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Ausverkauf bei VW

»Iron Dome« statt T-Roc

Trotz Katar-Einspruch: Niedersachsen hilft israelischem Rüstungskonzern, VW-Werk Osnabrück zu kaufen

Foto: Amir Cohen/REUTERS
Kuppel nicht mehr ganz dicht: Rakete des »Iron Dome« zerfällt über Libanon

Die Krise des Autobauers Volkswagen hat zahlreiche Facetten. Eine davon ist die geplante Schließung ganzer Produktionsstätten. Am Standort Osnabrück ist eine davon. Hier werden aktuell Cabriolets der VW-Modellreihe T-Roc gefertigt. Allerdings läuft die Produktion im Sommer 2027 aus – ein Teil des vom Konzernvorstand vorgesehenen Schrumpfungsprozesses. Widerstand und Arbeitslosigkeit drohen.

Die Kapitalseite bei VW weiß, Belegschaft und Gewerkschaft müssen beruhigt werden. Deshalb sucht man Interessenten für die in Rede stehenden Betriebe Zwickau, Emden, Neckarsulm und Osnabrück. Für letztere stand bereits im Frühjahr ein möglicher Käufer bereit: der israelische Rüstungskonzern Rafael und dessen deutsche Tochter Dynamit Nobel Defence. Doch dann sorgte einer der drei VW-Hauptaktionäre für Verunsicherung.

Das Scheichtum Katar – vernachlässigbar in allen Belangen außer Finanzkraft, Förderressourcen von Erdgas und cleveren Politikern – hatte Bedenken gegen den Verkauf geäußert. Katar und Israel betrachten den jeweils anderen als Feind. Zwar spielt das Scheichtum, das seine Existenz vor allem mit einem riesigen US-Militärstützpunkt absichert, eine Vermittlerrolle zwischen Israel und Hamas. Dem »Abrahams-Accords« genannten Abkommen, das auf US-Druck die Beziehungen zwischen Israel einerseits und den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Sudan und Marokko andererseits »normalisiert« hatte, blieb Katar aber bislang fern.

Die Volkswagen AG wird finanziell von dem Familienclan Porsche-Piëch (über 50 Prozent Unternehmensanteile), dem Land Niedersachsen (circa 20 Prozent) und dem katarischen Investmentfonds QIA (17 Prozent) beherrscht. Bei Querelen kommt der SPD-geführten Regierung in Hannover eine Schlüsselrolle zu. Die Partei, die sich nach aktuellen Umfragen auf zwölf Prozent der Wählerstimmen stützen kann, ist seit Jahrzehnten nicht nur eng mit der IG Metall verbandelt, sondern thront auch dank Aktienpaket und Vetorecht auf den Sesseln der Kapitalseite. So gesehen ist die Umwidmung des Werkes, in dem unter dem Vorbesitzer Karmann bis 1976 der »Volkssportwagen« »Ghia« gebaut wurde, folgerichtig.

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Krieg und Aufrüstung sind derzeit politische Kernthemen der Sozialdemokraten. Angeführt von »Kriegstüchtigkeit«-Minister Boris Pistorius. Der laut Mainstream beliebteste BRD-Politiker zählt neben seinem Kanzler von der Union und ein paar (Oliv-)Grünen zu den eifrigsten Beschwörern der Konfrontation mit Russland. Und weil das BRD-Militär zwar auf viele Generäle und einen »knallharten« Minister verweisen kann, fehlen jede Menge Soldaten, Drohnen, Schiffe, Granaten und vor allem eine Verteidigung gegen die laut Regierungspropaganda spätestens ab 2029 anfliegenden russischen »Oreschnik«-­Raketen.

Rafael baut Abwehrsysteme gegen Flugkörper und -geschosse. Als Paradebeispiel gilt der »Iron Dome«. Israels Raketenabwehrsystem hat jahrelang die meisten »Kassam«-Raketen der Hamas abgefangen. Zuletzt zeigte das System während des Beschusses aus dem Iran einige Schwachstellen. Ein Resultat davon ist die Störung der Produktionsabläufe in Israel, seitdem das Land mit den USA Teheran bekriegt. Osnabrück wäre deshalb ein sicherer Hafen für Rafael – und aus Sicht der Bundesregierung eine Quelle für eine schöne Raketenabwehr über Reichstag, Kanzleramt und diversen Bunkerstandorten.

Am Donnerstag und Freitag berichtete die Nachrichtenagentur Reuters über eine geplante Lösung des Streitfalls mit Katar: Niedersachsen werde sich auf jeden Fall engagieren, aber es sei zu früh, um zu sagen, wie das aussehen könnte, sagten ‌»zwei mit den Planungen vertraute Personen« der Nachrichtenagentur. Man sei optimistisch, dass der Einstieg von ‌Rafael gelingen werde. Dazu würden verschiedene Modelle geprüft. Ob die aktuelle Belegschaft dort Chancen auf einen Job hat, bleibt unerwähnt.

Die moralische Auslegung des Ganzen kann verschieden interpretiert werden. Aber eine Parallele drängt sich auf: 1936 verordnete die damalige NSDAP-Regierung dem Volk »Kanonen statt Butter«. Heute buchstabieren SPD und Grüne in Niedersachsen diesen Propagandaspruch des einstigen Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß abgewandelt: »›Iron Dome‹ statt T-Roc«.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.07.2026, Seite 5, Inland

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