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Fußball

Ein bisschen wie früher

Der alte Geist des Europapokals: Eine Liebeserklärung an die Qualifikationsrunden der europäischen Fußballwettbewerbe

Foto: Mikko Stig/Lehtikuva/imago
Hand aufs Herz: Was gibt es Geileres als HJK Helsinki gegen NSÍ Runavík?

Es stimmt. Nicht alles war früher besser. Aber manchmal darf man sich trotzdem ungeniert der Nostalgie hingeben. Zum Beispiel, wenn es um den Fußball-Europapokal geht. Dieser war in meiner Kindheit in den 1980er Jahren viel mehr als bloßer Sportwettbewerb. Nichts motivierte mich in gleichem Maße, europäische Landkarten zu studieren. Schließlich musste ich Orte finden, von denen ich noch nie etwas gehört hatte: Aberdeen, Malmö, Craiova, Tbilissi und viele andere.

Im Finale des Europacups der Landesmeister standen Vereine wie Steaua Bukarest und Roter Stern Belgrad. Im Finale des Europacups der Pokalsieger Rapid Wien, KV Mechelen oder – tatsächlich – Carl Zeiss Jena und der 1. FC Lokomotive Leipzig. Nur im UEFA-Cup gab es bereits einen Hauch der heutigen Tristesse, als 1980 vier Bundesligisten die Halbfinalspiele unter sich ausmachten: Eintracht Frankfurt kegelte den FC Bayern raus, während sich Gladbach gegen den VfB Stuttgart durchsetzte. Im Finale gewannen dann die Frankfurter dank der damals noch geltenden Auswärtstorregel.

Heute ist in der Endphase der Europapokal-Wettbewerbe von derartiger Vielfalt keine Spur. Selbst in der Europa League und der Conference League verirren sich kaum Vereine ins Finale, die nicht den fünf europäischen Topligen angehören (England, Italien, Spanien, Deutschland, Frankreich). Von der Champions League ganz zu schweigen. Dort geschah das zuletzt 2004, als der FC Porto unter einem gewissen José Mourinho als Trainer den Titel gewann.

Doch ganz ist der alte Geist des Europapokals noch nicht verschwunden. Er lebt weiter in der Qualifikationsphase für die Wettbewerbe, die in den Sommermonaten auf dem Spielplan stehen. Vereine aus den großen Fußballländern müssen kaum ran, weswegen den Qualifikationsrunden in Deutschland kaum jemand Aufmerksamkeit schenkt. Das ist schade. Schließlich ist es die einzige Möglichkeit, Vereine aus Andorra, San Marino oder der Republik Moldau auf dem internationalen Parkett zu beobachten. Gespielt wird oft an Orten, die an Schulsportplätze erinnern. An der einzigen Tribüne angebracht fangen die Fernsehkameras nichts anderes ein als Maschendrahtzäune, Ballkinder und Grashügel. Gespielt wird großteils auf Kunstrasen, der roten Erde des 21. Jahrhunderts. Man hört jede Anweisung des Trainerteams, jedes frustrierte Schimpfen über einen Pass, der schon wieder nicht ankam.

Vereine wie Lincoln Red Imps FC aus Gibraltar oder KÍ Klaksvík von den Färöern haben sich schon für die Gruppenphase der Conference League qualifiziert. Andere sorgten für große Überraschungen: 2023 warf der FC Vaduz aus Liechtenstein den ehemaligen Europapokal-Finalisten Rapid Wien aus dem Wettbewerb. In diesem Jahr steht der zweimalige UEFA-Cup-Sieger IFK Göteborg nach einer 1:2-Heimpleite gegen Levadia Tallinn aus Estland vor dem Aus.

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Ganz großes Kino gab es in der ersten Runde der Qualifikation zur Conference League im Vorjahr: HJK Helsinki machte gegen NSÍ Runavík aus Island im Rückspiel ein 0:4 wett und stieg mit einem Gesamtscore von 5:4 auf. Quasi ein Wunder von der Grotenburg im hohen Norden. In der zweiten Runde war für HJK im Elfmeterschießen gegen den FC Arda aus Bulgarien Endstation.

Es tauchen große Namen in der Qualifikation zur Conference League auf: Neben dem IFK Göteborg sind das in diesem Jahr Ajax Amsterdam oder der FC Kopenhagen. Die schönsten Namen haben freilich die Vereine aus Wales: Im Vorjahr durfte Haverfordwest County neben den Dauerbrennern New Saints ran, in diesem Jahr waren es die Connah‘s Quay Nomads, die allerdings gleich in der ersten Runde gegen Ballkani aus dem Kosovo mit 2:3 den Kürzeren zogen.

Reizvoll für Linke sind die Teilnehmer aus Irland: Die Bohemians aus Dublin gehören zu 100 Prozent ihren Fans, und Derry City darf, obwohl in Nord-irland gelegen, aufgrund der republikanisch orientierten Einwohner der Stadt im irischen Ligasystem spielen und dieses auch repräsentieren.

Weitere Teams von politischem Interesse: GAIS aus Göteborg, mit einer Tradition linksgerichteter Hools, und Beitar Jerusalem, berühmt-berüchtigt für seine rechte Anhängerschaft.

Wer eine Stufe höher will, in die Europa League, bekommt in der Qualifikation Traditionsvereine wie die Glasgow Rangers, Dynamo Kiew oder Beşiktaş Istanbul mit Alexander Nübel im Tor zu sehen – neben dem Pafos FC aus Zypern oder dem FC St. Gallen.

Die Qualifikationsphase, die das Fußballherz höher schlagen lässt, läuft bis zum 13. August. Dann heißt es wieder ein Jahr warten. Wer unbedingt will, kann sich bis dahin ansehen, wie die Großen die Preise unter sich ausmachen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.07.2026, Seite 16, Sport

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