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Konjunktur war schon schlechter

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Foto: jW

Juhu, die Lage ist weniger schlecht als angenommen. Im zweiten Quartal des Jahres ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nicht um zunächst kalkulierte 0,2, sondern um hübsche 0,3 Prozent gewachsen. Das teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) am vergangenen Dienstag mit. Dazu kam am selben Tag die Nachricht vom Ifo-Institut, dass sein Geschäftsklimaindex sich im August weiter, auf 88,8 Punkte, verbessert hat. Das sind einigermaßen solide Zahlen. Sie deuten auf eine leichte Besserung der konjunkturellen Lage in Deutschland hin. Der ifo-Index basiert auf Umfragen bei ungefähr 9.000 Unternehmen, die ihre aktuelle Geschäftslage und die in sechs Monaten erwartete ziemlich genau einschätzen können und wenig Grund haben, sie zu beschönigen oder schlechter als tatsächlich darzustellen. Am Ifo-Index sind also meist deutlich früher als in den offiziellen Statistikdaten Veränderungen in der Gesamtwirtschaft zu erkennen.

Als Ende Februar die USA und Israel ihren Angriffskrieg gegen den Iran begannen und die Preise für Erdöl in die Höhe schossen, sackte der Ifo-Index für die Geschäftserwartungen von 90,3 Punkten im Februar auf 83,6 Punkte im April ab. Von da an hat er sich Monat für Monat erholt und im August mit 89,1 Punkten ungefähr den Stand vom Jahreswechsel wieder erreicht. Auf längere Sicht ist der Index ein markantes Zeichen, dass sich das Geschäftsklima in Deutschland weit unter Normalnull befindet. Mit 100 Punkten haben die Wirtschaftsforscher ihren Index auf 2015, das sie damals für ein Normaljahr hielten, geeicht. Das Statistische Bundesamt (auch damals schon darauf trainiert, die Lage möglichst erfreulich darzustellen) schrieb im Januar 2016 in einem ersten Rückblick: »Die konjunkturelle Lage in Deutschland war im Jahr 2015 gekennzeichnet durch ein solides und stetiges Wirtschaftswachstum. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) war nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Jahresdurchschnitt 2015 um 1,7 Prozent höher als im Vorjahr (…). Eine längerfristigere Betrachtung zeigt, dass das Wirtschaftswachstum im Jahr 2015 wieder über dem Durchschnittswert der letzten zehn Jahre von plus 1,3 Prozent lag.« Heute zeigt die »längerfristigere Betrachtung« jedenfalls, dass die Lage seit damals schlechter geworden ist. Nur einmal, im Februar 2021, hat der Ifo-Index seitdem mit 101 Punkten den »Normalwert« von 100 übertroffen.

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Aktuell sind der Klimaindex des Ifo-Instituts und die offiziellen Konjunkturdaten noch meilenweit von Normalwerten entfernt. Die einzige Komponente der BIP-Berechnung, die im ersten Halbjahr 2026 ein wenig Erholung zeigte, ist der Export. Dabei stieg die Ausfuhr vor allem in die anderen EU-Länder, während die in die großen Abnehmerländer USA und China zurückging. Früher wurden Aufschwungphasen in Deutschland vom Wiedererstarken des Exports eingeleitet. Dann folgten ein Investitionsboom, sinkende Arbeitslosigkeit und schließlich auch ein Aufschwung der Binnenwirtschaft einschließlich des Konsums. Von all dem ist jetzt nichts zu erkennen. Die von Bundeskanzler Friedrich Merz herbeigewünschte Belebung der kapitalistischen Akkumulation findet nicht statt.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Aachen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.08.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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  • Onlineabonnent*in Manfred W. aus B. 30. Aug. 2026 um 14:53 Uhr
    Vergeblich habe ich in diesem Artikel Informationen über den Anteil der Rüstungsindustrie und der aktuellen Kriege selbst am Bruttoinlandsprodukt gesucht. Was ist los mit der jungen Welt?
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