Reichtum auf dem Papier
Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs
Das Forschungsinstitut der bekanntesten Unternehmensberatungsfirma McKinsey hat sich mit dem weltweiten »Vermögen« oder auch »Reichtum« beschäftigt. Wie hoch ist es? Wie setzt es sich zusammen? Und wie dauerhaft ist diese Zusammensetzung und Bewertung des Reichtums? In der Studie unter dem Titel »The Global Balance Sheet 2026: Imbalance and Divergence« kommen die Autoren schnell zur Sache, wenn sie feststellen, dass »der Reichtum in stärkerem Maße als früher darauf beruhte, dass die Vermögenswerte stärker zulegten als die Investitionen in die und das Wachstum der Realökonomie – womit Rekordwerte des globalen Reichtums ›auf dem Papier entstanden‹«.
Die Autoren lassen keinen Zweifel daran, dass der Haupttreiber dieser Entwicklung der Aktienmarkt ist, und da wiederum in erster Linie der der USA. Der nominale Wert der von Haushalten gehaltenen (einschließlich der nicht an der Börse gehandelten) Unternehmensanteile hat seit 2000 (einem damals schon glänzenden Börsenjahr) um weitere 80 Prozent zugelegt und entsprach 2025 damit dem 2,8fachen des jährlichen globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das Welt-BIP betrug 2024 nominal ungefähr 118 Billionen US-Dollar. Die Inflation auf der Konsumentenebene ist in dieser Rechnung bereits einkalkuliert. Die McKinsey-Leute stellen auch sachlich fest, dass die Entwicklung speziell in den USA zu höheren Profitraten der Unternehmen, weniger produktiven Investitionen und noch ungleicher werdender Vermögensverteilung führt.
»Der Vermögenszuwachs fand zum größeren Teil auf dem Papier statt, und die nominale Wertentwicklung hat sich von der Realwirtschaft abgekoppelt«, stellen die Autoren fest. Der Finanzsektor hat sich übermäßig aufgebläht, ähnlich wie, aber noch stärker als im Anlauf zur großen Finanzkrise 2007/2008. Man sollte auch bedenken, dass der Vergleich zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung das Auseinanderklaffen noch unterstreicht, denn in der BIP-Rechnung sind die Ergebnisse der Banken, Fonds, Versicherungen etc. als »Wertschöpfung« mit enthalten.
Die letzte Finanzkrise nahm am 9. August 2007 ihren Anfang. Vor jetzt also 19 Jahren schossen an den Geldmärkten der Welt die Zinsen nach oben, weil Verluste nicht mehr abgedeckt werden konnten, Banken in Liquiditätsnot gerieten und sich gegenseitig selbst kurzfristige Monats- oder Tageskredite nicht mehr bewilligten. Obwohl die Notenbanken schnell reagierten und Hunderte von Milliarden US-Dollar, Euro, Pfund und Schweizer Franken ins Bankensystem pumpten, konnte die Krise nicht eingedämmt werden, bis schließlich im September 2008 nach der Pleite von Lehman Brothers die fällige Abwertung der immer noch überhöhten Aktienpreise gelang und eine Weltrezession erzwang.
Die kommende Finanzkrise verläuft mit Sicherheit anders als damals. Sicher aber ist auch nach der coolen Überschlagsrechnung der McKinseyaner: Eine drastische Abwertung des Reichtums ist fällig.
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