritt als Haakon VIII. das Erbe seines Vaters an. Am Mittag wählte der 53jährige als Leitspruch »Alt for Norge«, also »Alles für Norwegen« – wie schon sein Vater und Großvater. Seine Ehefrau Mette-Marit (53) ist die neue Königin. Die gemeinsame Tochter Ingrid Alexandra (22) führt den Titel der Kronprinzessin als erste Thronfolgerin. Gemeinsam mit ihr begrüßte Haakon am Mittag die Mitglieder der norwegischen Regierung, die sich im Anschluss in ein Kondolenzbuch eintrugen und ebenfalls Blumen niederlegten.
Friedlicher Tod
Die Nachricht über den Tod des Königs hatte die Norweger um halb neun am Morgen erreicht. Um 6.35 Uhr war der 89jährige im Reichskrankenhaus friedlich und für immer eingeschlafen, wie das Königshaus mitteilte. Eine Passantin erzählte dpa, sie habe davon im Bus im Radio erfahren. Sie sprach von einem »Schock«. Darauf sei niemand vorbereitet, sagte sie. Am Abend sollte der Sarg mit dem Monarchen zum Schloss gefahren werden.
Bereits seit Anfang vergangener Woche hatte Harald im Krankenhaus gelegen. Wegen der Bluterkrankung hämolytische Anämie – einer Form der Blutarmut – war er mit Kortison behandelt worden, was zu einer Flüssigkeitsansammlung im Körper geführt hatte. Anschließend zog er sich zusätzlich eine bakterielle Infektion des Blutkreislaufs zu.
Am Freitag morgen wurde Haralds Frau, Königin Sonja, bei der erneuten Anfahrt zum Reichskrankenhaus fotografiert – und wenig später verschickte der Hof die Todesmeldung. Gesundheitlich war der norwegische König schon lange angeschlagen. Den Thron vorzeitig seinem Sohn Haakon zu überlassen, war für Harald trotzdem nicht in Frage gekommen. Seine royalen Pflichten absolvierte er bis zuletzt.
Beliebt bei den Norwegern
Seine Landsleute schätzten König Harald V. für seine zurückhaltende Art – und dafür, dass er klare Kante zeigen konnte, wenn es darauf ankam. Seine Reden waren oft geprägt von Mitmenschlichkeit und Taktgefühl. So tröstete er die Norweger nach den Terroranschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya 2011. Nach der Flüchtlingskrise positionierte er sich mit einem Plädoyer für Vielfalt und Toleranz als besonnener Mahner.
Den Thron hatte Harald 1991 nach dem Tod seines Vaters Olav V. bestiegen. Seine große Liebe Sonja heiratete er schon 1968 – obwohl sein Vater lange mit der Beziehung seines Sohnes zu einer Bürgerlichen gehadert hatte. Bei seinen eigenen Kindern war Harald toleranter: Auch sein Sohn Haakon heiratete mit Mette-Marit eine ganz normale Norwegerin.
Unsichere Zukunft für die Monarchie
Ohne Harald V. ist unsicher, wohin die norwegische Monarchie steuert. Denn während der König in seinem Land großen Rückhalt genoss, haben Skandale das Vertrauen in die Kronprinzenfamilie zuletzt stark erschüttert. So verband die bisherige Kronprinzessin Mette-Marit eine enge Freundschaft mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Mette-Marits ältester Sohn Marius Borg Høiby aus einer früheren Beziehung wurde im Juni unter anderem wegen zwei Vergewaltigungen nach norwegischem Recht zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Viele Norweger sind seitdem unsicher, ob Mette-Marit wirklich das Zeug zu einer Königin hat. (dpa/jW)
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