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Empfehlen Sie anderen, dort zu studieren?
In Kuba konnten dieses Jahr bislang 53 Palästinenser ihren Abschluss in Medizin machen, berichtet Ihab Al-Marsi
Sie stammen aus dem Westjordanland und haben vor kurzem Ihr Medizinstudium in Kuba abgeschlossen. Hat sich das kubanische Gesundheitssystem in Ihren Jahren hier verändert?
Ja, aber nicht zum Guten. Das muss man leider sagen. Erst die schwierige Lage um die Covid-19-Pandemie, und jetzt die schwierige Energieversorgung wegen der totalen US-Blockade. Das macht dem Gesundheitswesen schwer zu schaffen. Häufig wird der Strom abgeschaltet, und nur einige Krankenhäuser haben eine eigene Stromversorgung. So können Diagnostik und Untersuchungen mit Röntgenstrahlen oder Ultraschall nur unter sehr erschwerten Bedingungen stattfinden. Operationen sind teilweise nur mit den LED-Lampen von Handys möglich. Dazu kommt das Fehlen von Medikamenten.
Empfehlen Sie anderen dennoch, hier zu studieren?
Die Welt muss das kubanische Gesundheitssystem kennenlernen. In Kuba ist medizinische Versorgung ein universelles, kostenfreies Grundrecht für alle Menschen. Ich habe seit 2019 mit einem Stipendium über die Palästinensische Befreiungsbewegung, PLO, an der Escuela Latinoamericana de Medicina kostenlos studiert, und wir konnten in diesem Jahr mit insgesamt 53 Palästinensern aus dem seit 1948 besetzten Palästina unseren Abschluss in Allgemeinmedizin machen. Insgesamt haben 1.500 Palästinenser seit 1982 in Kuba Medizin studiert.
Was ist für Sie das Besondere am kubanischen Gesundheitssystem?
Neben dem universellen Zugang ist es das System der Prävention. Im Studium hieß es immer, das beste Mittel gegen eine Krankheit ist, sie nicht zu bekommen. Deswegen hat Kuba ein dichtes Netz an Familienärzten und Polikliniken geschaffen. Erst im zweiten Schritt erfolgt die Behandlung in einem Krankenhaus und als dritter Schritt die Behandlung in einer Fachklinik, zum Beispiel für Krebserkrankungen.
Sehen Sie Parallelen zwischen der Situation in Palästina und der Blockade gegen Kuba?
Der Akteur, der den Völkermord im Gazastreifen unterstützt und finanziert, ist der gleiche, der Kuba blockiert: der US-Imperialismus. In Gaza geht der Völkermord weiter, weiterhin fallen Bomben, aber das geschieht jetzt außerhalb der Wahrnehmung der Weltöffentlichkeit. Man darf auch die Situation im Westjordanland nicht vergessen. Eines der zentralen Probleme dort ist der illegale Siedlungsbau, aktuell mit einer Million israelischer Siedler. Die Situation im gesamten besetzten Palästina ist sehr schwierig, nicht nur im Gesundheitswesen, auch in Fragen der Arbeitsplätze und Erwerbslosigkeit, in der Wohnsituation und so weiter.
Trotzdem gibt es einen Unterschied zu Kuba. Die Blockade Palästinas ist kalkuliert, und Israel achtet, zumindest bezogen auf das Westjordanland, darauf, die Situation nicht zu überspitzen. Damit wollen die Besatzer vermeiden, dass das Volk explosionsartig aufbegehrt und die Situation für die Besatzerbehörden unkontrollierbar wird. In Kuba zielt die Blockade gerade darauf ab, dass das Volk sich erhebt, nur dass sich die Wut dann gegen die kubanische Regierung richten soll.
Unterstützt Kuba Palästinenser auch zusätzlich zur Möglichkeit des Medizinstudiums?
Neben der politischen Unterstützung und der Solidarität durch Demonstrationen in Kuba gab es immer wieder Lieferungen von medizinischem Material nach Palästina. Die weltweit geachteten Medizinbrigaden, die selbst in Ländern der sogenannten ersten Welt wie Spanien und Italien gefragt sind, können leider wegen der Besatzungsbehörden nicht einreisen. Das ist ein großes Problem. Selbst für mich als Palästinenser ist die Einreise schwierig, wenn man außerhalb Palästinas war. Für andere Menschen ist es noch sehr viel schwieriger. Insbesondere für Journalisten, denen die Einreise verweigert wird oder die ermordet werden, damit die Welt nicht erfährt, was in Palästina vor sich geht (allein 2025 wurden nach Angaben von Reporter ohne Grenzen 29 Medienschaffende im Gazastreifen bei ihrer Arbeit ermordet, jW).
Ihab Al-Marsi stammt aus dem Westjordanland und hat in Kuba Medizin studiert.
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