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Herr des Fußballs

Infantino will WM teilprivatisieren

Foto: REUTERS/Lee Smith

Kaum ist die WM vorbei, bricht FIFA-Präsident Gianni Infantino schon das nächste Tabu. Kein Wunder, konnte der vermeintliche Herr des Fußballs beim skandalsatten Turnier doch bereits politischen Freunden zuliebe rote Karten zurücknehmen lassen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Seine neueste Idee: Private Investoren sollen mit ins Boot geholt werden, um die kommenden Weltmeisterschaften zu vermarkten. Ein bemerkenswerter Zug für eine Organisation, die in der Schweiz als gemeinnütziger Verein registriert ist. Man folgt offenbar einer alten Lüge, die der Neoliberalismus wieder populär gemacht hat: Was für die Reichen gut ist, ist für alle gut.

Damit das alles funktionieren kann, will die FIFA eine Tochtergesellschaft gründen, für die es offenbar schon einen schicken Namen gibt: FIFA Forward Enterprise (FFE). An der dürfen dann die Investoren teilhaben und die Zukunft des Fußballs mitbestimmen, ohne die geringste Ahnung von ihm zu haben. Das gilt freilich auch für Infantino, insofern ist auch das nichts Neues.

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Neu ist allerdings, dass Infantino dank dieses Konstrukts dem wahrscheinlichen Ende seiner Amtszeit als FIFA-Präsident 2031 auch weiterhin Herr des Fußballs bleiben kann. Schließlich braucht eine Tochtergesellschaft einen Geschäftsführer. Heißester Kandidat? Gianni Infantino. Eine Marionette als FIFA-Präsident wird sich bis 2031 finden lassen, in dieser Rolle sind Sportfunktionäre geübt.

Infantino, der Fuchs aus dem ­Wallis. Wer selbst eine Begrenzung der Amtszeit des Präsidenten einführt, um sich von seinem korrupten Vorgänger zu distanzieren, findet auch Wege, diese zu umgehen – und dabei noch Geld zu machen. Laut der Financial Times soll das Trump/Kushner-Imperium zu den interessierten FFE-Investoren gehören. Wer hätte es gedacht?

Der europäische Dachverband UEFA gibt sich derweil als moralische Instanz des Weltfußballs, spricht von einer »Grenzüberschreitung« und davon, dass »die Seele des Fußballs keine Handelsware« sei. Schöne Worte, doch wert sind sie nichts. Auch die UEFA hängt letztlich am Tropf Infantinos. Sie protestiert nur, weil sie eigene ökonomische Interessen durchsetzen will. Infantino kontert geschickt und erklärt seine Privatisierungspläne zur »Demokratisierung des Fußballs«. Schließlich wird er noch mehr Gelder verteilen können, um sich in der FIFA Mehrheiten zu sichern. Der Alptraum wird immer schlimmer.

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Erschienen in der Ausgabe vom 30.07.2026, Seite 1, Ansichten

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→ Leserbriefe
  • Roland Weinert aus 65366 Geisenheim 29. Juli 2026 um 20:31 Uhr
    Fußballperversionen: Der Blatter Sepp war schon ekelhaftest. Nun dieser Infantilo! Da kann ich nur lapidar sagen: Leute, Fans usw. boykottiert den Fußball, wo immer ihr ihn antrefft! Der DFB könnte ein Zeichen setzen und überall austreten. Dann wäre Gelegenheit für einen fundamentalen Neubeginn. Ich weiß, ein frommer, vergeblicher, törichter Wunsch.
    • Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 30. Juli 2026 um 10:46 Uhr
      Es zeigt sich immer deutlicher, was schon lange zu beobachten ist: Der Fußball ist ein Geschäft, bei dem man die Fans mit Sport an der Nase herumführt, um sie auszunehmen bis aufs Hemd. Daran ist nicht Infantino schuld, er ist nur die Marionette eines Kapitals, das Fußballbegeisterung als gute Möglichkeit entdeckt hat, aus ihr Profit zu ziehen. Kapital braucht eben Verwertung. Und so lange die Fans zwar protestieren, aber weiter mitmachen, läuft das Ganze weiter wie geschmiert.
  • Frank Lukaszewski aus Oberhausen 29. Juli 2026 um 19:47 Uhr
    Infantilo und Trumpel: Wohin geht der Pokal? Streit geht weiter!
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