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Warnschüsse aus Teheran
USA bombardieren erneut Klinik für Kinder. Iran könnte Wasserversorgung der arabischen Golfstaaten zerstören
Sechs Nächte in Folge hat das US-Militär bis zum Wochenende Ziele in Iran bombardiert, auch in der Nacht auf Freitag mit einer neuerlichen Angriffswelle, über deren genaue Ziele die USA keine Auskunft gaben. Binnen weniger Stunden meldeten Irans Revolutionsgarden eine Vergeltungsoperation. Nach eigenen Angaben zerstörten sie Radaranlagen und Aufklärungsflugzeuge auf einem US-Stützpunkt in Bahrain, trafen ein Luftabwehrsystem und ein Waffenlager in Kuwait, griffen einen Stützpunkt im omanischen Ghanim sowie ein Kommandozentrum im syrischen Al-Tanf an.
Auch in Katar, wo die USA einen ihrer wichtigsten Militärstützpunkte in der Region unterhalten, schlugen iranische Geschosse ein. Unklar bleibt allerdings, welchen Schaden die Angriffe tatsächlich anrichteten. Die USA hatten mehrere Wochen Zeit, Personal, Flugzeuge und Logistik aus besonders gefährdeten Golfbasen zu verlagern. Doha bemühte sich zugleich, jeden Eindruck einer eigenen Kriegsbeteiligung zu zerstreuen. Berichte israelischer Medien, wonach Katar US-Angriffen auf Iran zugestimmt habe, wies das Emirat zurück. Die Revolutionsgarden begründeten ihren Angriff auf den Stützpunkt dagegen mit US-Schlägen gegen zivile Infrastruktur, darunter Kommunikationsanlagen und Bahnstrecken im Süden Irans.
Wie weit sich der Krieg ausweiten könnte, deutete Teheran zugleich als Drohung an: Sollte Washington Kraftwerke in dem Land ins Visier nehmen, könnte Iran die mit ihm verbündeten Ansarollah in Jemen dazu bewegen, mit der Meerenge Bab Al-Mandab ein zweites Nadelöhr des globalen Handels zu sperren. Bislang ist es bei der Ankündigung geblieben. Die US-Angriffe nähern sich jedoch zunehmend jener Schwelle, bei deren Überschreiten Teheran eine Ausweitung des Krieges angekündigt hat. Schon jetzt treffen US-Attacken wiederholt zivile oder dual nutzbare Infrastruktur. Mehrere Brücken in der Provinz Hormozgan, eine Bahnstation bei Bandar Abbas sowie der Flughafen von Iranshahr wurden in den vergangenen Tagen getroffen, das Energieministerium meldete Schäden an Stromleitungen rund um Bandar Abbas.
In der südwestiranischen Stadt Ahvaz mussten nach einem US-Angriff 211 krebskranke Kinder aus einer Spezialklinik evakuiert werden, ein Teil von ihnen an Sauerstoffgeräte oder Infusionen gebunden. Selbst getroffen wurde das Gebäude nicht. Doch die Wucht der Explosion in der Nähe reichte aus, um die sofortige Räumung nötig zu machen. Das US-Zentralkommando spricht in seinen Mitteilungen dennoch davon, dass lediglich »militärische Logistikinfrastruktur« beschossen werde.
Aus Europa ist dazu bislang wenig zu hören. EU-Ratspräsident António Costa hatte Washingtons Drohung, zivile iranische Infrastruktur zu zerstören, im April als »illegal und inakzeptabel« bezeichnet, zugleich aber Iran selbst die Hauptverantwortung für das Leid der Bevölkerung zugeschrieben. Seither blieb es bei allgemeiner Kritik ohne Konsequenzen – ein Oxforder Völkerrechtler sprach von »artikuliertem Schweigen«.
Sollten die USA ihren völkerrechtswidrigen Angriffskrieg ausweiten, so hätte der Iran eine ultimative Eskalationsmöglichkeit zur Verfügung. Ein iranischer Angriff traf jetzt eine kuwaitische Anlage zur Wasserentsalzung. Das zeigt den Golfstaaten eine existentielle Bedrohung auf. Denn Kuwait, Katar und Bahrain beziehen zwischen 90 und 99 Prozent ihres Trinkwassers aus Meerwasserentsalzung, Oman 86 Prozent, Saudi-Arabien 70 Prozent – aus Anlagen, die zumeist offen an der Küste liegen und kaum geschützt sind.
Iran leidet zwar selbst unter einer der schwersten Dürreperioden seiner jüngeren Geschichte, sinkenden Flusspegeln und übernutzten Grundwasserreservoirs – ist jedoch strukturell weit weniger von Entsalzung abhängig als seine Nachbarn am Golf und liegt im regionalen Wasserstressranking auf Platz vierzehn, während sämtliche Golfstaaten zu den acht am stärksten betroffenen Ländern weltweit zählen. Für sie wäre eine Eskalation ungleich riskanter als für Iran selbst.
Die Folgen des Krieges sind längst über die Region hinaus spürbar. Der Ölpreis stieg am Donnerstag um rund ein Prozent, für die Referenzsorten Brent und WTI zeichnet sich ein Wochenplus von knapp zwölf Prozent ab. In Tokio gab der Nikkei-Index am Freitag morgen um mehr als drei Prozent nach, während auch die US-Aktienfutures deutlich ins Minus rutschten. Zugleich ist der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nahezu zum Erliegen gekommen – trotz Beteuerungen der USA, die Meerenge sei offen. Supertanker und LNG-Frachter meiden die Passage, zahlreiche Schiffe warten vor der Einfahrt oder kehren um. Am Donnerstag musste selbst der Irak die Verladung von Rohöl an seinen Terminals bei Basra vorübergehend einstellen, nachdem eine Drohne einen Tanker getroffen hatte.
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