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Volkswagen steigt ab

Absatzkrise und Kahlschlagpläne

Foto: Jörg Sarbach/dpa
Absatz geht zurück: VW-Produktion im Werk Emden

Der VW-Konzern hat im zweiten Quartal weniger Autos verkauft. Der Absatz brach um 8,6 Prozent ein, gab das Unternehmen am Freitag bekannt. Die Meldung wirft ein Schlaglicht auf die Lage des Autobauers und des Standortes BRD. Beide schlittern weiter in eine kaum zu bremsende Krise.

Bis zu 120.000 Arbeitsplätze stünden bei dem Multi zur Disposition, schrieb Bild am Donnerstag. Zusätzlich zu bereits beschlossenen 50.000 würden bis zu 70.000 weitere Arbeitsplätze dem Rotstift zum Opfer fallen. Vier Werken in Deutschland droht die Schließung – sollten nicht irgendwelche Panzer- und Drohnen-Startups übernehmen, die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen.

Erfolge haben viele Väter. Scheitern immer nur einen – der Andere ist schuld. Als Ende der nuller Jahre Ferdinand Piech (als VW-Aufsichtsratschef) und Wolfgang Porsche (als Vertreter des Porsche-Piech-Clans) den Konzern in der Zange hatten und gut zwei Drittel der Stammaktien in Besitz nahmen (Porsche SE), fanden Bundes- und Landesregierung, Parlament und Belegschaft nichts daran auszusetzen.

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Und in der Tat: VW wuchs, setzte sich an die Spitze der Weltrangliste, und alles schien eitel Sonnenschein. Die Erben der früheren KdF-Werks-Bosse Ferdinand Porsche und Anton Piech verdienten Milliarden, Niedersachsens Etat schwoll um die Dividenden des vom Land gehaltenen Aktienpakets an, die IG Metall saß fest im Aufsichtsrat – ebenso wie der Betriebsrat. Und die Stammbeschäftigten wurden überdurchschnittlich bezahlt – im Gegensatz zu den »geliehenen« Malochern.

Doch Politiker hatte eigene Pläne. Eine »neue Generation« dieser Spezies träumte von einer Energiewende und setzte sie um. Das Resultat: Elektroenergie in der BRD ist doppelt bis dreifach so teuer wie in den Konkurrenzländern. Der Staat versprach Subventionen – obwohl er sich rasant in einen Rüstungs- und Kriegsrausch versetzte, der fast alles andere vergessen ließ. Wer also kann den Siegeszug über die Klimakatastrophe und Russland noch gefährden?

Die Antwort: Der Kapitalismus, stupid. Die eingangs zitierte Meldung ist keine Ausnahme, sondern die Regel. VW – und der Rest der BRD-Industrie – kann trotz großer Tradition, hervorragender Ingenieure und versierter Arbeiter auf dem Weltmarkt kaum noch mithalten. Und wie immer: Die Beschäftigten bekommen es zuerst zu spüren.

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.07.2026, Seite 1, Ansichten

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