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Superschwacher Yen

Foto: jW

In 2023 überholte Deutschland in der Reihenfolge der größten Volkswirtschaften der Erde – gemessen am jährlichen Bruttoinlandsprodukt (BIP) – Japan und rangiert seitdem – nach den USA und China – an dritter Stelle. Weder war Deutschland besonders kräftig gewachsen, noch war Japan in eine Rezession abgetaucht. Deutschland verdankte diesen »Erfolg« einzig und allein dem Wechselkurseffekt. Der Yen wurde im Vergleich zum US-Dollar und zum Euro immer billiger. Der Trend des sinkenden Yen hält bis heute an. Vor einer Woche wurde bei über 162 Yen pro US-Dollar ein neuer Tiefstand seit 40 Jahren erreicht. Die unmittelbaren Folgen in Japan sind hohe und steigende Preise für Importgüter, insbesondere für Rohöl. Tokio, das zwischen 2010 und 2013, als die japanische Währung stark war, den Titel »teuerste Hauptstadt der Welt« führte, wird nun von Touristen aus aller Welt überschwemmt, die sich mit billigen, aber hochwertigen japanischen Industrieprodukten eindecken.

Die japanische Regierung, die vor Jahren noch einen niedrigen Yen zum Dollar favorisiert hatte, ist längst bemüht, den Yen zu stärken. Denn Toyota, Sony, Mitsubishi etc. haben längst, ganz wie die deutschen Konzerne, den Schwerpunkt ihrer Produktion ins Ausland verlagert. Sie brauchen keinen niedrigen Yen zur Senkung der Lohnkosten mehr. Die japanische Währung ist seit vielen Jahren ein krasses Beispiel dafür, dass ihr Wechselkurs nicht vom Verlauf der Warenströme, sondern vom Kapitalverkehr bestimmt wird: Die im Vergleich zum Dollar- und Euro-Raum niedrigen Zinsen in Japan veranlassen die Investoren aus aller Welt, in Yen billig Kredit aufzunehmen, um in anderen Ländern höher rentierliche Finanzprodukte zu erwerben. Das gelingt in den Schwächephasen des Yen besonders gut, weil bei der Rückzahlung des Kredits in Yen die Gesamtrechnung noch billiger wird. Man nennt das den »Carry Trade«.

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Die japanische Notenbank hat – im Einklang mit der Regierung – seit mehreren Jahren in kleinen Schritten den Leitzins auf jetzt schon sensationelle ein Prozent hochgesetzt. Wichtiger noch: Sie kauft immer weniger Regierungsbonds auf. Die Folge davon war, dass die Zinsen auf längerfristige, zehnjährige Regierungsanleihen von unter einem Prozent auf nahezu drei Prozent stiegen. Für das internationale Kapital ist das offensichtlich noch nicht attraktiv genug. Der Yen sinkt weiter. Die einfache Lösung wären Eingriffe der Notenbank am Devisenmarkt. In früheren Jahrzehnten, als es im Interesse der USA darum ging, den Yen auf- und den Dollar abzuwerten, gelang das prächtig. Offensichtlich haben die USA zur Zeit kein Interesse, durch massive Dollar-Verkäufe dem Yen aufzuhelfen und den »Carry-Tradern« den kalkulierten Gewinn zu vermiesen.

Die Regierung der noch relativ neuen Premierministerin Sakae Takaichi wirkt hilflos. Sie will die Pensionsfonds des Landes, darunter den riesigen staatlichen, der umgerechnet ein Anlagevolumen von 1,8 Billionen US-Dollar verwaltet, dazu überreden, mehr tolle japanische Staatsanleihen zu erwerben. Das kann auf die bisher erprobte Art die Notenbank selber viel besser. Der Devisenhandel wartet gespannt auf neue Yen-Tiefs.

→ Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Aachen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.07.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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