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Trump im Blindflug
Der US-Präsident behauptet, ein Abkommen mit Teheran stehe kurz bevor. Iran hatte zuvor offenbar Washingtons Radaranlagen in der Region getroffen
Er habe die geplanten Angriffe auf Iran abgesagt, erklärte US-Präsident Donald Trump am Donnerstag – eine Einigung mit Teheran stehe unmittelbar vor der Unterzeichnung, möglicherweise noch dieses Wochenende in Genf. Am Freitag veröffentlichte die iranische Nachrichtenagentur Mehr unter Berufung auf eine »Quelle aus dem Umfeld des iranischen Verhandlungsteams« Einzelheiten des 14-Punkte-Plans. Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei dementierte hingegen die Meldung sowie Trumps Ankündigung – eine Entscheidung sei nicht gefallen. »Inhaltlich ist der Text in seinen wesentlichen Teilen fast fertiggestellt. Das Problem ist, dass die widersprüchlichen Positionen der Vereinigten Staaten in diesem Prozess stets für Turbulenzen und Störungen gesorgt haben«, so Baghaei.
Seit Kriegsbeginn hat der US-Präsident laut CNN solche Ankündigungen mindestens 38mal gemacht – jedesmal folgte ein iranisches Dementi. Teherans Chefunterhändler Mohammed Ghalibaf erklärte noch am Montag, die USA seien weder an einem Waffenstillstand noch an einem Dialog interessiert – derselbe Mann, der laut Reuters das Abkommen für Iran unterzeichnen soll. Das Muster, das sich in den vergangenen 105 Kriegstagen abzeichnete, legt nahe, dass US-Ankündigungen dieser Art einer Strategie folgen, mit der vor allem Zeit gewonnen werden soll.
Noch am Dienstag schlugen US-amerikanische Präzisionsbomben in eine Trinkwasseranlage im südiranischen Dorf Bemani ein, unweit der Straße von Hormus. Mehr als 20.000 Menschen blieben ohne Wasserversorgung – bei Temperaturen über 38 Grad Celsius. Eine Satellitenbildanalyse der New York Times identifizierte die getroffenen Gebäude als Wasserspeicher, Trümmerfragmente als Teile einer US-Präzisionsgleitbombe.
Seit dem Waffenstillstand vom April hat der Konflikt eine neue Dynamik angenommen: Die USA greifen an, Iran antwortet – Runde um Runde und in Form einer kontrollierten Eskalation. Der jüngste Durchgang begann mit US-Angriffen auf mehr als 20 Ziele in Iran – Operationen, die Washington perfiderweise als Selbstverteidigung bezeichnete.
Irans Antwort fiel diesmal nicht symbolisch aus. So wurde offenbar am Donnerstag die Radaranlage auf dem Berg Dschabal Al-Dukhan in Bahrain getroffen, eines der zentralen Frühwarnsysteme der in der Region stationierten US-Streitkräfte. Darauf deuten Geolokalisierungen aus frei verfügbaren Quellen (Osint) hin – Analysten glichen Bilder der brennenden Bergkuppe mit Referenzaufnahmen des Standorts ab. Eine amtliche Bestätigung liegt nicht vor. Gegen die Muwaffak-Salti-Luftwaffenbasis im jordanischen Asrak feuerte Iran nach eigenen Angaben Langstreckenraketen. Jordanien bestätigte den Abschuss von fünf Raketen und meldete weder Schäden noch Opfer. Die Ramat-David-Luftwaffenbasis in Israel soll laut dem Korps der islamischen Revolutionsgarden (IRGC) ebenfalls getroffen worden sein – Tel Aviv erklärte dagegen, alle iranischen Raketen abgefangen zu haben. Erhebliche Materialverluste soll es unbestätigten Angaben zufolge außerdem auf der saudischen Basis Prinz Al-Salim gegeben haben – ebenso sollen F-35- und F-16-Lagereinrichtungen in der Region getroffen worden sein.
Was diese Treffer strategisch bedeuten, lässt sich an einem Detail ablesen: Eine Langstreckenradaranlage ist die sensorische Grundlage, auf der Luftverteidigung, Zielerfassung und Angriffsplanung aufbauen. Fällt sie aus, entstehen Korridore – Lücken im Lagebild, die Iran für weitere Operationen nutzen kann. Basen in Jordanien müssen jetzt als weniger sicher als zuvor gelten. Teheran hat mit vergleichsweise wenigen Mitteln präzise die sensorische Infrastruktur der US-Kriegführung geschädigt und den Preis der US-Kampagne soweit erhöht, dass Washington unter wachsendem militärischen und innenpolitischen Druck nach einem Ausweg sucht.
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