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Ebola-Epidemie in DR Kongo

Was muss getan werden, um das Virus zu besiegen?

DR Kongo: Zur Ebola-Epidemie kommen noch die Kämpfe der Milizen und die akute Hungersnot hinzu, erklärt Daniel Kalalizi

Foto: Stringer/Anadolu Agency/imago
Unter größter Gefahr nicht nur durch die Seuche selbst kämpft Sanitätspersonal in der DR Kongo gegen Ebola (Goma, 2.6.2026)

Die Zahl der bestätigten Ebola-Fälle in der Demokratischen Republik Kongo liegt laut WHO-Angaben vom Sonnabend bei 452 Infektionen, darunter 82 Todesfälle. In Uganda gibt es demnach 19 bestätigte Fälle, zwei Infizierte starben dort. Der aktuelle Ausbruch wird durch die Virusvariante Bundibugyo verursacht, gegen die es bislang keine Behandlung und keinen zugelassenen Impfstoff gibt. Wie wirkt sich die Epidemie auf den Alltag der Menschen in der ostkongolesischen Region Kivu aus?

Das Ebola-Virus ist ein Krieg, der zu dem anderen Krieg, in dem wir uns befinden, hinzukommt. Durch das Auftreten dieses Virus werden die Menschen nun daran gehindert, wichtige Orte wie Schulen oder Märkte aufzusuchen. Aufgrund der Präventivmaßnahmen, die Ärzte und Behörden verordnet haben, ist es für uns hier in Süd-Kivu derzeit sehr schwierig, nach Nord-Kivu zu gelangen. Abgesehen davon verschärft die Kombination aus Krieg und Virus die Lage ungemein. Die Menschen sind auf der Suche nach Möglichkeiten, sich zu schützen, aber wie soll man sich schützen und woher die notwendigen Hilfsmittel bekommen? Die Grenzen sind geschlossen.

Wir Kongolesen haben derzeit keine Möglichkeit, ins Ausland zu reisen. Ein weiteres Problem ist, dass in unseren östlichen Nachbarländern – Uganda und Ruanda – viele kongolesische Studierende und Hochschulbeschäftigte gestrandet sind. Sie hatten den Kongo verlassen, um dort zu unterrichten und zu lernen. Umgekehrt gilt das Gleiche für Bürger aus Uganda und Ruanda. Unser aller Leben war auch vorher nicht gerade einfach wegen des Krieges. Doch nun verschlimmert sich die Lage wegen des Ausbruchs des Virus, das hier im Osten als zweiter Krieg angesehen wird, von Tag zu Tag.

Trotz aller Bemühungen, einen Waffenstillstand zu erreichen, gibt es um die Minen in der Region praktisch täglich bewaffnete Auseinandersetzungen. Wie beeinflussen sich diese beiden Krisen?

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Die Krise durch das Virus sowie die durch den Krieg zwischen der kongolesischen Armee und den von Ruanda finanzierten Milizen ADF und »M 23« verstärken sich gegenseitig. So gibt es aufgrund logistischer Probleme oftmals überhaupt keine oder nur eine unangemessene Versorgung humanitärer Notfälle. Vor allem gibt es in unserer Region keinen Flugverkehr. In einem Land von der Größe des Kongo wären wir für eine schnelle Bekämpfung der Epidemie darauf angewiesen. Ein weiterer Punkt hängt mit den sozialen Aktivitäten der Menschen zusammen. Jeder kämpft hier gerade ums Überleben. Dies wird Menschen dazu bringen, alles Erdenkliche zu tun, um ihr Überleben zu sichern, auch wenn das bedeutet, das Leben anderer Menschen zu beeinträchtigen. Stellen Sie sich vor: Es herrscht Krieg, und das Virus ist da. Wie sollen die Menschen da überleben?

Was müsste getan werden, um Ansteckungsketten zu stoppen und das Virus zu besiegen? Gibt es Erfahrungen aus früheren Ebola-Epidemien, die helfen können?

Vor allem sollte man die Jagd vermeiden. Das Virus überträgt sich von infizierten Tieren auf den Menschen. Die Jagd oder auch nur der Kontakt zu Tieren, die im Wald leben oder vielleicht in die örtliche Gemeinde kommen, stellen das größte Risiko dar. Diese Tiere zu berühren, zu töten oder sie zu essen, ist gefährlich. Doch dies der Bevölkerung zu kommunizieren, wird allein nicht reichen. Neben dem Krieg befinden wir uns in einer sich verschärfenden Hungersnot. Die lokale Bevölkerung hungert. Wir glauben durchaus, dass es möglich ist, hungrige Menschen von der Jagd abzuhalten. Aber wie sollen sie sonst Nahrung finden? Hinzu kommt, dass die Ärzte derzeit keine ausreichende Unterstützung vom Staat erfahren, was dazu führt, dass wir in der medizinischen Versorgung und in anderen Bereichen nicht viel Spielraum haben. Viele Ärzte sterben außerdem, weil Schutzausrüstung fehlt.

Sind die humanitären Maßnahmen ausreichend, um die Lage der Menschen vor Ort wirklich zu verbessern?

Damit die Hungersnot enden kann, muss die Ausbeutung durch internationale Konzerne in der Region enden. Wir haben erst vor kurzem eine globale Aktionswoche anlässlich des Afrika-Vuka (Tag der afrikanischen Befreiung, jW) gestartet. Dabei haben wir Druck auf Total Energy ausgeübt. Die treiben Aktivitäten der East African Crude Oil Pipeline nach Uganda und Tansania voran. Die Ölförderung beeinträchtigt schon heute das Leben der lokalen Gemeinschaften. Unsere Aktionen richten sich auch gegen das Schweizer Bergbauunternehmen Glencore, das hier seit 2007 Kupfer und Kobalt abbaut. Sie leiten Chemikalien, die zur Reinigung der geförderten Mineralien verwendet werden, ins Wasser. Die lokale Bevölkerung, die ohnehin schon arm und von diesem Wasser abhängig ist, erkrankt an den Chemikalien.

Daniel Kalalizi ist Physiker und Mitbegründer von »Act for Tomorrow«. Die von jungen Menschen angeführte Organisation setzt sich für Umwelt- und Menschenrechte ein und arbeitet mit marginalisierten Kindern in der ostkongolesischen Region Kivu

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.06.2026, Seite 2, Ausland

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