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Duterte außer Rand und Band
Philippinen: Vizepräsidentin gerät während des laufenden Amtsenthebungsverfahrens immer mehr in Rage und poltert gegen Staatschef Marcos Jr
Es schien eine Erfolgsstory erster Güte zu versprechen, als Ferdinand Marcos Jr. und Sara Duterte, langjährige Bürgermeisterin in der südlichen Hafenstadt Davao, Mitte 2022 als strahlende Sieger aus den Präsidentschaftswahlen auf den Philippinen hervorgingen. Geeint in einem politischen Bündnis, das sich »Uniteam« nannte, fuhren beide einen haushohen Sieg ein. Marcos wurde Präsident und Duterte Vizepräsidentin sowie Bildungsministerin.
Doch die Vizepräsidentin schmollte ob dieses Postens. Sie hatte es eigentlich darauf abgesehen, das Verteidigungsressort zu übernehmen. Dieses wäre von strategischer und sicherheitspolitischer Bedeutung gewesen und hätte jene Kontakte zur Volksrepublik China gewahrt, die der Marcos-Vorgänger und Vater der Vizepräsidentin, Expräsident Rodrigo Duterte (2016–22), geknüpft hatte. Marcos Jr. hingegen ist ein erklärter Busenfreund Washingtons. Das politische Tischtuch ward endgültig zerschnitten, als Sara Duterte Mitte Juli 2024 als Bildungsministerin abdankte. Seitdem scheint sie einzig von dem Gedanken beseelt, Marcos bei jeder sich bietenden Gelegenheit öffentlich herabzusetzen sowie gegen ihn und seine Familie Hass zu schüren.
Mitte Oktober 2024 sprach Duterte von einer »toxischen« Beziehung zu Marcos und äußerte Gewaltphantasien: »Ich stelle mir vor, wie ich ihm den Kopf abschneide.« Ende November 2024 drohte sie gar öffentlich, den Präsidenten umbringen zu lassen, falls sie selbst ermordet werden sollte. »Machen Sie sich keine Sorgen um meine Sicherheit«, sagte Duterte in einer Stellungnahme, die auf Facebook veröffentlicht wurde. Sie sei in Kontakt mit jemandem, der bereit sei, Marcos, dessen Ehefrau sowie seinen Cousin, den Sprecher des Repräsentantenhauses, zu töten, sollte sie selbst ermordet werden. Dies sei »kein Witz«, versicherte sie. In ihrer mit Beschimpfungen gespickten Rede teilte Duterte auch weiter gegen Marcos aus: »Dieses Land geht zur Hölle, weil wir von einer Person geführt werden, die nicht weiß, wie man Präsident ist, und die ein Lügner ist.«
Was unter rechtsstaatlichen Bedingungen umgehend ein Strafverfahren wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zu Mord gerechtfertigt hätte, blieb über Monate eine Bagatelle. Der Wind drehte sich, als Dutertes Vater wegen Verbrechen gegen die Menschheit im Zuge seines tödlichen »Antidrogenkrieges« mit geschätzten 30.000 Opfern am 11. März 2025 dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag überstellt wurde und gegen die Vizepräsidentin Vorbereitungen für ein Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) getroffen wurden. Dieses Verfahren ist seit Anfang Juli dieses Jahres im Gange und konfrontiert Frau Duterte mit vier Anklagepunkten: neben der Morddrohung gegen Marcos Jr. und seine Familie Missbrauch vertraulicher Gelder, Bestechung und ungeklärter Vermögenszuwachs.
In diesem Verfahren tauchte die Vizepräsidentin bis dato nicht persönlich auf. Sie ließ sich vor dem Senat, der letztlich über den Ausgang des Amtsenthebungsverfahrens entscheidet, von ihren Anwälten vertreten. Derweil unternahm sie mehrere Auslandsreisen, um ihren Vater in Den Haag zu besuchen und andernorts Wahlwerbung für sich vor philippinischen Expats zu betreiben. Im Frühjahr 2028 stehen die nächsten Präsidentschaftswahlen an, für die die umtriebige Politikerin bereits ihre Kandidatur ankündigte, wofür sie von ihren Anhängern gefeiert wird. Duterte stellt sich als Opfer einer vom »imperialen Manila« gesteuerten Kampagne dar und bezeichnet die Überstellung ihres Vaters nach Den Haag als »Kidnapping« und »nationalen Verrat«. Mit diesem Vorwurf attackiert sie sämtliche Medien, die nicht ihrer Meinung sind. Am 29. Juli bezeichnete sie anlässlich einer von ihr anberaumten Pressekonferenz in Den Haag den IStGH als »käuflich« und als »Marionette« bestimmter Medien und Politiker in ihrem Land. Staatsanwälte des Justizministeriums (DOJ) haben schließlich am 11. August Anklage gegen Sara Duterte »wegen schwerer Drohungen« erhoben, erklärte DOJ-Sprecher Raphael Martinez gegenüber Reportern in Manila.
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