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Nahostkonflikt

Unbeständiger Waffenstillstand

Nach Einstellung ihrer Bombardements gegen den Iran versuchen sich die USA erneut in Diplomatie

Foto: Razieh Poudat/ISNA via AP/dpa
Er nimmt’s locker: Während Frachtschiffe an der Straße von Hormus bangen müssen, bleibt der Wassersportler in Aktion (Bandar Abbas, 27.7.2026)

Noch bleibt es ruhig. Nach nahezu zwei Wochen nächtlicher Aggressionen setzen die Vereinigten Staaten ihre Bombardierung Irans weiterhin aus. Eine Erklärung des Militärs blieb aus. Das US-Verteidigungsministerium bestätigte lediglich, die eigene Seeblockade gegen Iran bleibe »in vollem Umfang« bestehen. Präsident Donald Trump sprach von »guten Gesprächen« mit Teheran und stellte eine Einigung in Aussicht, drohte zugleich aber mit einer Wiederaufnahme der Angriffe, sollten die Verhandlungen scheitern.

Die Angriffspause ist erklärungsbedürftig. Eine operative Vorbereitung auf einen neuen Kriegsabschnitt bleibt weiterhin eine plausible Möglichkeit. Zugleich fällt sie mit militärischen Engpässen, sinkender Zustimmung und steigenden Kriegskosten zusammen und könnte daher auch Ausdruck wachsender Erschöpfung auf US-Seite sein.

In diesem Zusammenhang werfen die offiziellen US-Verlustzahlen Fragen auf. Iran meldet 60 Tote und rund 670 Verwundete durch US-Angriffe; die Angaben sind unabhängig nicht überprüfbar. Das Pentagon weist 18 Tote und 482 Verwundete aus, laut Associated Press (AP) liegt die tatsächliche Zahl der Verwundeten jedoch bereits über 500. Zugleich wurden US-Verluste umklassifiziert und ihre regelmäßige Veröffentlichung wurde eingestellt.

Weitere Kriegstote sind zu erwarten. Während sich die Lage zwischen Washington und Teheran beruhigt hat, meldete Saudi-Arabien am Montag die Abwehr von Drohnen iranisch unterstützter Milizen aus dem Irak, und Jemens Ansarollah (»Huthi«) erklärten, sie hätten die saudische Ost-West-Pipeline zum Ölhafen Janbu angegriffen. Der Krieg pausiert an seinem Ursprung – und weitete sich an seinen Rändern zugleich aus.

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Die Waffenpause zwischen den USA und Iran ändert nichts am eigentlichen Streitpunkt. Ausgangspunkt der jüngsten Eskalation war der Versuch der USA, eine von Washington favorisierte Schiffahrtroute nahe der omanischen Küste militärisch durchzusetzen. Iran beschoss Schiffe, die diese Passage nutzten, und besteht darauf, dass der Transit statt dessen durch einen Korridor näher an der eigenen Küste erfolgen müsse – eine Route, die Teheran kontrolliert und für die es künftig Gebühren erheben will.

Aus iranischer Sicht bedrohen US-Streitkräfte Schiffe und Öltanker in iranischen Hoheitsgewässern und errichten faktisch eine illegale Seeblockade. Die USA beanspruchen dagegen, rund 11.000 Kilometer von ihrer eigenen Küste entfernt, freie Durchfahrt durch fremde Gewässer zu ihren Bedingungen. Iran leitet aus seiner Lage als unmittelbarer Anrainer ein Aufsichts- und Kontrollrecht über den Transit ab.

Einen möglichen Ausweg aus der von Washington militärisch herbeigeführten Eskalation hat vergangene Woche Oman vorgeschlagen. Nach dem Vorbild der Straße von Malakka soll ein regionaler Mechanismus mit freiwilligen Nutzergebühren Navigation, Umweltschutz sowie Such- und Rettungsdienste finanzieren – ausdrücklich ohne alleinige Kontrolle Irans, wie eine Quelle aus den Golfstaaten gegenüber Reuters mitteilte. Der Vorschlag genießt regionale Unterstützung; ob Teheran ihn annimmt, ist offen. Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi wies bei den sogenannten Oman-Verhandlungen jedoch die Forderung zurück, die südliche Passage dauerhaft zu US-Bedingungen offenzuhalten.

Die Waffen schweigen vorerst. Der koloniale Kern des Konflikts bleibt jedoch bestehen: Washington beansprucht, die Ordnung einer Meerenge zwischen Iran und Oman festzulegen und diesen Anspruch militärisch durchzusetzen. Solange die USA an diesem imperialen Kontrollanspruch festhalten, ist die nächste Eskalation nur vertagt.

Die Aussicht auf ein vorläufiges Ende der US-Angriffe ließ die Risikoprämie auf Rohöl abrupt einbrechen. Brent, die für den Weltmarkt wichtigste Sorte, verlor 9,31 Prozent und fiel auf 87,77 US-Dollar je Barrel, während das aus den USA stammende WTI um 8,21 Prozent auf 81,98 US-Dollar sank.

Die Märkte bewerten die beiden Engpässe offenbar sehr unterschiedlich. Während jede Veränderung in der Straße von Hormus unmittelbar auf die Ölpreise durchschlägt, blieb der starke Rückgang der Transporte durch das Rote Meer weitgehend folgenlos. Dort sanken die Verschiffungen binnen einer Woche um mehr als drei Millionen Barrel täglich. Selbst die Angriffe der Ansarollah auf Janbu, den westlichen Endpunkt der saudischen Ost-West-Pipeline, änderten daran bislang wenig. Damit gerät ausgerechnet jene Route unter Druck, über die Riad Hormus umgehen und Öl durch den Suezkanal exportieren kann. Die Preisbildung folgt weniger den tatsächlichen Ausfällen als der strategischen Bedeutung: Hormus gilt als systemisches Risiko, das Rote Meer als beherrschbare Störung.

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.07.2026, Seite 7, Ausland

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