ASML erneut unter US-Druck
Von Luca von Ludwig
Es ist Segen und Fluch zugleich, die Vorreiterrolle auf einem Feld innezuhaben – insbesondere bei der Hochtechnologie. ASML, der aus den Niederlanden stammende Weltmarktführer für Anlagen zur Herstellung von Computerprozessoren, findet sich erneut im Fokus des US-Sanktionsregimes. Washington will weiter in die Geschäfte des Unternehmens, vor allem jene mit der Volksrepublik China, eingreifen. Abgeordnete beider Parteienlager der Vereinigten Staaten brachten Ende vergangener Woche einen entsprechenden gemeinsamen Gesetzentwurf im Kongress vor.
Der auf den Namen »MATCH« (Multilateral Alignment of Technology Controls on Hardware, zu deutsch etwa multilaterale Angleichung von Hardware-Technologiekontrollen) getaufte Vorschlag zielt darauf ab, die »Partner« der USA bei den Exportbeschränkungen im Bereich der Halbleiterbranche auf Linie zu bringen. Die US-Alliierten würden nicht genügend tun, um den Ausbau inländischer chinesischer Kapazitäten bei der Chipproduktion zu behindern, bemängelte der bei dem Entwurf federführende republikanische Kongressabgeordnete Michael Baumgartner. Die Vereinigten Staaten könnten sich »keine Hintertüren leisten, die es der chinesischen Kommunistischen Partei erlauben, die Werkzeuge zu erlangen, die sie für einen Vorsprung in der Halbleiterfertigung braucht«, ließ er sich in der zugehörigen Pressemitteilung zitieren.
Sollte das vorgeschlagene Gesetz wirksam werden, würde den US-»Partnern« eine Frist von 150 Tagen gesetzt, um bei ihren jeweiligen Exportrestriktionen im Sinne Washingtons nachzubessern. Andernfalls drohen Strafmaßnahmen.
Über eine Verschärfung der bestehenden Handelsbeschränkungen hinaus sollen auch neue Technologien der Sanktionsliste hinzugefügt werden. Dabei haben es die US-Abgeordneten auf sogenannte DUV-Lithographiemaschinen abgesehen. DUV steht für »deep ultraviolet« und meint ultraviolettes Licht bestimmter Wellenlängen. Moderne Computerkomponenten werden gewissermaßen gedruckt, wobei die DUV-Anlagen keineswegs den neuesten Stand der Technik präsentieren. Mit ihr werden zum Beispiel Speicherchips für Alltagstechnologien wie Laptops und Smartphones, nicht aber neueste Hochleistungsprozessoren, angefertigt.
Gerade darum hat es der »MATCH«-Act aber in sich. Sein Inkrafttreten würde den Handelskrieg zwischen Washington und Beijing weiter auf vergleichsweise einfache Technologien ausdehnen. Auch die Wartung und Instandhaltung der verkauften Maschinen würde de facto kriminalisiert. Hersteller wie der Weltmarktführer ASML müssten also nicht nur auf potentielle Absatzmärkte verzichten, sondern wären auch gezwungen, bestehende Verträge aufzukündigen oder zu brechen – mit den entsprechenden Schäden für zukünftige Handelsbeziehungen. Zuletzt machte der Verkauf von DUV-Maschinen an chinesische Konzerne etwa fünf Prozent der Gesamtverkäufe von ASML aus, wie der US-Wirtschaftssender CNBC berichtete. Am Dienstag stürzten die Aktienbewertungen des Unternehmens im Lichte des US-Vorhabens kurzzeitig um mehr als vier Prozent ab.
Der Technologie- und Handelskrieg zwischen den USA und China hat sich im vergangenen Jahr erheblich zugespitzt. China verfügt nahezu über ein Monopol bei der Aufbereitung der für die Halbleiterproduktion benötigten seltenen Erden, während westliche Konzerne bislang die Vorreiterposition bei der Leistungsfähigkeit der Computerchips haben. Die USA versuchen zunehmend, die eigenständige chinesische Entwicklung auf diesem Feld durch Unterbindung von Technologietransfers und Handelsbeziehungen zu behindern.
Auch aus China stammende und in den USA lebende Wissenschaftler geraten immer wieder ins staatliche Fadenkreuz. Zuletzt warf der Tod des Halbleiterforschers Wang Danhao an der Universität von Michigan Fragen auf: Wie die South China Morning Post am Dienstag berichtete, starb Wang im März nach US-Behördenangaben durch Selbstmord – kurz nachdem er wegen seiner Verbindungen in die Volksrepublik von US-Bundesermittlern befragt und ihm die geplante Heimkehr untersagt wurde. Bereits 2024 nahm sich eine chinesischstämmige Neurobiologin unter ähnlichen Umständen in den USA das Leben.
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