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Indigene in Guatemala

Werden Sie nach der Haft wieder Minister?

Guatemala: Selbstorganisierte Indigene hoffen auf ein Ende der Kriminalisierung durch die Justiz, sagt Luis Pacheco

Foto: Cristina Chiquin/REUTERS
Demonstration für die Freilassung von Luis Pacheco in Guatemala-Stadt (23.4.2026)

Das Verfahren der guatemaltekischen Justiz gegen Sie und drei weitere indigene Anführer ist am 11. September eingestellt worden. Zuvor waren Sie und Héctor Chaclán gegen Kaution nach 15 Monaten Anfang August aus der U-Haft entlassen worden. Jetzt hatte die Generalstaatsanwaltschaft die Einstellung gefordert, die zunächst das Verfahren eingeleitet hatte. Warum dieser Sinneswandel?

Ich denke, sowohl Staatsanwaltschaft als auch das Gericht kamen zu dem Schluss, dass es keine Beweise für den Vorwurf des »Terrorismus« und der »Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung« gibt. Mit krimineller Vereinigung ist unsere indigene Selbstverwaltung gemeint, die 48 Kantone von Totonicapán und die indigenen Bürgermeister von Sololá. Die Anklage bezog sich auf unseren friedlichen Protest 2023 zur Verteidigung der Demokratie. Das hängt auch zusammen mit dem Wechsel in der Generalstaatsanwaltschaft. Die Amtszeit von María Consuelo Porras (Vertraute des Paktes der Korrupten und Gegnerin der Regierung Bernardo Arévalo, jW) lief im April aus.

Neben dem normalen Personalaustausch, den ein Führungswechsel in jeder Institution mit sich bringt, hoffen wir in diesem konkreten Fall darauf, dass es mit der neuen Generalstaatsanwaltschaft mehr Objektivität gibt und die Fälle der Kriminalisierung enden. Auch der Journalist José Rubén Zamora (Gründer der kritischen Zeitung El Periódico, jW) wurde aus der Haft entlassen, auch wenn sein Verfahren noch nicht zu Ende ist.

Wie haben sich der Prozess der Kriminalisierung und die 15 Monate Haft auf Sie ausgewirkt?

Das war sehr schwierig, vor allem für uns im Gefängnis mit dem Verlust des Einkommens, der sozialen Kontakte etc. Für die beiden Mitangeklagten Esteban Toc und Basilio Puac war es etwas einfacher, sie wurden nach ihrer Festnahme nach der ersten Anhörung in den Hausarrest entlassen. Es war aber für alle schwierig, und es wird noch einige Zeit dauern, bis die Wunden verheilt sind und wir zum normalen Leben zurückkehren können. Da sind noch viel Geduld, Ruhe und Toleranz nötig.

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Sie waren vor Ihrer Festnahme Vizeminister für Energie und Bergbau in der sozialdemokratischen Regierung von Bernardo Arévalo. Werden Sie auf diesen Posten zurückkehren? Er wurde nach Ihrer Festnahme nicht neu besetzt.

Ich war Vizeminister für nachhaltige Entwicklung, einer der drei Vizeminister im Ressort. Das mit der Rückkehr ist noch nicht abschließend geklärt und muss analysiert werden. Das Ministerium hat in meiner Haftzeit weitergearbeitet und ist auf einem anderen Stand als im April 2025. Eine Rückkehr ist aber möglich.

Neuesten Umfrageergebnissen zufolge sehen nur noch rund ein Drittel der Guatemalteken die Arbeit von Arévalo positiv. Aktuell bewegen die Proteste gegen die hohen Benzinpreise das Land.

Die hohen Benzinpreise sind Resultat globaler Ereignisse, konkret des Krieges (der USA und Israels, jW) gegen den Iran. Gerade als armes, abhängiges Land hat Guatemala da wenig Spielraum. Was die Umfragen angeht: Da kann es auch sein, dass diese durch viel negative Propaganda in den sozialen Netzwerken beeinflusst sind. Da wäre ich vorsichtig. Ich denke, die Regierung sollte an konkreten Dingen wie Infrastruktur, Gesundheit und Bildung gemessen werden.

Da sehen Sie Fortschritte?

In der Bildung sehe ich, neben dem Programm der Regierung zur Renovierung von Schulen, auch Fortschritte in der Qualität der Materialien und des Unterrichts. Ähnlich im Gesundheitsbereich: Da höre und sehe ich in vielen Bereichen eine gute Behandlung. Selbstverständlich ist noch viel zu tun, aber die Veränderungen sind da.

Aber auch aus Ihrer eigenen Organisation, den 48 Kantonen, gibt es Kritik an Arévalo. Im Zuge der Proteste wegen der hohen Benzinpreise war zu hören: »Wir haben Arévalo auf seinen Posten gebracht, wir können ihn auch wieder absetzen.« Wie sehen die 48 Kantone Arévalo mittlerweile?

Die Vorstände der 48 Kantone wechseln jährlich. Als ich Präsident war, hieß der Staatschef noch Alejandro Giammattei. In der Amtszeit von Arévalo gibt es jetzt den dritten Vorstand der 48 Kantone. Jeder Vorstand setzt seine Schwerpunkte, gemeinsam mit den Versammlungen der Gemeinden. Wir wehren uns aber gegen alles, was dem Volk von Toto­nicapán schadet.

Luis ­Pacheco war 2023 Präsident der »48 Kantone von Totonicapán«, einer indigenen Selbstverwaltung in Guatemala, und vor seiner Inhaftierung Minister im Kabinett Arévalo.

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.09.2026, Seite 3, Ausland

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