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Phantomtreffen in Katar
Finte: Doha bestätigt Zusammenkunft mit iranischen Piloten. Faktisch gelten sie weiterhin als vermisst
Es ging am Wochenende durch die internationalen Medien: Iran habe die Zustimmung Katars zu einem Treffen zwischen Vertretern Teherans und in Gefangenschaft befindlichen iranischen Piloten gemeldet. Gleichzeitig wurden sofort Zweifel erhoben: Die Regierung des Fürstentums in Doha hatte von Anfang an bestritten, dass es Überlebende des Zwischenfalls gebe, der sich am 2. März ereignet hatte. Also stimmte entweder die neue iranische Meldung nicht, oder Katar müsste eingestanden haben, monatelang die Unwahrheit gesagt zu haben. Von einem solchen Bekenntnis ist aber nichts bekannt.
Die einzige Quelle der internationalen Medien war ein Artikel, den die iranische Nachrichtenagentur Tasnim am Sonnabend veröffentlicht hatte. Er trug, vom Englischen ins Deutsche übersetzt, tatsächlich die Headline »Katar stimmt Treffen eines Expertenteams Irans mit gefangenen Piloten zu«. Im Teaser des Textes wurde diese Behauptung dem Brigadegeneral Mohammed Bagherzadeh, dem Leiter der Vermisstensuchabteilung beim Generalstab, zugeschrieben.
Im weiteren Text gab Tasnim die Aussagen Bagherzadehs sehr ausführlich, allerdings fast ausschließlich in indirekter Rede, wieder. Er unterstellte zwar, dass Katar an verborgener Stelle – angeblich auf See – drei schwerverletzte und erkrankte Piloten unter »ungeeigneten Umständen« gefangenhalte, forderte deren Freilassung und die Einschaltung des Internationalen Roten Kreuzes. Wörtlich hieß es dort jedoch nur: »Der General begrüßte die Entscheidung der katarischen Regierung, ein Expertenteam der Islamischen Republik Iran zu empfangen, und rief dazu auf, für die nötige Kooperation zu sorgen.« Von einer Zustimmung des Fürstentums zu einem Treffen mit den Gefangenen war jedoch nicht die Rede. Sie ist eine Zugabe der Tasnim-Redaktion, was immer das bedeuten und bezwecken mag.
Wenn man seit über 20 Jahren englischsprachige Medien der Islamischen Republik beobachtet, weiß man, dass teils sensationelle und oft stutzigmachende Headlines und Teaser, die durch den Inhalt der Texte nicht gedeckt sind, auch dort zum üblichen Handwerkszeug gehören. Es kommt sogar vor, dass iranische Politiker mit Aussagen zitiert werden, die sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht getätigt haben. »Informanten« sind besonders oft Parlamentsabgeordnete, die den Medien zutragen, was der Außenminister oder sogar der Präsident ihnen angeblich, etwa während einer Ausschusssitzung, berichtet hat.
Zu Bagherzadehs Aussagen merkte die solide arbeitende chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Sonnabend an, seine Stellungnahme sei auf der Website der von ihm geleiteten Suchabteilung veröffentlicht worden. Direkt zitiert wurde sie in internationalen Medien nicht.
Der zugrundeliegende militärische Zwischenfall hatte sich am 2. März, am dritten Tag nach Beginn der US-amerikanisch-israelischen Aggression gegen Iran, ereignet. Zwei russische Kampfflugzeuge der iranischen Luftwaffe mit jeweils zwei Mann Besatzung waren von Katars Abwehr nach einem erfolgreichen Überraschungsangriff auf die Al-Udeid-Airbase, den größten Stützpunkt der USA im Nahen Osten, abgeschossen worden. Drei der mit dem Fallschirm abgesprungenen Piloten sind nach Darstellung Dohas vermisst. Der vierte sei tot aufgefunden worden. Seine Überreste wurden vor einer Woche einer iranischen Delegation übergeben.
Katar hatte im April die Islamische Republik zur Entsendung eines Expertenteams eingeladen. Daraus wurde monatelang nichts. Iran macht »ständige Verzögerungen« durch die Gegenseite dafür verantwortlich. Al-Udeid wurde im weiteren Kriegsverlauf vom Iran auch mehrmals mit Raketen und Drohnen angegriffen. Die Beschädigungen werden von internationalen Beobachtern aufgrund von Luftaufnahmen als schwer eingestuft.
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