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Albanien

Seit osmanischen Zeiten

Albanien: Verkauf von Grundstück für Luxusresort Gegenstand von Ermittlungen. Beschuldigter wiegelt Vorwurf gefälschter Eigentumsdokumente ab

Foto: Armando Babani/Matrix Images/IMAGO
Zum Symbol der Proteste in Albanien geworden: Flamingos in der Lagune von Narta (6.6.2026)

Ein Haftbefehl wegen Geldwäsche im Zusammenhang mit Kokainhandel, ausgestellt in einem Land, das EU-Beitrittskandidat ist. Und ein bekannter Wohnsitz: Millionenanwesen in Miami Beach, an der Biscayne Bay. Artur Shehu, der Mann, der die Grundstücke auf der Insel Sazan für das von Jared Kushner, dem Schwiegersohn und Berater des US-Präsidenten, beworbene Luxusresort in Albanien verkaufte, lebt seit Juni mit beidem. Und niemand auf der anderen Seite des Atlantiks scheint es eilig zu haben, beides zusammenzuführen.

Für seinen Mitbeschuldigten galten andere Fristen. Am 30. Juli genehmigte das Berufungsgericht Thessaloniki die Auslieferung von Ilir Shtufi, Hochhausbauer in Tirana. Er war im Juni nach einem Hinweis von Interpol in einem Hotel der griechischen Stadt festgenommen worden. Shtufi, den albanische Medien mit dem Sohn des Oppositionsführers Sali Berisha in Verbindung bringen, verteidigte sich: Er werde politisch verfolgt. Er wird der erste Beschuldigte in der Akte »Aruba« sein, der aus dem Ausland an die albanische Sonderstaatsanwaltschaft SPAK überstellt wird. Von deren 20 Haftanordnungen sind bislang sechs vollstreckt.

Wer also ist Shehu, um den sich die Akte dreht? Ein Unternehmer, der nach Recherchen von Miami New Times und dem Netzwerk OCCRP von Florida aus über Jahre Küstenland in der alten Heimat zusammenkaufte. Die Vorgeschichte erzählt sein Anwalt so: 1998 habe Shehu in den USA politisches Asyl gesucht, nachdem »kriminelle Banden« seinen Bruder und seinen Onkel vor seinen Augen getötet hätten – Reuters konnte das nicht unabhängig überprüfen. Verurteilt wurde er nie. Doch schon 2013, das zeigen von CBS News eingesehene Gerichtsakten, stritten Bewohner von Zvërnec ihm das Eigentum an den Grundstücken ab – die Lagune ist Heimat Dutzender bedrohter Tierarten.

Die 200 Seiten der Ermittlungsakte, datiert auf den 12. Juni und von Reuters eingesehen, geben die Antwort der Ermittler. SPAK beschuldigt Shehu und seine Partner, südamerikanisches Kokain in europäische Häfen geschafft und die Gewinne in ein Immobilienimperium gesteckt zu haben: Grundstückskäufe mit illegalen Mitteln und gefälschten Eigentumsdokumenten, indem »falsche Eigentumstitel geschaffen oder Flächen künstlich vergrößert« worden seien. Die Ermittlungen sind eine Folge von Abhörmaßnahmen gegen den Drogenhandel.

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Im April verkaufte Shehu die Küstengrundstücke an »Albania Land Development«, die Gesellschaft hinter Kushners Projekt. Der Erlös – 110 Millionen Euro laut den von Reuters eingesehenen Akten – wurde auf dem Konto der Notarin eingefroren, bevor ihn das Geld erreichen konnte. Die Akte enthält keine Vorwürfe gegen Kushner, die Projektgesellschaften oder die Investoren. Kushners albanische Partnerfirma Sazan Real Estate Development erklärte gegenüber Newsweek, sie sei »nicht Gegenstand irgendeiner Ermittlung«, die Landkäufe seien rechtmäßig erfolgt.

Die Verteidigung weist alles zurück. »Nichts von dem, was über den Charakter von Herrn Shehu behauptet wurde, ist wahr: Er ist weder Drogenhändler noch Dokumentenfälscher«, erklärte Anwalt Kujtim Cakrani gegenüber Reuters. Die Familie besitze das Land seit osmanischer Zeit, der Verkauf sei legal gewesen. Shehu selbst nannte sein Eigentum in einer albanischen Fernsehsendung »unbestreitbar«. Verkauft habe er über einen Mittelsmann; wer das Land am Ende erworben habe, wisse er nicht. Ein Dutzend Bewohner von Zvërnec legte Reuters eigene Eigentumstitel und Steuerunterlagen vor; ihr Rechtsbeistand will einen gerichtlichen Baustopp beantragen.

Hier hört die Geschichte auf, eine bloß albanische zu sein. Cakrani bestätigte, sein Mandant kenne den Haftbefehl und sei darüber nicht beunruhigt. Auf Anfrage von Reuters lehnte ein Sprecher des US-Justizministeriums die Auskunft ab, ob aus Tirana je ein Ersuchen eingegangen sei, Shehu in Miami ausfindig zu machen oder festzusetzen. Das Ergebnis ist ein doppelter Maßstab: Griechenland liefert einen Mitbeschuldigten binnen sieben Wochen aus. Die USA, wo der Hauptbeschuldigte lebt und der Schwiegersohn des Präsidenten für das Projekt wirbt, müssen nicht einmal antworten.

Die albanische Politik behandelt den Namen mit parteiübergreifender Vorsicht. Medien in Tirana erinnern daran, dass Shehu unter der Präsidentschaft Berishas in der Republiksgarde gedient habe und die Grundstücke in den Jahren demokratischer Regierungen zusammengekommen seien; abgesegnet aber hat das Projekt die aktuelle Regierung von Edi Rama, deren Rücktritt in den seit Monaten andauernden Protesten gefordert wird. Die Opposition wettert gegen das Resort – zum Namen Shehu bleibt Berisha auffallend still. In Tirana wird die erste Vernehmung vorbereitet. Der Mann in Miami hat vorerst keinen Grund zur Eile.

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.08.2026, Seite 6, Ausland

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