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Ebolaausbruch in DR Kongo

Der Markt regelt die Epidemie

Ebolainfektionen in DR Kongo breiten sich rasant aus. Grund dafür sind mangelnde Mittel bei Gesundheit und Ernährung

Foto: REUTERS/Gradel Muyisa Mumbere
Kongolesisches Gesundheitspersonal versorgt Kinder nach einem Test auf das oft tödliche Virus (Bunia, 9.6.2026)

Die Ebolaepidemie in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) breitet sich immer schneller aus. Stand Donnerstag hatten die Behörden des zentralafrikanischen Landes 3.442 bestätigte Infektionen und 1.521 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus identifiziert. Demnach haben sich binnen einer Woche mehr als 1.000 weitere Menschen mit der oft tödlich verlaufenden Fieberkrankheit angesteckt.

Es ist der sich am schnellsten ausbreitende Ausbruch, zu dem je Daten erhoben wurden. Innerhalb von nur 40 Tagen hat die aktuelle Epidemie die Marke von 1.000 registrierten Ansteckungen erreicht – beim letzten großen Ausbruch im Land 2018 war diese Zahl erst nach 235 Tagen überschritten worden. Bedenklich sind diese Daten auch, weil nicht davon auszugehen ist, dass die Erfassung gründlich ist. Ganz im Gegenteil: Erst Mitte Juli hatte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, erklärt, dass 80 Prozent der Neuansteckungen in keinem bekannten Zusammenhang mit zuvor registrierten Fällen stünden, was auf eine hohe Dunkelziffer hindeute. Am Dienstag warnte die WHO erneut, dass die tatsächlichen Ansteckungszahlen doppelt bis viermal so hoch sein könnten.

Die rasante Ausbreitung der Krankheit hat eine Vielzahl von Gründen. Zum einen wird die aktuelle Pandemie vom Bundibugyo-Virus verursacht, gegen das es bisher weder Impfstoffe noch Medikamente gibt. Zum anderen erschweren Kampfhandlungen zwischen bewaffneten Milizen in den am schwersten betroffenen Provinzen im Osten der DR Kongo die medizinische Intervention und Eindämmung des Virus. Aufgrund der Feindseligkeiten, mangelnder oder zerstörter Straßen sowie tiefen Misstrauens gegen staatliche Institutionen gelten zahlreiche Gemeinden für das Gesundheitspersonal als kaum erreichbar.

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Doch damit ist die Problemlage noch nicht umfassend dargestellt. Denn die konsequente Isolation von Infizierten und Kontaktpersonen scheitert nicht nur an einer zu langsamen Erfassung und Verfolgung durch Gesundheitspersonal, sondern vor allem am grassierenden Hunger in der Region: 2,65 Millionen Menschen leiden nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) allein in den 48 Gesundheitszonen der DR Kongo, in denen bisher Fälle von Ebola registriert wurden, unter akuter Ernährungsunsicherheit. 628.000 von ihnen leben demnach bereits unter Notbedingungen.

»Ebola ernährt sich von Verzögerung, Angst und Hunger«, konstatierte der Leiter des UN-Programms, Carl Skau, folgerichtig am Donnerstag. »Lebensmittelhilfen bedeuten direkte Ebolaeindämmung«, fügte er hinzu. Wenn Familien ihre Ernährung gesichert sähen, könnten sie zu Hause bleiben. Doch um dies zu gewährleisten, fehlen dem WFP für die kommenden sechs Monate insgesamt 293,6 Millionen US-Dollar (255 Millionen Euro). Woher die Summe kommen könnte, ist derzeit vollkommen unklar. Zum Vergleich: Ein einziges THAAD-Raketensystem, wie es die USA unter anderem im Iran-Krieg einsetzen, kostet je nach Schätzung bis zum Achtfachen dieser Summe.

Das Ernährungsprogramm ist mit seiner Mittelknappheit in der DR Kongo allerdings nicht allein. Auch internationale Organisationen, von deren Unterstützung die medizinische Versorgung dort bisher in hohem Maße abhängig war, haben in der jüngeren Vergangenheit abrupt ihre Unterstützung zurückgefahren. Zuletzt streikte mitten in der Epidemie das Gesundheitspersonal, weil es seit Monaten keine Gehälter ausgezahlt bekommen hatte. Auch kritisierte die NGO »Ärzte ohne Grenzen« bereits im Mai, dass die Weltbank ihre Förderung des Ernährungs- und Gesundheitsprojekts in der kongolesischen Provinz Südkivu eingestellt hatte. Dies habe dazu geführt, dass Patienten für Behandlungen in Kliniken nun selbst hohe Gebühren zahlen müssten.

Neben verspäteter oder gänzlich ausbleibender medizinischer Versorgung oder Überschuldung – und in der Folge noch mehr Hunger – führt dieses System der direkten Erhebung von Behandlungskosten in der aktuellen Epidemie noch zu einem weiteren Phänomen, über das Reuters am Mittwoch eher beiläufig berichtete: In einer Reportage über den Alltag eines mit der Verfolgung von Ebolafällen betrauten Mediziners in der ostkongolesischen Stadt Bunia berichtet jener Moubarack Kano, dass Gesundheitseinrichtungen Verdachtsfälle oft nicht melden würden. Der marktwirtschaftlich fundierte Grund: »Wenn sie das tun, dann riskieren sie, dass sie den Patienten verlieren, weil der dann woandershin verlegt wird. Und das bedeutet für sie einen finanziellen Verlust.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.08.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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