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Waffenmesse

Kriegssalon Eurosatory

Vier Tage Rüstungsmesse in Paris. Deutsche und israelische Kriegswaffenhersteller präsentieren sich. Örtliche Gruppen protestieren

Foto: Artur Widak/NurPhoto/IMAGO
Rüstungsmanager mit Durchblick: Die Eurosatory-Messe stellt auch in diesem Jahr Mordwerkzeug aus

Die Rüstungsmesse Eurosatory öffnet auf dem Messegelände von Villepinte ihre Türen. Die Messe findet ab diesem Montag im nördlichen Pariser Umland statt. Gleichzeitig zu ihrer Eröffnung soll um neun Uhr morgens am unweit gelegenen Nahverkehrsbahnhof eine Protestdemonstration stattfinden. Die Rüstungsmesse selbst erwartet in diesem Jahr einen absoluten Teilnehmerrekord. Mit Ausnahme von Journalisten sind nur professionelle Betriebsangehörige von Firmen zugelassen, die im so genannten Verteidigungsbereich und Sicherheitssektor tätig sind.

Die Demonstration wird unter anderem durch die feministische Gruppe »Nous Toutes«, durch die palästinasolidarische BDS-Kampagne und die »Französische jüdische Union für den Frieden« – eine linkspazifistische jüdische Struktur für einen binationalen Staat im Nahen Osten, sowie die »Panafrikanische Liga Umoja« unterstützt. Gemeinsam mit weiteren Organisationen hatten sie zu einem Wochenende der Mobilisierung gegen Eurosatory als »Salon des Krieges und der Unterdrückung der Völker« aufgerufen.

Zu der Kampagne gegen die Waffenshow zählte eine Demonstration am Freitag in Paris, die sich gegen den neuen Asylpakt der Europäischen Union richtete. Denn die Überwachung und Kontrolle der Grenzen zählt neben Drohnentechnologie und dem militärischen Einsatz sogenannter künstlicher Intelligenz (KI) zu den wichtigsten Themen der diesjährigen Eurosatory-Ausgabe. Auch inländische Kriseneinsätze werden dort thematisiert: Neben der französischen Armee halten auch die Eliteeinheiten von Polizei und Gendarmerie – RAID, BRI und GIGN, ungefähr vergleichbar mit der GSG9 der deutschen Bundespolizei, Publikumsvorführungen ab.

In diesem Jahr werden 2.600 Aussteller erwartet. Es handelt sich um den nun dritten Zuwachs nach insgesamt 1.800 Ausstellern im Jahr 2022 und 2.000 Ausstellern im Jahr 2024. Auch die Besucherzahlen dürften in diesem Jahr wieder höher ausfallen. Waren es 2024 noch insgesamt 43.000, werden zur aktuellen Ausgabe 5.000 bis 6.000 mehr erwartet. Aufgrund des Andrangs wurde das genutzte Gelände um eine neue Halle von 20.000 Quadratmetern Nutzfläche erweitert. Auf 185.000 Quadratmetern breiten sich die Stände nun aus.

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Als Stargast wurden von französischer Seite die ukrainischen Unternehmen präsentiert, ihre Anzahl bei Eurosatory wuchs von zehn im Jahr 2024 auf nunmehr achtzig. Hauptgrund dafür ist ihre im Krieg mit Russland gewonnene Expertise bei der Drohnenentwicklung sowie beim Einsatz von KI in unbemannten Flugapparaten. Auch der deutsche Branchenprimus Rheinmetall wird mit einem Stand vertreten sein, ebenso wie die Drohnenproduzenten Helsing und Quantum Sytems.

Verschämter wird die Präsenz Israels behandelt. Neben mehreren Angriffskriegen unterhält der Staat aktuell einen hochentwickelten Rüstungssektor. Seit den jüngsten Attacken auf den Libanon rückte die französische Politik – Frankreich verfügt durch sein Protektoratsmandat der Jahre 1920 bis 1943 im Libanon weiterhin über einen gewissen Einfluss – vordergründig vom israelischen Aggressor ab. Offiziell soll Israel nicht in Erscheinung treten und wird daher keinen Länderstand aufstellen. »Eine schändliche Entscheidung«, befand die israelische Regierung dazu. Die französische Wirtschaftstageszeitung Les Echos bezeichnete die Messe daher als »Schlachtfeld« zwischen Paris und Tel Aviv.

Mit Toten und Verletzten ist in Villepinte nicht zu rechnen; das besorgen die dort ausgestellten Produkte anderswo auf der Welt. 29 israelische Rüstungsfirmen sollen zu den führenden Ausstellern zählen, etwa wird Esh-Tech Systems dort eine ab Oktober 2026 verfügbare Anti-Drohnen-Laserkanone vorstellen. »Keine Offensivwaffen« sollten von israelischer Seite vorgestellt werden, verfügten die Messeleitung und das französische Armeeministerium dazu, willkommen dagegen seien »Raketenabwehr- und Luftabwehr«-Waffensysteme.

Nun dürfte die Unterscheidung zwischen Offensiv- und Defensivwaffen in der Praxis schwierig ausfallen. »Wenn ein Aussteller auch Raketenproduzent ist, kann er es nicht zeigen«, erklärte Messeleiter Charles Beaudoin dazu der französischen Nachrichtenagentur AFP. Einschlägige Verträge auf seinem Stand abschließen wird er hingegen auch offiziell dürfen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.06.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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