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Fall Yahalomi

Reise kann weitergehen

In Österreich vermisste Israelinnen tauchen in Argentinien wieder auf. Gründe für zeitweises Verschwinden ungeklärt

Foto: IKG Wien
Von Prag aus wollten Mali Yahalomi (50) und Tochter Liel (23) nur kurz nach Wien – eine Woche später tauchen sie in Buenos Aires wieder auf

In Wien waren sie vor einer Woche »spurlos verschwunden«, ohne wenigstens den engsten Verwandten ein Lebenszeichen zu geben. Am Freitag wurden die Israelin Mali Yahalomi (50) und ihre Tochter Liel (23) in einem Reisebus am Flughafen der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires »entdeckt«. Nachdem aus formalrechtlichen Gründen ein argentinischer Polizeioffizier die beiden Frauen kurz angesprochen hatte, übernahm das weitere der aus Mexiko eingeflogene »Vertreter der israelischen Polizei in Südamerika«, Walter Kogan. Er wird als sehr erfahrener Mann mit nachrichtendienstlichem Hintergrund beschrieben. Also vermutlich jemand, der neben der Polizei auch den Auslandsgeheimdienst Mossad repräsentiert, von dem es zuvor schon geheißen hatte, er sei »in die Ermittlungen eingeschaltet«.

Kogan sprach die Frauen auf hebräisch an, was sie offenbar überraschte und erschreckte, und erklärte ihnen, dass ganz Israel sich große Sorgen um sie gemacht habe. Er veranlasste dann die Entfernung aller anderen Passagiere aus dem Bus, um allein mit den Frauen zu sprechen. Von einem Teil des Vorgangs verbreitete die israelische Regierung sofort Videoaufnahmen. Vermutlich, um beweiskräftig zu zeigen, dass alles gewaltfrei und zivilisiert ablief. Die Frauen seien ihm sogar weinend um den Hals gefallen, berichtete Kogan anschließend. Man könnte einen Hauch von »Stockholm-Syndrom« konstatieren: Die Yahalomis waren vermutlich in diesen Momenten auf ihre Festnahme gefasst, und sie erfuhren nun vom regionalen Polizeivertreter Israels, dass gegen sie nichts strafrechtlich Relevantes vorliege und sie ihre Reise fortsetzen könnten.

Das scheinbar »spurlose Verschwinden« von Mutter und Tochter hatte vor allem in Israel Vermutungen und Gerüchte ausgelöst, die durch das aufgeregte und offensive Agieren der »Sicherheitsorgane« verstärkt wurden. Die Theorien reichten von einer Entführung durch die iranischen Revolutionsgarden bis zum Verdacht, dass Mali Yahalomi, die in der Bank of Jerusalem das Privatkundengeschäft betreute, Geld unterschlagen habe und nun auf der Flucht sei. Dass die Unterabteilung YALAC (zuständig für Wirtschaftskriminalität) der Polizeispezialeinheit »Lahav 433« Ermittlungsführerin war, gab dem Verdacht Nahrung. Die Börsenkurse der Bank of Jerusalem taumelten vorübergehend wild, bis Banksprecher verkündeten, es sei kein Geld verschwunden.

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Nach gegenwärtigem allgemeinem Wissensstand hatten die beiden Frauen ihr »Verschwinden« mindestens einen Monat lang vorbereitet, wobei es allerdings sein könnte, dass nur die Mutter die planende, treibende Kraft war und die Tochter ihr lediglich folgte. Nachgewiesen ist, dass mindestens eine der beiden Frauen sich vorher bei einer künstlichen Intelligenz (KI) kundig gemacht hatte, wie man eine solche Aktion durchführt und welche südamerikanischen Staaten kein Auslieferungsabkommen mit Israel haben. Das war der Hauptfehler, der zu ihrer »Entdeckung« in Argentinien führte. KIs sind wie ein offenes Scheunentor für die speziell dafür geschulten Cyberermittler. Dass die Yahalomis nach den Ratschlägen der KI ihre Handydaten gelöscht, sich in Prag neue, vermeintlich »neutrale« Handys besorgt und falsche Spuren zur Irreführung ihrer engsten Verwandten gelegt hatten, half ihnen gar nichts.

Als sie nach ihrer Flucht aus Wien in Frankfurt am Main ein Flugzeug bestiegen, lief bereits eine von Israel veranlasste internationale Großfahndung nach ihnen, in die auch Interpol und Europol einbezogen waren. Bevor die Maschine in Buenos Aires landete – Flugzeit knapp 14 Stunden –, war schon der in Mexiko stationierte Kogan vor Ort geeilt. Flugzeit knapp zwölf Stunden. Vielleicht hatte aber auch eine vorherige Ticketbuchung den Zugriff ausgelöst, der maßgeblich unter israelischer, nicht unter argentinischer Leitung stattfand. Dass dieses Land seit Dezember 2023 einen obsessiven Israel-Fan zum Präsidenten hat, erleichterte vermutlich die Arbeitsteilung.

Ein nicht plausibel motivierter Versuch eines »privaten Untertauchens« also? Ja, sagt die Wiener Polizei und erklärt den Fall für abgeschlossen. Als Begründung der gigantischen israelischen Fahndung nach den beiden Frauen – 300 Ermittler seien einbezogen gewesen, heißt es offiziell – ist das nicht nur dürftig, sondern unglaubwürdig. Stay tuned.

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.08.2026, Seite 7, Ausland

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