Washington und Tokio stützen den Yen
US-Finanzminister Scott Bessent will die Geldzufuhr aus Fernost in Gang halten. Die japanische Landeswährung soll daher zum US-Dollar an Wert gewinnen
Seit langem ist Japan unter den hochentwickelten kapitalistischen Ländern das Land mit der höchsten Schuldenquote von über 200 Prozent am jährlichen Bruttoinlandsprodukt. Das Land wurde im Ergebnis einer riesigen geplatzten Finanzblase zur Jahreswende 1989/90 zunächst zu einem Land der Stagnation und ab der Jahrtausendwende zum ersten Land mit null Inflation und null Zinsen. Im Ergebnis: das perfekte Land staatsmonopolistisch gelenkter Stagnation. Die Banken und Großunternehmen wurden durch staatliche Stützung aufrechterhalten. Das Defizit im Staatshaushalt und die Staatsschuld expandierte.
Langfristig und vereinfacht gesprochen spiegelt sich das relative Zurückbleiben der japanischen Volkswirtschaft hinter den anderen altkapitalistischen Regionen Nordamerika und Westeuropa im Abstieg der japanischen Währung gegenüber dem US-Dollar und dem Euro. Der Yen ist im vorigen Monat auf ein seit 40 Jahren nicht erreichtes Tief zum US-Dollar gefallen. 1986 war der Yen mit 164 Yen pro US-Dollar noch auf dem Weg nach oben zum Höhepunkt der Hyperspekulation in japanischen Aktien und Immobilien. Am 23. Juli 2026 war dieser Wert auf dem Weg nach unten von 164 Yen zum US-Dollar wieder erreicht.
Schon zweimal hatte das japanische Finanzministerium im laufenden Jahr am Devisenmarkt zugunsten der eigenen Währung interveniert. Das brachte vorübergehend etwas höhere Yen-Preise zum US-Dollar. Aber eben nur vorübergehend. Denn es gilt der erfahrungsgesättigte Satz, dass nur dann, wenn beide Währungsseiten (hier also Tokio und Washington) einheitlich agieren, die Märkte von einer Änderung der bisherigen Tendenz überzeugt werden können.
Am Donnerstag vergangener Woche war es so weit. Die Federal Reserve Bank of New York verkaufte im Auftrag des Finanzministeriums in Washington (und mit aktiver Hilfe der beiden großen Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley) etwa 53,8 Milliarden US-Dollar (sowie auch Euro) und kaufte dafür Yen, wurde in Agenturen berichtet. Der US-Dollar fiel von über 163 auf 156 Yen zurück. US-Finanzminister Scott Bessent bestätigte die Operation, und am Wochenende prahlte Donald Trump damit, den japanischen Freunden, denen er sonst lieber höhere Zölle aufbrummt, geholfen zu haben. Erst am Montag bestätigte die japanische Finanzministerin Katayama Satsuki die Operation, und der Yen verbesserte sich weiter auf fast bis 155 pro US-Dollar.
Die Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen dürften nicht einfach gewesen sein, zumal ein klarer Kurs in Washington auch in Finanzdingen nicht auszumachen ist. Einerseits wirft die Trump-Regierung asiatischen Staaten wie China, Japan oder auch Südkorea vor, ihre Währungen zur Förderung des Exports »künstlich« niedrig zu halten, andererseits ist japanisches Geldkapital die größte Eigentümergruppe der US-amerikanischen Staatsschuld.
Die japanische Regierung, die vor Jahren noch einen niedrigen Yen zum US-Dollar favorisierte, ist längst bemüht, den Yen zu stärken. Denn Toyota, Sony, Mitsubishi und dergleichen haben, ganz wie die deutschen Konzerne, den Schwerpunkt ihrer Produktion ins Ausland verlegt. Sie brauchen keinen niedrigen Yen zur relativen Senkung der Lohnkosten mehr. Die japanische Notenbank hat – im Einklang mit der Regierung – seit mehreren Jahren und in kleinen Schritten den Leitzins auf jetzt schon sensationelle ein Prozent hochgesetzt. Wichtiger noch: Sie kauft immer weniger Regierungsbonds auf. Die Folge davon ist, dass die Zinsen auf längerfristige, zehnjährige Regierungsanleihen von unter einem Prozent auf nahezu drei Prozent gestiegen sind.
Mit dem Zinsanstieg in Japan wird andererseits der seit Jahren wunderbar funktionierende Fluss frischen Geldes aus Fernost in die USA unterbrochen. Der US-Finanzminister kalkuliert zu Recht, dass das Ende der superlockeren Geldpolitik in Japan die Nebenfolge hat, auch den Zins auf die US-amerikanische Staatsschuld zu erhöhen. Da ist es attraktiver, den Yen am Devisenmarkt zu stärken und damit die Nettozufuhr an Geld aus Fernost noch eine Weile lang aufrechtzuerhalten.
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